Werben um Erzieherinnen Ohne Personal keine Kinderbetreuung

Die Kita-Situation hat sich in Unterhaching zugespitzt: Derzeit warten 100 Kinder auf einen Platz im September.

(Foto: dpa)

In den Unterhachinger Kitas sind derzeit 13 Stellen unbesetzt. Deshalb bangen hundert Eltern, dass sie im Herbst keinen Platz für ihren Nachwuchs bekommen. Die Gemeinde lockt Bewerber mit einer Höhergruppierung.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Wenn der Sozialausschuss der Gemeinde Unterhaching seine Sitzung im Rathaus spontan vom kleinen in den großen Saal verlegt, steht meist das Thema Kinderbetreuung auf der Tagesordnung, denn das treibt mitunter viele Eltern zu diesen sonst eher spärlich besuchten öffentlichen Treffen. Auch diesmal hatten sich zahlreiche Mütter und Väter auf den Weg ins Rathaus gemacht, ihnen war kürzlich in einem Brief von der Gemeinde mitgeteilt worden, dass ihr Sohn oder ihre Tochter zum neuen Kindergartenjahr im September vorerst keinen Platz in einer Unterhachinger Kita angeboten werden kann. Insgesamt trifft es in diesem Jahr hundert. Der Grund ist ein massiver Personalmangel. Konkret sind derzeit zwei Kitas führungslos, außerdem sind elf weitere Stellen unbesetzt. Jetzt will die Gemeinde mit einer Höhergruppierung bei der Bezahlung Personal nach Unterhaching locken.

Die Verzweiflung unter den Eltern ist groß, für viele hängt von einem Betreuungsplatz die weitere Lebensplanung ab. "Ich muss kündigen und mich arbeitslos melden", beklagte sich eine Mutter bei Hauptamtsleiter Thomas Portenlänger. Der hatte in seinem Bericht über den aktuellen Stand von den oft vergeblichen Bemühungen der Gemeinde berichtet, Personal zu finden. Zwar habe die Gemeinde die Anzahl der Plätze seit 2011 aufgestockt - bei den Krippen von 96 auf 288, bei den Kindergärten von 619 auf 697, im Hort und der Mittagsbetreuung von 459 auf 527. Doch auch wenn das Betreuungsangebot mit dem Neubau des Kinderhauses am Oberweg und der Eröffnung der bilingualen Kita Infantix an der Hauptstraße sowie einem neuen Hortgebäude am Sportpark weiter ausgebaut wird: Das Problem des fehlenden pädagogischen Personals löst das nicht. "Wären alle Stellen besetzt, müssten Sie alle nicht hier sitzen", sagte Portenlänger den Eltern.

Bürgermeister hofft auf Zusagen in Sommerferien

Die müssen aber weiter bangen, ob es doch noch etwas wird mit dem Platz im September. Die Anstrengungen zur Personalgewinnung laufen in der Gemeinde weiter. Bewerbungsschluss gibt es nicht. Unterhaching versucht zwar mit einer arbeitsmarktpolitischen Zulage am oberen Ende der Bandbreite, mit günstiger Wohnung und betrieblichen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten als attraktiver Arbeitgeber dazustehen. Doch auch viele andere Gemeinden bieten solche zusätzlichen Offerten, denn sie sind in einer ähnlichen Situation. "Der Markt ist grundsätzlich leer gefegt", sagt Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD).

Während die CSU findet, man hätte schon viel früher mit der Suche beginnen sollen, ist man im Rathaus der Ansicht, alles Mögliche zur Gewinnung von Personal getan zu haben. Neben Stellenanzeigen in Zeitungen, auf Facebook, auf Internetportalen und bei Ebay habe man sogar Radiowerbung geschaltet. Vier Bewerbung habe man bislang erhalten. "Bisher haben wir alle, die sich beworben haben, auch eingestellt." Noch hofft der Bürgermeister auf Zusagen in den Sommerferien. "Erfahrungen haben gezeigt, dass wir da mehr Personal gewinnen können. Aber garantieren kann ich das nicht", sagte er.

Die Verwaltung hat den Vorschlag von der SPD-Gemeinderätin Monika Kormann-Lassas sofort umgesetzt, und wirbt nun mit einer Höhergruppierung, die Kinderpflegerinnen und -pflegern beispielsweise etwa 250 Euro brutto mehr im Monat bringt, wie Rathaussprecher Simon Hötzl mitteilt. Bei der Arbeitsmarktzulage, die auch über das Jahr 2020 hinaus gezahlt werden soll, sei man mit 200 Euro schon an der obersten Grenze.