Liveblog in der Nachlese Wie München den Tag der Entscheidung erlebt hat

München wird zur Vetomacht: Die Stadt hat über den Flughafenausbau abgestimmt, nun sind alle Stimmbezirke ausgezählt - und die Gegner gewinnen mit fast 55 Prozent. Bei den Grünen wird gejubelt, OB Ude spricht von einem Rückschlag. Der Tag der Entscheidung in der Liveblog-Nachlese.

Von Tobias Dorfer, Anna Fischhaber und Silke Lode

Soll der Münchner Flughafen um eine dritte Start-und-Landebahn erweitert werden? An diesem Sonntag waren die Münchner zur Abstimmung aufgerufen, um 18 Uhr haben die Wahllokale geschlossen, nun sind alle Stimmbezirke ausgezählt - und die Gegner haben überraschend deutlich gewonnen. Dementsprechend gut ist die Stimmung im Stemmerhof in Sendling. Die Befürworter haben sich nur wenige hundert Meter weiter im Café Blue versammelt, lange war man dort noch um Optimismus bemüht, nun gesteht man auch hier die Niederlage ein Lesen Sie im Liveblog, wie München und Freising den Tag der Entscheidung erlebten.

"David hat gegen Goliath gewonnen"

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21:57 Uhr

Groß ist auch der Jubel bei den Freisingern - sie wären von der dritten Startbahn direkt betroffen, durften aber an diesem Sonntag nicht abstimmen. Nun wollen sie für die Münchner eine Party organisieren. "Ihr habt eine Brücke aufgebaut zwischen München und Freising. Ihr seid einfach Wahnsinn! Ich habe immer gesagt, wenn wir es schaffen, die dritte Startbahn zu stoppen, dann gibt es eine große Party. Diese Party machen wir jetzt!", sagt der überglückliche Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher.

21:33 Uhr

(Foto: SZ-Grafik)

Alle Stimmbezirke sind ausgezählt, meldet das KVR. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 32,8 Prozent. Die Gegner haben die Abstimmung gewonnen - mit 54,3 Prozent. Die Befürworter kommen bei der Stichfrage nur auf 45,7 Prozent. Die Gegner jubeln, bei der bayerischen Regierung will man die Niederlage dagegen nicht recht wahrhaben: Endgültig vom Tisch seien die Ausbaupläne für den Flughafen noch nicht, betonte Finanzminister Söder (CSU): "Es gibt keinen Plan B, aber auch keine Denkverbote." "Es darf nicht das Ende sein", erklärte Wirtschaftsminister Zeil (FDP). Nun werde die Landtagswahl "zu einer Abstimmung darüber, wie zukunftsfähig Bayern ist".

21:18 Uhr

Christian Hierneis, der Sprecher des Münchner Bündnisses, sagt: "Das ist eine Sensation. So etwas erlebt man nicht oft, hier hat David gegen Goliath gewonnen." Dann tritt Christian Magerl, der Landtagsabgeordnete der Grünen und Startbahn-Gegner, ans Mikrofon im Stemmerhof. Er dankt allen Unterstützern - und wird plötzlich unterbrochen: "Tooooooor" rufen einige hinten im Saal. Deutschland führt gegen Dänemark mit 1:0, aber irgendwie kümmert das hier niemanden. Katharina Schulze, die Münchner Grünen-Chefin, die bis vor wenigen Minuten im KVR ausgeharrt hat, kniet in einer Ecke und lädt ihr Handy auf. Unterstützer rennen auf sie zu und umarmen sie. Aus der Ecke hört man jetzt nur noch Gekreische.

