Von Jan Bielicki

Neun Parteien wollen am Sonntag neu in den Landtag einziehen - laut Umfragen könnte es einigen gelingen.

Die FDP muss leider draußen bleiben. Ein Wachmann ist gekommen und hat das Plakat moniert, auf dem die Liberalen ihre Rechnung aufgemacht haben, was netto vom Brutto bleibt.

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Michael Piazolo ist Kandidat der Freien Wähler und strebt in den Landtag. (© Foto: Robert Haas)

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Denn netto lehnt das Poster etwa 30 Zentimeter zu weit über jenem Teil des Rosenkavalierplatzes, der als Privatgrund gilt. Wolfgang Heubisch muss sein Plakat Richtung öffentlicher Bürgersteig rücken - weg vom Wochenmarkt, dorthin, wo auch SPD und Grüne ihre Wahlkampfstände aufgebaut haben.

Allein die CSU hat vorher bei der Firma angerufen, die den Grund verwaltet, und ihr Kandidat Thomas Zimmermann darf an den Marktständen Broschüren und Wundpflaster verteilen. "Dabei habe ich sogar meine Praxis in dem Haus", klagt Heubisch.

Der Zahnarzt will für die FDP in den Landtag. Und wenn die Wähler die Umfragen bestätigen, die den Liberalen einen Einzug ins Maximilianeum vorhersagen, könnte der 62-Jährige tatsächlich zu den Abgeordneten gehören. Immerhin gehört Heubisch als Landesvorsitzender des Verbandes Freier Berufe zu den bekannteren Kandidaten, die die FDP in München ins Rennen schickt.

Er und der ebenfalls 62-jährige Arzt Otto Bertermann, der hier in seinem Stimmkreis Bogenhausen auch an den Infostand gekommen ist, gelten als die aussichtsreichsten Kandidaten der München-FDP - zumal dann, wenn sich Heubischs Wahlwunsch erfüllt: "Acht Prozent brauchen wir in München schon", sagt er.

"Bündnis für mehr Netto"

Er hat ein "Bündnis für mehr Netto" gegründet und verteilt schwarz-gelbe Topfscheuerschwämme, deren weiche, gelbe Seite die FDP symbolisieren soll - und die schwarze, grobe die regierende CSU. Über die CSU ziehen die beiden FDP-Ärzte gerne her, besonders über die Gesundheitsreform, die die Christsozialen in Berlin mitverantworten.

Natürlich hoffen beide, sagt Bertermann, als Leute gewählt zu werden, "die außerhalb der Politik in ihrem Beruf etwas geleistet haben und jetzt auch etwas für die Gesellschaft tun können". Aber ebenso natürlich setzen die Liberalen auch auf jene Wähler, erklärt Heubisch, "die unzufrieden sind mit der CSU und mit der Politik der großen Koalition in Berlin".

Um die Unzufriedenen buhlen in München immerhin neun Parteien und Gruppen, die bislang noch nicht im Landtag saßen. Das sind zwar nicht mehr als vor fünf Jahren, aber neu ist, dass Umfragen gleich mehreren von ihnen die Chance zubilligen, bayernweit die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. "Wir hoffen schon auf enttäuschte CSU-Wähler", sagt Klaus Buchner.

Der 67-jährige Mathematikprofessor von der Technischen Universität ist oberbayerischer Spitzenkandidat der ÖDP. "Ich traue uns zu, den Landtag zu erreichen", sagt er. Die Umfragen bestätigen solch Selbstvertrauen bislang nicht, obwohl Buchner und seine ökologisch-demokratischen Parteifreunde mit dem auffälligen Orange ihrer Werbeluftballons den auffälligsten Parteistand auf dem Corso Leopold aufgestellt haben. Große Graphiken erklären, warum die ÖDP die Atomkraft für gefährlich hält und wie das von ihr vorgeschlagene Erziehungsgeld funktionieren soll.

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