Unterhaching Die WM im Blick

Chris Coonradt war mit 74 Jahren im Team der Amerikaner dabei, als sie Vierte wurden bei der Eisstockweltmeisterschaft in Südtirol. Der Amerikaner trainiert beim EC Parksee in Unterhaching. Der nächste Höhepunkt ist ein Wettkampf der Bundesliga Süd

Von Stefan Galler, Unterhaching

Es gibt Grund zum Feiern für die Unterhachinger Stockschützen: In diesem Jahr feiert der EC Parksee, einer der beiden örtlichen Stockschützenvereine, sein 30-jähriges Bestehen. Dementsprechend werden einige sportliche Veranstaltungen im Zeichen dieses runden Geburtstags stehen, schließlich wollen Vorsitzender Klaus Horstmann und seine Mitstreiter gerade im Jubiläumsjahr demonstrieren, dass es neben dem Sport bei dieser Disziplin auch auf die Geselligkeit ankommt. Absoluter Höhepunkt ist der Wettkampf der Bundesliga Süd, der am 11. Juni 2016 erstmals in Unterhaching stattfinden wird. "Es ist eine tolle Sache für uns", sagt der Klub-Chef. Die 15 besten Mannschaften Süddeutschlands kommen nach Unterhaching, sechs davon qualifizieren sich für die deutsche Meisterschaft. Der EC Parksee ist zwar nicht dabei, freut sich aber auf die Gastgeberrolle, wie Horstmann betont.

Etwa 140 Mitglieder hat der EC Parksee, die Zahlen sind konstant, so der Klubpräsident. Dennoch plagen Horstmann Sorgen, was den Nachwuchs im Verein angeht: "Wir müssen schon eine zunehmende Überalterung feststellen", sagt er. "Es ist einfach schwer, junge Leute zu bekommen, gerade im Großraum München mit all seinen Freizeitangeboten." Am Land sei das etwas einfacher, "da ist das Stockschießen oft eine Familientradition, der Opa nimmt den Enkel mit auf die Bahn und weckt damit das Interesse", so Horstmann weiter.

Dennoch könne sich niemand beschweren, sagt der Parksee-Vorsitzende, schließlich verfüge der Verein über herausragende Trainingsbedingungen. Hinter dem Unterhachinger Sportparkstadion, angrenzend an die Gästetribüne im Norden, liegen die insgesamt sieben Asphaltbahnen des EC - mittlerweile allesamt überdacht. Als 1991 der Sportpark und auch das Vereinsgelände der Stockschützen gebaut wurden, waren es noch zehn Bahnen, die Anlage lag komplett im Freien, als "Vereinsheim" diente ein Baucontainer. Ab Mitte der Neunzigerjahre wurde alles professioneller, es entstand ein festes Gebäude für das Vereinsleben und die Stockschützenhalle. Mittlerweile gibt es gar keine Freiplätze mehr, die letzten mussten Parkplätzen weichen, was beim EC nicht einhellig auf Zustimmung stieß: "Das Problem war, dass ja das gesamte Gelände im Besitz der Gemeinde Unterhaching ist, und wir deshalb nicht mitbestimmen konnten."

Im Großraum München gibt es wenig Nachwuchs für die Vereine im Bereich Eisstockschießen.

(Foto: Catherina Hess)

Vor allem dienstags und donnerstags ist richtig was los auf dem Gelände, da trainieren die Aktiven für ihre Wettkämpfe. Die erste Herrenmannschaft spielt auf Asphalt seit 2015 wieder in der vierthöchsten Wettkampfklasse, der Oberliga, auf Eis schaffte man den Wiederaufstieg bereits 2009. Die Frauen sind in der Regionalliga (Eis), beziehungsweise Landesliga (Asphalt) angesiedelt. Mangels Eisbahnen müssen die Unterhachinger Stockschützen ihre Winterwettkämpfe in Holzkirchen austragen, dort können sie zwischen November und Februar auch einmal wöchentlich auf Eis trainieren. "Das kostet und 600 bis 700 Euro Miete", sagt Horstmann.

Wie gesellig es beim EC Parksee zugeht, zeigt die Tatsache, dass alle Mitglieder in diesen Tagen mächtig stolz sind auf einen aus ihren Reihen: Der 74 Jahre alte Chris Coonradt, ein gebürtiger Amerikaner, hat zuletzt bei der Team-Weltmeisterschaft in Klobenstein/Südtirol teilgenommen - und mit seinen Kollegen vom Team USA Rang vier belegt. "Das ist für uns als Verein natürlich eine große Ehre", sagt Vorsitzender Horstmann, der sich vom selbst ernannten "WM-Opa" natürlich alle Geschichten aus erster Hand anhörte. "Er ist ein Mann wie ein Bär, aber bei der Hymne vor dem Halbfinale hat er wohl Tränen vergossen." Das bestätigt Coonradt: "Wenn man mit 74 bei einer WM antritt, wird man schon mal ein bisschen weinen dürfen."

Der ehemalige Berufssoldat war in den Sechzigerjahren in der Münchner McGraw-Kaserne stationiert, kämpfte im Vietnamkrieg und siedelte sich zunächst 1984 in München an. "Damals haben meine Frau Edith und ich den Kiosk am Hinterbrühler See übernommen, das war mein erster Kontakt mit Eisstockschießen. Selbst habe ich damals aber noch nicht gespielt", sagt der Rentner, der sich ein bisschen anhört wie Arnold Schwarzenegger: Er spricht einen breiten amerikanischen Akzent, gemischt mit alpenländischem Dialekt.

Der Wiesseer Chris Coonradt peilt auch die nächste Weltmeisterschaft im Eisstockschießen an, er wäre dann 76 Jahre alt.

(Foto: privat)

Zwischenzeitlich lebte das Ehepaar Coonradt wieder in den Staaten, seit zehn Jahren seien sie seiner in München geborenen Frau zuliebe zurück in Deutschland. An seinem Wohnort Bad Wiessee begann der Amerikaner aktiv mit dem Eisstockschießen - und schloss sich vor zwei Jahren dem EC Parksee in Unterhaching an. 2014 spielte er seine erste WM, schon damals im Team unter anderem mit einem Allgäuer und einem Steirer, die beide den umgekehrten Weg gegangen sind und einst aus Europa in die USA auswanderten. Im Vorjahr gastierte Coonradt mit dem Nationalteam beim America Cup in Ontario/Kanada - und belegte mit dem US-Team Rang zwei.

Nun also Platz vier hinter Österreich, Italien und Deutschland bei der Weltmeisterschaft, aber den Blick hat er schon wieder nach vorne gerichtet auf die nächsten Titelkämpfe: "Ich war schon diesmal 50 Jahre älter als die meisten Teilnehmer. Mal schauen, ob ich 2018 mit 76 Jahren noch fit genug bin."