21:05 Uhr

Helga Stieglmeier, die Sprecherin von Aufgemuckt, betritt den Stemmerhof. Im Schlepptau hat sie Dieter Janecek, den bayerischen Grünen-Vorsitzenden, die Münchner Grünen-Chefin Katharina Schulze und Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. Der Jubel ist laut, wieder rufen alle "zwei gewinnt". Dann geht Stieglmeier ans Mikrofon. "Wir sind beinahe gestorben drüben im Kreisverwaltungsreferat", ruft sie in den Saal. Jetzt sei sie einfach nur glücklich, dass "dieses Irrsinnsprojekt", wie sie die geplante dritte Start-und-Landebahn nennt, gestoppt wurde. 15 Organisationen hätten im Bündnis Aufgemuckt etwas auf die Beine gestellt. "Deshalb haben wir es geschafft, das Ergebnis in München zu drehen und zu gewinnen." Stieglmeier bedankt sich bei allen Unterstützern und freut sich, dass München solidarisch mit den Flughafenanliegern war. "So sehen Sieger aus", singen die Startbahn-Gegner. "SiegerInnen", ruft einer dazwischen.

20:48 Uhr

Im Café Blue haben die Befürworter aufgegeben, statt der Seite vom KVR läuft nun auf der Leinwand Fußball, meldet Kollege Dominik Hutter. Zuvor hatte der Flughafen bereits für Lacher bei den Gegnern gesorgt. Über dessen offiziellen Twitterkanal lief auf einmal #zweigewinnt, das Motto der Startbahn-Gegner. Dann ist der Tweet wieder verschwunden. Beim Flughafen möchte man offenbar nicht zu früh trauern.

20:46 Uhr

Ude kündigt nun an, das eindeutige Ergebnis "ohne Wenn und Aber zu akzeptieren". Die dritte Startbahn sei vom Tisch, da die Stadt nunmehr verpflichtet sei, als Mitgesellschafter des Flughafens gegen den Ausbau zu stimmen. Zugleich warnte Ude davor, den Willen der Bürgerschaft mit "Tricksereien" zu hintergehen. Nach Auszählung von 270 der 320 Stimmbezirke liegen die Startbahngegner nun noch mit etwa 55 Prozent vorn.

20:30 Uhr

Ganz anders die Stimmung bei der CSU in Freising, mit der Kollegin Kerstin Vogel gesprochen hat. Florian Herrmann, CSU-Landtagsabgeordneter aus Freising, sagt etwa: "Für unsere Region ist das ein sehr  guter Tag, vor allem für die Menschen, die unmittelbar betroffen gewesen wären." Er sehe nicht, welches Szenario den Bau jetzt noch ermöglichen sollte. "Wer sollte die Anteile der Stadt München denn kaufen? Der Freistaat? Das glaube ich kaum. Abgesehen davon, dass das auch eine Trickserei wäre."

20:27 Uhr

Im KVR redet OB Ude jetzt von einem Rückschlag, er sei "überrascht" vom eindeutigen Ergebnis. Zu den Vorwürfen von CSU und FDP sagt er: "Das ist einer der peinlichsten und jämmerlichsten Versuche, sich aus der Verantwortung herauszustehlen. Die CSU hat das Projekt im Rathaus zum Thema eines Ratsbegehrens gemacht." Nach der Auszählung von zwei Dritteln der insgesamt 320 Stimmbezirke liegen noch immer die Gegner klar vorne.

20:19 Uhr

Im KVR haben bereits die Schuldzuweisungen begonnen. Der Münchner Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) sagt, man werde das Ergebnis akzeptieren, es sei aber auch eine Niederlage für Ude. "Natürlich sind auch CSU und FDP für den Flughafenausbau, aber das ist ein Entscheid der Stadt München, und deren oberster Repräsentant ist der OB." Heubisch sagte, Udes Einsatz in den letzen Monaten habe zu wünschen übrig gelassen. Auch Josef Schmid, Fraktionschef der CSU im Rathaus, macht Ude Vorwürfe: "Ich frage mich, was man mehr hätte tun können, und da fällt mir auf: Einer hat nicht genug getan. Und der heißt Christian Ude und ist Münchner OB."

20:15 Uhr

Die Startbahn-Befürworter wittern Wahlbetrug. In einem Forum für den Flughafen-Ausbau ist von orangenen Zetteln die Rede, die in Wahlurnen gelegen haben sollen. Darauf soll gestanden sein, wie gegen die dritte Start-und-Landebahn abgestimmt werden kann. Sebastian Weisenburger, der Münchner Grünen-Chef, horcht auf. "Das waren wahrscheinlich unsere Wahlkampfinformationen. Die hat offenbar jemand als Hilfe in die Kabine mitgenommen und liegenlassen."

