Von D. Hutter, S.Wimmer und A. Martinsohn

Die Polizei stuft eine Drohung als "ernstzunehmend" ein und sperrt für mehr als eine Stunde den Schienenverkehr.

Um 12.55 Uhr ging der Anruf bei der Polizei ein: Ruhig erklärte der Mann, dass am Pasinger Bahnhof eine Bombe hochgehen werde. Die Bundespolizei stufte die Mitteilung als "durchaus ernstzunehmend" ein, rückte mit mehreren Streifen aus und räumte sämtliche Bahnsteige sowie das nähere Umfeld der Station. Mehr als eine Stunde lang konnte am Donnerstagnachmittag kein Zug Pasing passieren, auch die S-Bahnen waren betroffen. Am Ende erwies sich die Bombendrohung als Irreführung. Es dauerte anschließend noch mehrere Stunden, bis das Durcheinander im Zugverkehr wieder entwirrt war.

Wie leergefegt war der Pasinger Bahnhof am Donnerstagmittag nach der Bombendrohung. Sprengstoffhunde und Bombenexperten suchten das komplette Gelände ab, fanden aber nichts. (© Foto:)

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"Es kommt immer wieder einmal vor, dass sich Leute einen vermeintlichen Spaß erlauben und solche Anrufe tätigen", sagt Berti Habelt, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion München. Dieser Anruf allerdings sei anders als die anderen gewesen, "von einer Qualität, wie wir sie schon lange nicht mehr gehabt haben".

Die Polizei räumte deshalb nicht nur den Bahnhof selbst, sondern auch die angrenzenden Geschäfte am Vorplatz. Rund 1000 Menschen warteten hinter den rot-weißen Absperrbändern, während Sprengstoffhunde das Areal durchsuchten. "Jeder Zentimeter wurde abgesucht", sagt Habelt. Nichts. Gegen 14.20 Uhr, gut eine Stunde nach der Sperrung, wurden die Flatterleinen eingerollt, und die Menschenmassen strömten wieder in den Bahnhof.

Die Sperrung am Pasinger Bahnhof hatte massive Auswirkungen auf den gesamten Münchner Bahnverkehr. Sämtliche Fernzüge, die normalerweise Pasing passieren, mussten große Umwege machen - außen herum über Nord- und Südring gen Hauptbahnhof, die entsprechenden Verspätungen inklusive. Am Hauptbahnhof stauten sich die Menschenschlangen vor den Service- und Ticketschaltern.

80 Minuten Verzögerung

Rund 80 Minuten Verzögerung mussten viele Fahrgäste hinnehmen. Eine ältere Dame aus Zürich reihte sich geduldig in die Schlange am Servicepunkt ein. "Ab 60 Minuten Verspätung bekommt man einen Rabatt von 20 Prozent als Gutschrift für das nächste Ticket - die hole ich mir jetzt." Ein anderer Fahrgast ist ob der Verspätung von über zwei Stunden genervter: "Ich muss heute noch nach Dresden, und mein nächster Zug geht erst in einer Stunde." Dennoch zeigen viele Reisende Verständnis für die Bahn. "Die können ja heute nichts dafür", sagt ein junger Mann. "Ich hoffe, die erwischen denjenigen, der das verursacht hat."

Besonders schlimm traf es die Fahrgäste des Regionalverkehrs, dessen Züge München teilweise gar nicht mehr anfahren konnten. Wer von Garmisch in die Landeshauptstadt wollte, strandete in Tutzing am Starnberger See, für Passagiere aus Kempten war bereits in Geltendorf, für Augsburger in Mering Endstation. In umgekehrter Richtung hieß es: am Hauptbahnhof warten - denn natürlich kam auch die S-Bahn nicht an der Sperrzone vorbei.

Bei der ohnehin pannenanfälligen S-Bahn blieben lediglich S1, S2 und S7 von der Streckenunterbrechung verschont - also jene Linien, die Pasing ohnehin nicht ansteuern. Für alle anderen Verbindungen setzte die Bahn ein Notfallprogramm in Kraft. Da nicht sämtliche Züge kurz vor Pasing wenden können, wurden die Strecken an unterschiedlichen Stellen gekappt.

Viele Münchner versuchten, die S-Bahn-Lücke zwischen Pasing und Laim auch per Trambahn zu überbrücken. Die MVG schickte zwar kurzfristig fünf Verstärkerbusse auf die Linie19. Heillos überfüllt war alles trotzdem, und so verursachte die Sperrung des Pasinger Bahnhofs auch im Straßenbahnverkehr größere Verspätungen. Betroffen waren zudem einige Buslinien, die normalerweise direkt am Pasinger Bahnhofsplatz stoppen.

Die Techniker von Bundespolizei und Landeskriminalamt arbeiten daran, den anonymen Anrufer ausfindig zu machen. "In einigen Fällen ist es uns schon gelungen, solche Täter zu identifizieren", sagt Sprecher Habelt. Sollte man ihn finden, erwartet den Anrufer ein Strafverfahren und eine hohe Rechnung: Er müsste die Kosten des Polizeieinsatzes tragen.

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(SZ vom 19.06.2009/sonn)