Unternehmen Internet aus Unterschleißheim

In der Herzkammer des Betriebs surrt es: Jörg Städele und Stephan Kinner (von links), Gründer und Chefs von Trusted Network, im Serverraum der Firma.

(Foto: Robert Haas)

Alternative zu den Großen: Mit Trusted Network haben Stephan Kinner und Jörg Städele in Unterschleißheim einen Internet-Provider aufgebaut.

Von Alexandra Vettori, Unterschleißheim

Als sich nach dem Weihnachtstrubel die Ruhe zwischen den Jahren über das Land legte, herrschte bei Trusted Network Hochbetrieb. Dann hatten die Kunden des Rechenzentrums Urlaub, die Datenmenge sank, und es war endlich Zeit für Updates und Wartungen. "Dann hat bei uns nur der Auszubildende frei", erzählt Stephan Kinner, der zusammen mit Jörg Städele den Internetprovider seit 15 Jahren betreibt. Ihr jüngster Job war die Einrichtung des freien Wlan-Netzes am Unterschleißheimer Rathausplatz.

Mit einem Serverschrank und drei Geräten begann alles

Ganz klein haben die beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Trusted Network angefangen, mit einem Server-Schrank und drei Geräten. Stefan Kinner war damals 24 Jahre alt, Jörg Städele erst 19. Sie waren damals Kollegen bei einem Internetprovider, Kinner nach einem abgebrochenen Informatikstudium, Städele als Kommunikationselektroniker.

Irgendwann dachten sie sich: Das können wir besser. Und gründeten ihre eigene Firma. Unterschleißheim wählten sie als Standort, weil es dort damals schon einen Glasfaseranschluss im Haus gab und Kinner das örtliche Gymnasium besucht hatte. Heute beschäftigt Trusted Network zehn Mitarbeiter.

"Wir vermieten Platz", beschreibt Kinner das Geschäftsmodell, Platz für Daten und den schnellen Internetzugang dazu, freilich versehen mit individuell auf die Kundenwünsche angepasste IT-Infrastruktur und allen denkbaren Sicherungssystemen. Mittlerweile gibt es auch eine Tochterfirma, Trusted Events, deren Aufgabengebiet die IT-Ausstattung von Messeständen und bei Veranstaltungen ist.

Die Stromrechnung beträgt monatlich etwa 20 000 Euro

Das Herz der Firma ist die große Serverhalle im Keller, doch es schlägt nicht, sondern es surrt. Das Surren kommt von den Klimageräten, die beständig Luft um die Rechner fächeln, hinter den Glastüren im staubfreien Raum herrschen konstant 21 Grad. "Es müssen nicht 16 Grad sein, das ist schon lange vorbei, es darf nur keine Temperaturschwankungen geben", erklärt Städele.

Je kühler es in dem Raum ist, desto höher sind die Stromkosten. Und die, erzählt Städele freimütig, machten ohnehin schon den größten Ausgabeposten aus, 20 000 Euro - im Monat. Dabei sei Trusted Network ein kleines Rechenzentrum, erklärt Kinner, man setze auf Qualität und individuelle Betreuung. Und darauf, dass der Provider jederzeit die Hand auf allem habe. "Andere kleine Anbieter betreiben oft nichts, sondern vermieten nur, das ist bei uns anders." Die Qualität eines Providers lasse sich auch an den Ausfällen ablesen und da habe es bei ihnen in den vergangenen sechs Jahren keinen einzigen gegeben, auch keinen Hack.

Vor allem gegen Stromausfälle muss ein Internetdienstleister gewappnet sein, bei Trusted Network gibt es deshalb ein mehrfach redundantes System. Im Keller stehen die Dieselaggregate für den Notstrom, die 15 Sekunden, die es braucht, bis sie voll arbeiten, überbrücken Batterien. USV heißt das im Fachjargon, unterbrechungsfreie Stromversorgung.

"Heute ist ein Gigabit nichts mehr", sagt Betreiber Jörg Städele

Gegen Viren und Hacker bieten die Betreiber eine Armada an Viren-Scannern, Firewalls und Spam-Filtern, individuell zugeschnitten auf die Kunden. Den Wunsch nach einer schnellen Internet-Verbindung haben sie alle, zehn Gigabit pro Sekunde bietet Trusted Events, der erste Serverschrank vor 15 Jahren arbeitete noch mit zwei Megabit pro Sekunde. Vor allem mit dem Streamen aus dem Internet seien die Datenmengen enorm gestiegen, sagt Jörg Städele, "heute ist ein Gigabit nichts mehr".

Beim freien Wlan hat die Firma als Partner der Stadt Unterschleißheim mitgemacht, weil man sich dem Standort verbunden fühle, Geld verdiene man damit nicht, erklärt Kinner. Um jedem Besucher auf dem Rathausplatz das kostenlose Surfen im Internet zu ermöglichen, hat Trusted Network einen zwei Meter hohen Funkmasten auf dem Platz aufgestellt. Die Antenne sendet zu einem Funkmasten auf dem Dach des Dolce Hotels, von dort zum Rechenzentrum von Trusted Network. Der Umweg sei nötig gewesen, erklärt Kinner, "weil unser Dach zu niedrig war".

Ein bisschen sei es mit dem Internetzugang wie mit der Gesundheit, kommt er dann fast ins Philosophieren. Funktioniert alles, wird es als selbstverständlich hingenommen, gibt es Probleme, ist das Geschrei groß: "Der Nutzer macht sich im Normalfall keine Gedanken, was da an Infrastruktur und Menschen, die dafür arbeiten, nötig ist."

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