20:12 Uhr

Theresa Schopper geht im Stemmerhof ans Mikrofon. "Wir Münchner haben eine große Verantwortung übernommen. Wir haben für die Menschen auf Berglern, aus Attaching, Erding und Freising abgestimmt, dass die Menschen dort eine lebenswerte Zukunft haben." "Zwei gewinnt", rufen die Menschen hier. Der Jubel ist laut. Zwei gewinnt, twittert auch Grünen-Landeschef Dieter Janecek und berichtet von fairen Glückwünschen. Im KVR hat nun Ude angefangen zu sprechen.

19:54 Uhr

196 Stimmbezirke - und noch immer liegen die Startbahn-Gegner mit mehr als 56 Prozent bei der Stichfrage vorne. Im KVR reden bereits alle davon, dass sie diesen Bürgerentscheid gewonnen haben. Vor der großen Leinwand im Cafe Blue bei den Befürwortern geht es zunehmend verhalten zu. Viele laufen nach draußen und schauen nur noch gelegentlich mal nach, welcher Wasserstand aktuell herrscht. Noch ist nichts verloren, heißt es noch um 19.30 Uhr- auch wenn die Startbahnbefürworter bis dahin kein einziges Mal vornegelegen sind. "Eine gewisse Tendenz zeichnet sich schon ab", räumt Flughafenchef Kerkloh schließlich ein.

19:52 Uhr

Das Ergebnis wird immer deutlicher: Nach Auszählung der Hälfte aller Stimmbezirke liegen die Gegner überraschend klar vorne. Nach Auswertung von 162 der insgesamt 320 Stimmbezirke der Landeshauptstadt entschieden sich rund 56,6 Prozent gegen den Bau, knapp 43,4 Prozent dafür, meldet das KVR.

19:41 Uhr

Jetzt sind rund ein Drittel der Stimmbezirke, 119 von 320, ausgezählt. Der Trend bleibt konstant. Noch immer halten die Gegner 56 Prozent, die Befürworter nur 43. Im KVR wagt sich nun Grünen-Landeschef Dieter Janecek als erster aus der Deckung: "Ich bin glücklich und begeistert: dass wir wohl so klar gewinnen werden, hat vor einem halben Jahr noch niemand gedacht. Das zeigt, dass man die Bürger auch ohne viel Geld bewegen kann."

19:25 Uhr

Nun sind 54 von 320 Stimmbezirken ausgezählt, in einem auch schon die Briefwahl. Langsam zeichnet sich ein Trend ab: Nur 44,4 Prozent haben der Frage der Ausbaubefürworter zugestimmt, dem Bürgerentscheid gegen den Ausbau dagegen 57,3 Prozent. Bei der Stichfrage halten die Gegner 57 Prozent, die Befürworter nur 43 Prozent. Das ist auch im Café Blue spürbar - dort macht sich langsam gedrückte Stimmung breit. Doch: Bislang sind nicht einmal 20 Prozent der Stimmen ausgezählt. Das heißt noch kann sich alles ändern.

19:22 Uhr

Im KVR trauen sich die Gegner der Startbahn noch nicht wirklich zu jubeln, hier herrscht angespannte Vorfreude. Grünen-Stadtrat Boris Schwartz sagt: "Das ist kein Trend wie bei einer Landtagswahl, das ist ein zufälliges Ergebnis quer durch die Stadtbezirke." Deutlicher wird Theresa Schopper im Stemmerhof: "Es gibt einen Spruch beim Fußball: Geld schießt keine Tore. Und so ist es heute Abend auch: Geld allein gewinnt keine Abstimmung", sagt sie kämpferisch. Doch: Noch sind erst etwa zehn Prozent der Stimmbezirke ausgezählt.

