Unterhaching Sanfte Hilfe

Fabian Bronold (vorne) kann sich auf seine Familie immer verlassen. Gemeinsam wollen die vier zur Therapie ins Warme fliegen.

(Foto: Claus Schunk)

Der elfjährige Fabian Bronold lebt seit seiner Geburt mit Schmerzen und Epilepsie. Eine Delfin-Therapie soll ihm helfen. Doch die ist teuer.

Von Nadja Tausche, Unterhaching

Sie haben fast ein Jahr lang überlegt, ob eine Delfintherapie wirklich das Richtige ist. Der lange Flug, dazu das umständliche Reisen mit Rollstuhl und das viele Geld: 15 000 Euro kosten die zwei Wochen Therapie auf der Karibikinsel Curaçao. Doch schließlich haben sich Tamara und Franz Bronold, 45 und 58, dafür entschieden, die Reise mit dem erkrankten Fabian und seiner achtjährigen Schwester Tamina zu wagen. "Wir wollen jedem Impuls nachgehen", sagt Fabians Vater Franz Bronold.

Für Fabians Behinderung gibt es keinen Namen

Der elfjährige Fabian hat eine körperliche Behinderung, für die es keinen Namen gibt. Nur einen Zettel mit Symptomen haben die Eltern damals von den Ärzten bekommen, als sie mit ihrem Einjährigen im Krankenhaus waren. Darauf stand unter anderem: schiefer Rücken, entwicklungsverzögert, epileptische Anfälle. Fabian sitzt im Rollstuhl, kann nicht sprechen, schaut aber mit wachen Augen zwischen seinen Eltern hin und her. Im Wohnzimmer der Bronolds gibt es ein Holzgerüst, in dem Fabian alleine spielen kann, das hat Fabians Onkel geschreinert.

Daneben steht ein schwarzes Gerät, das ein bisschen an ein Fahrrad im Fitnessstudio erinnert: Damit trainiert Fabian seine Beine, um Muskeln aufzubauen. "Ein bisschen Sport muss er schon machen, nicht nur rumsitzen", sagt Franz Bronold. Das Schwimmen mit Delfinen im warmen Wasser der Karibik, so hoffen Fabians Eltern, soll dem Jungen mit dem namenlosen Leiden Linderung verschaffen von Krämpfen und Schmerzen. Für diese sanfte Form der Therapie sammeln die Bronolds nun Spenden.

Fabian musste schon als Baby das durchstehen, was vielen Menschen eher im Alter blüht: monatelange Krankenhausaufenthalte, ein Medikament nach dem anderen. "Irgendwann haben wir gesagt, das kann nicht sein", erzählt Tamara Bronold. Nach vier Monaten im Krankenhaus nahmen die Bronolds den Säugling schließlich auf eigene Verantwortung nach Hause. Hilfe fanden sie durch Zusatzernährung mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen. Mutter Tamara Bronold sammelte damit durch ihren Sohn so viel Erfahrung, dass sie als Vitalstofftrainerin heute auch andere Patienten professionell berät. Den Anstoß für die Reise zu den Delfinen bekam die Mutter von einer anderen Vitalstofftrainerin.

Die Hilfsbereitschaft im Ort beeindruckt die Eltern

Am 15. August soll es losgehen für die vierköpfige Familie. Drei Wochen wollen sie in der Karibik verbringen: einige Tage zum Eingewöhnen, zwei Wochen lang Therapien. Durch Einzelbetreuung soll sichergestellt werden, dass auch Fabians Schwester Tamina nicht zu kurz kommt. Um das Geld für die Therapie zusammenzubekommen, hat Franz Bronold im Herbst des vergangenen Jahres Flyer gedruckt und in Unterhaching verteilt. Es sei so viel Resonanz gekommen, "das hat uns umgehauen", sagt Tamara Bronold.

Vom Fußballclub Fortuna Unterhaching über die Vitality Company bis hin zur Freundin von der kleinen Tamina, die bei sich zu Hause Bargeld gesammelt hat, fand das Projekt in Unterhaching viel Unterstützung. Mehr als 12 000 Euro sind inzwischen auf dem Spendenkonto eingegangen, fast schon genug für die Reise. "Was mehr daraufkommt, wollen wir verwenden, um noch einmal hinzufahren", sagen die Eltern. Denn von einer befreundeten Familie wissen sie, dass wiederholte Therapien sinnvoll sein können.

Spenden-Kontakt: dolphin aid e.V. (www.dolphin-aid.de), Verwendungszweck: Fabian Bronold

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