Lernhäuser Gut im Geschäft

Das Architekturbüro "h4a" hat die Eliteschule des Sports gebaut und den Wettbewerb für den Bildungscampus in Riem gewonnen - einheitliche Gebäude sehen die Planer nicht als Patentlösung

Von Günther Knoll

In diese Schule würden sie beide gerne gehen: Daniel Schroeter gibt zu, er werde jedes Mal ganz neidisch, wenn er das neue Gymnasium München-Nord betrete, er sei ja noch auf einer "klassischen Flurschule" gewesen. Und Andreas Nies hat zwar seine Oberstufenzeit in einem Pavillon verbracht, wie sein Kollege kam aber auch er noch in den fragwürdigen Genuss des Frontalunterrichts. Die beiden sind Architekten im Büro "h4a Gesser-Randecker Generalplaner GmbH", welches das Gymnasium in Milbertshofen geplant und damit das Umfeld für eine zeitgemäße Form des Unterrichts geschaffen hat. Es sei, wie Schroeter erläutert, die erste Schule, die komplett nach dem Münchner Lernhauskonzept entstanden ist. Und mit dem können sich die Architekten offenbar sehr gut identifizieren. "Transparenz, Luft, Licht - das ist unser Anliegen", sagt Nies. Daniel Schroeter macht die Arbeit mit solchen Vorgaben Spaß, denn "der Rahmen ist gut und er lässt genügend Freiräume zum Planen".

Das Planungsbüro hat seinen Stammsitz in Stuttgart, inzwischen aber betreibt es Dependancen in Düsseldorf und in München. Denn mit ihrer Schulbauoffensive verschafft die bayerische Landeshauptstadt den Planern reichlich Arbeit, die h4a-Architekten sind recht gut im Geschäft. Davor allerdings stehen erst einmal Wettbewerbe. Auch den für den riesigen Bildungscampus Riem haben sie gewonnen, wer aber den Auftrag für den Bau bekomme, das müsse erst noch entschieden werden, sagt Schroeter. Mit dem Gymnasium Nord, das auch eine "Eliteschule des Sports" ist, haben sie aber schon einmal eine Marke gesetzt. Die Anforderungen seien da "sehr sportlich" gewesen, sagt Schroeter. Dass man den Terminplan letztlich eingehalten habe, liege auch daran, dass alle Behörden reibungslos funktioniert hätten.

Sind zufrieden mit der Umsetzung ihrer Planung: die Architekten Andreas Nies und Daniel Schroeter vom Architekturbüro "h4a".

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Und dass man in der Summe sogar unter dem Kostenvoranschlag der Stadt blieb? Mit solchen Kostenvorgaben könne man "vernünftige Lösungen" bauen, versichern die beiden Architekten. "Hier gibt man Geld für Bildung aus und das ist richtig", lobt Schroeter die Stadt. Für Andreas Nies ist München im Vergleich zu anderen Kommunen in Sachen Schulbau sogar "eine Insel der Glückseligen". Wobei, so schränkt er ein, die Stadt schon sehr genau darauf achte, dass kein Geld verschwendet werde. Dafür aber stehe jetzt in Milbertshofen ein Gymnasium, in dem sich Schüler und Lehrer wohlfühlten. Und das sei auch wichtig, denn "die Schüler wohnen dort". "Die wollen lernen, und wenn ich das Umfeld angenehm gestalte, kann dann jeder Ganztagsunterricht umgesetzt werden," sagt Daniel Schroeter.

Auch für die Architekten stelle ein solches Projekt einen Lernprozess dar, deshalb frage man auch ständig nach, "aber im Moment sind alle zufrieden", wie Schroeter festgestellt hat. Die Schüler merkten, wenn sich der Architekt Mühe gebe, "dann gehen sie auch sorgfältig mit ihrer Schule um". Das Gymnasium Nord ist inzwischen sogar zum Ziel einer speziellen Art von Bildungstourismus geworden, andere Kommunen schicken Delegationen, um sich zu informieren.

Wie zuhause sollen sich die Schüler im Gymnasium Nord in Milbertshofen fühlen. Das, so hoffen die Architekten, ist ihnen bei der Umsetzung ihrer Planung mit viel Licht und Transparenz auch gelungen.

(Foto: Florian Peljak)

Wobei diese Schule aber wohl nicht zum Präzedenzfall für München wird. Denn Nies sieht im Schulbau neue Herausforderungen auf die Stadt zukommen. Der Platz, der für Schulen zur Verfügung steht, wird knapper. Schroeter verweist auf das Beispiel eines neuen Gymnasiums in Sendling am Ratzingerplatz. "Wir planen da für 1600 Schüler, das ist ganz anders zu sehen", sagt er. Dort sollen mangels Platz die Sportflächen für die Schüler sogar auf dem Dach untergebracht werden. Es gehe eigentlich immer darum, die adäquate Lösung für eine bestimmte Stelle zu finden.

Deshalb sehen die beiden das Modell "Modulschule" auch nicht als die Patentlösung für München. "Das Modul ist fest, das wird so bestellt. Es ist aber nicht überall realisierbar, denn jede Stelle ist anders", sagt Nies. Und die Zeit der alten Schulen, wie sie Theodor Fischer vor 120 Jahren in München reihenweise plante, ist auch vorbei. Dort könne man, wie Nies es formuliert, "nur versuchen zu heilen". Typische h4a-Schulen werde es jedenfalls nicht geben. "Wir bauen ja keine Denkmäler, wir bauen für die Nutzer", sagt Nies. Und Schroeter ergänzt: "Schulen zu bauen, ist eine der schönsten Aufgaben."