19:11 Uhr

Endlich geht die Seite des Rathauses wieder - zumindest kurz. Demnach sind nun 15 von 320 Stimmbezirken ausgezählt. Noch immer ist das Ergebnis relativ knapp: Bei der Stichfrage der Abstimmung haben rund 55 Prozent gegen den Bau, knapp 45 Prozent dafür gestimmt. Bestätigt sich dieser Trend im Laufe des Abends, würde das das Aus für die dritte Piste bedeuten.

19:10 Uhr

(Foto: dpa)

Das Internet ist langsam, zu langsam offenbar für die vielen Startbahn-Gegner im Stemmerhof. Sebastian Weisenburger bittet die Anwesenden, sie sollten sich nicht mehr mit dem Handy ins Netz einloggen, damit die Internetverbindung wieder schneller wird und die Internetseite des KVR wieder angezeigt werden kann. Das Warten geht also weiter.

19:03 Uhr

Jetzt meldet sich auch Kollege Dominik Hutter aus dem Café Blue, wo inzwischen rund 50 Befürworter bangen. Bislang führen die Gegner knapp, doch hier will noch niemand aufgeben. "Das wird knapp", sagt Thomas Klühr von der Lufthansa. Flughafenchef Kerkloh hat eine Wette abgeschlossen. Er tippt auf 52 zu 48 für die Befürworter. Bekommt seine Startbahn noch mehr Stimmen, will er Schampus spendieren.

19:01 Uhr

Auch im Stemmerhof baut sich die Seite mit den Ergebnissen nur langsam auf. "Baut doch einer eine Standleitung zur Katha auf", ruft einer und meint damit die Münchner Grünen-Chefin Katharina Schulze, die die Auszählung der Stimmen im Kreisverwaltungsreferat mitverfolgt. Dann wird wieder ein Zwischenstand von der Internetseite der Stadt München an die Leinwand geworfen: Die Befürworter haben 49 Prozent Zustimmung, die Gegner 52,6 Prozent. Bei der dritten, entscheidenden Frage liegen die Gegner mit 52,1 Prozent vorne.

18:53 Uhr

Silke Lode berichtet aus dem KVR: Acht Stimmbezirke sind bereits ausgezählt. Das Ergebnis wird knapper: 52,1 Prozent haben sich in der Stichfrage gegen die Startbahn ausgesprochen.

18:38 Uhr

Ab 18.15 Uhr wollte das Rathaus im Netz die ersten Ergebnisse der Wahllokale veröffentlichen. Doch bislang ist auf der Seite nichts zu sehen. Nun meldet sich Kollege Tobias Dorfer aus dem Stemmerhof. Dort gibt es bereits ohrenbetäubenden Jubel. Sebastian Weisenburger stürmt ans Mikrofon. Dieter Janecek, der bayerische Landesvorsitzende der Grünen, habe das Resultat des ersten Stimmbezirks getwittert. Da haben die Startbahn-Gegner gewonnen. Die Menschen hier fallen sich in die Arme.

18:37 Uhr

Acht Jahre lang kämpft Christian Hierneis vom Bund Naturschutz inzwischen schon gegen den Flughafenausbau. Wegen des Wachtelkönigs, dessen Brutgebiete die dritte Start-und-Landebahn wohl zerstören würde. Aber auch weil die Kosten zu hoch sind und die Menschen in der Airport-Region ohnehin schon unter dem Lärm und Dreck der Flugzeuge leiden würden. "Ich bin so froh, dass wir das Thema heute beenden", sagt der Naturschützer im Stemmerhof. Eine Frau kommt auf ihn zu. "Großer Kämpfer", sagt sie. Hierneis lächelt. Noch ist der Kampf nicht gewonnen.

18:24 Uhr

Jetzt meldet sich Kollegin Silke Lode aus dem KVR, wo als erstes das Ergebnis verkündet wird und um 19.30 Uhr OB Ude spricht. Die TV-Kameras sind bereits aufgebaut, vor den Bildschirmen im Foyer des Standesamts haben sich Menschentrauben gebildet. Zahlreiche Politiker sind schon eingetroffen - Befürworter sowie Gegner der dritten Startbahn. Alle warten auf die ersten Zahlen. "Gespannt ist gar kein Ausdruck", sagt die Münchner Grünen-Chefin Katharina Schulze.

