Lesung Die Opfer und ihre Geschichte

Schüler lesen Namen und Kurzbiografien

Der 9. November 1938 war ein schrecklicher Tag, ein Tag, an dem Münchner ihre jüdischen Mitbürger quälten und ins Konzentrationslager verschleppten, wo viele von ihnen den Tod fanden. Auch in diesem Jahr wird an die Münchner Opfer dieses NS-Pogroms erinnert. "Jeder Mensch hat einen Namen" ist der Titel der Namenslesung, die am Montag, 9. November, von 15 bis 18 Uhr am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße hinter dem Künstlerhaus stattfindet.

Mit den Namen der Opfer werden auch ihre Kurzbiografien verlesen. Die Lebensgeschichten dieser Menschen und ihrer Familien sollen, so heißt es in der Einladung der Arbeitsgruppe "Gedenken an den 9. November 1938", deutlich machen, wie tief verwurzelt all diese Menschen in der Münchner Stadtgesellschaft waren. Der 9. November war der Tag, an dem ihr Leben eine unumkehrbare Wendung nahm. Sie wurden entrechtet und verfolgt, gedemütigt und beraubt. Sie wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt und ermordet, andere wurden in den Suizid getrieben. Auch ihre Familien waren Leidtragende der Gewalt. Selbst wenn sie sich ins Ausland retten konnten, blieben die traumatisierenden Erfahrungen von Staatsterror, von Schutzlosigkeit und der schmerzhafte Verlust nahestehender Menschen. Sie alle waren Bürger dieser Stadt. Es lesen Münchner Schülerinnen und Schüler, das Schlusswort spricht Aaron Buck von der Israelitischen Kultusgemeinde.

Um 19 Uhr folgt dann im Saal des Alten Rathauses am Marienplatz eine Gedenkstunde zum 77. Jahrestag der "Reichspogromnacht". Dabei sprechen Oberbürgermeister Dieter Reiter sowie Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Der Historiker Andreas Heusler vom Stadtarchiv München hält einen Vortrag über den "Wandel des Gedenkens an den 9. November 1938 seit Kriegsende". Rabbiner Yehuda A. Horowitz betet den Psalm 91, der demjenigen göttlichen Schutz verspricht, der an Gott glaubt.

Eine akademische Gedenkstunde unter dem Motto "Erinnern - Gedenken - Mahnen" beginnt bereits um 14 Uhr im Hörsaal der Haunerschen Kinderklinik, Lindwurmstraße 4. Im Mittelpunkt steht die Erinnerung an die verfolgten jüdischen Kinderärzte. Den Vortrag hält Professor Joseph Rosenecker.

Der Trägerkreis Pogromnachtgedenken in Dachau lädt um 19 Uhr ins Rathaus Dachau zu einer Gedenkveranstaltung samt Auch 15 Bürgerinnen und Bürger Dachaus wurden 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus der Stadt vertrieben. Nur wenige entkamen dem Holocaust. Bereits am Sonntag, 8. November, findet um 11 Uhr in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein Gedenkgottesdienst statt, an den sich die Eröffnung der Ausstellung "Erinnerte Gegenwart" der Künstlerin Marlies Poss anschließt.

Die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus "Erinnerung muss leben", welche die DGB-Jugend Bayern in der KZ-Gedenkstätte Dachau veranstaltet, beginnt ebenfalls am Sonntag um 13 Uhr am Eingangstor. Von dort wird der Gedenkweg zum Krematorium genommen., wo die Feier mit Kranzniederlegung stattfindet.