18:17 Uhr

(Foto: Tobias Dorfer)

Im Stemmerhof hat sich der Raum langsam gefüllt. Die Menschen sitzen auf weißen Holzstühlen und trinken Rhabarberschorle. Die Stimmung ist gut, viele junge Leute sind gekommen. Theresa Schopper steht am "Grünen-Tisch", wo gerade zwei junge Männer in ihre Notebooks hacken. Sie wirkt gelöst und strahlt jede Menge Optimismus aus. "Ich bin zuversichtlich", sagt die bayerische Landesvorsitzende der Grünen. Bis zuletzt habe man gekämpft und dabei auch Zuspruch von Menschen bekommen, die sonst "so gar nicht auf der grünen Linie sind". Angespannt ist Schopper aber doch. Denn anders als an gewöhnlichen Wahlabenden gibt es jetzt keine Prognose.  "Ich weiß gar nichts", sagt sie. 

18:07 Uhr

Auch im Café Blue ist eine Leinwand aufgebaut, hier wird später Fußball gezeigt. Sicher ist hier niemand, dass die Münchner wirklich für den Flughafenausbau gestimmt haben: "Dagegen zu sein, ist immer leicht", sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Münchner Stadtrat, Alexander Reissl. "Ich bin zuversichtlich, dass die hohe Wahlbeteiligung auch die Befürworter an die Wahlurnen gelockt hat."

18:00 Uhr

"Drei, zwei, eins-Schluss",  rufen die Gegner im Stemmerhof. Das Schließen der Wahllokale bleibt hier nicht unkommentiert. Nur auf der Leinwand tut sich noch nichts. Bis die ersten Ergebnisse kommen, dauert es noch ein wenig.

17:50 Uhr

Das Wahlamt hat soeben neue Zahlen zur Wahlbeteiligung veröffentlich: Laut deren Hochrechnungen haben bis 17.30 Uhr 33,2 Prozent der Münchner ihre Stimme abgegeben. Damit haben sich beim Bürgerentscheid zum Flughafenausbau in etwa so viele Menschen beteiligt wie beim Stadionentscheid.

17:45 Uhr

Bislang ist im Café Blue, dem Treffpunkt der Befürworter, wenig los. Etwa 20 Menschen haben sich auf der Terrasse versammelt und genießen die Sonne, überall liegt das orange Werbematerial für die dritte Startbahn herum. Bündnis-Sprecher Maximilian Böltl ist müde. Bis spät in die Nacht ging der Wahlkampf - unter anderem waren die Befürworter noch in der Kultfabrik auf Stimmenfang. Auch ein bisschen nervös wirkt Böltl: "Wir glauben, dass es knapp wird", sagt er. "Aber wir sind zuversichtlich, dass wir gewinnen. Die Stimmung gestern war einfach zu gut."

17:36 Uhr

Die eindeutig schönere Party-Location haben sich die Flughafen-Gegner ausgesucht. Der Stemmerhof in München-Sendling ist ein ehemaliger Bauernhof in Blickweite zur alten Kirche. Bio-Lebensmittel und Naturkleidung werden auf dem Areal verkauft, außerdem gibt es immer wieder mehr oder weniger kulturelle Veranstaltungen: Am übernächsten Mittwoch wird ein Vortrag zur "Leitungswasserqualität in Deutschland" angeboten, einen Tag zuvor trifft sich der "Spirituelle Stammtisch". Heute Abend geht es dagegen um Zahlen. Finden sich genügend Münchner, um den Flughafenausbau zu verhindern?

17:10 Uhr

Noch 50 Minuten, dann schließen die Wahllokale. Im Gemeindehaus an der Christuskirche am Dom-Pedro-Platz in Neuhausen wird es langsam eng - zahlreiche Münchner wollen hier noch schnell ihre Stimme abgeben. Die erste Hürde hat der Bürgerentscheid bereits genommen, angesichts der Wahlbeteiligung wird das Ergebnis wohl gelten. Nun steigt die Spannung: Stoppen die Münchner den Ausbau oder geht das Projekt weiter?

16:53 Uhr

Ist es Zufall oder nicht, dass sich die Befürworter der dritten Start-und-Landebahn im Café Blue einfinden? In dem etwas in die Jahre gekommenen Lokal, das nur wenige Schritte vom Kreisverwaltungsreferat entfernt liegt, ist ab 17 Uhr Happy Hour. Cocktails gibt es jetzt für 5,90 Euro. "Am Sonntag entscheiden die Münchner über eines der wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte in ganz Deutschland", hatte Flughafenchef Michael Kerkloh gesagt. Doch so viel steht schon jetzt fest: Es könnte ganz, ganz eng werden.

16:24 Uhr

Laut Wahlamt liegt die Beteiligung um 16 Uhr bereits bei 28,9 Prozent, inklusive Briefwahl. Das Quorum wird damit auf jeden Fall erreicht. Um 17.45 gibt es nochmal neue Zahlen.

16:07 Uhr

Die bayerische Landesregierung will den Flughafen in München auf jeden Fall ausbauen. Ministerpräsident Seehofer (CSU) hat bereits vorab angekündigt, dass er die Landtagswahl 2013 zur Abstimmung über das Projekt machen will. Jetzt legt Wirtschaftsminister Zeil in der Welt am Sonntag nach: "Wenn die Bürger aber eine dritte Startbahn ablehnen, liegt es in der Hand der Stadt München als Gesellschafterin zu entscheiden, wie sie weiter verfahren möchte. Sie muss für ihr Handeln Verantwortung tragen. Die Staatsregierung bleibt bei ihrer eindeutigen und verantwortungsvollen Haltung - ohne Wenn und Aber - nämlich, den Flughafen bedarfsgerecht auszubauen."

16:00 Uhr

(Foto: dapd)

Auch Münchens OB Christian Ude hat schon abgestimmt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Edith von Welser-Ude erscheint er am Sonntag in seinem Wahllokal im Berufsbildungszentrum am Elisabethplatz. Für was er stimmt? Das ist nicht schwer zu erraten: Ude nutzt seinen Besuch im Wahllokal, um erneut für den 1,2 Milliarden Euro teuren Flughafenausbau zu werben. Er hatte allerdings vorab auch angekündigt, das Votum der Bürger akzeptieren zu wollen.

15:50 Uhr

Noch bis 18 Uhr haben die Wahllokale geöffnet. Wer schon abgestimmt hat, weiß: Auf dem Wahlzettel stehen gleich drei Fragen. Die Frage der Ausbau-Befürworter, die Frage der der Ausbau-Gegner und eine Stichfrage für den Fall, dass beide Fragen eine Mehrheit erhalten - was durchaus möglich ist.

15:30 Uhr

(Foto: dapd)

Zunächst läuft der Bürgerentscheid schleppend an, gegen Mittag steigt die Wahlbeteiligung. Rund 250.000 der etwa eine Million wahlberechtigten Münchner - und damit jeder vierte Wahlberechtigte - hat nun seine Stimme abgegeben. "Für einen Bürgerentscheid ist das ganz ordentlich", sagt der stellvertretende Wahlamtsleiter Joachim Dyllick. Zum Vergleich: Beim Entscheid 2004 über den Hochhaus-Bau hatten bis zum gleichen Zeitpunkt erst 13,9 Prozent gewählt.

15:02 Uhr

1.038.000 Münchner sind seit Sonntagmorgen, acht Uhr, aufgerufen, über den geplanten Bau der dritten Startbahn am Flughafen abzustimmen. Der Bürgerentscheid ist erst ab einem Quorum von zehn Prozent gültig, das sind etwa 104.000 Bürger. In Untergiesing hört man von vielen Passanten: "Flughafenausbau? Das betrifft mich doch gar nicht!" Denn: Ausgerechnet die Flughafenanwohner müssen heute zu Hause bleiben, weil Anrainerkommunen wie Erding und Freising im Gegensatz zu München keine Mitgesellschafter des Flughafens sind.