Klingendes Unterhaching Auf dem Hörpfad

Gut zuhören. In Unterhaching werden jetzt an zehn besonderen Orten Geschichten erzählt.

(Foto: dpa)

Ein neues Projekt der Volkshochschule bringt Interessierten die Geschichte Unterhachings näher, zum Beispiel bei einem Spaziergang am Hachinger Bach.

Von Sophie Kobel, Unterhaching

Gestartet wird die Tour an einem eher unauffälligen Ort: vor dem Aldi an der Bibergerstraße in Unterhaching. Barbara Sporer, Leiterin der örtlichen Volkshochschule rückt ihre Sonnenbrille zurecht und versucht, für alle 60 Anwesenden sicht- und hörbar zu sein: "Ich freue mich sehr, dass so viele gekommen sind. Heute eröffnen wir den Hörpfad entlang dem Hachinger Bach. Unser kleiner Rundgang wird in etwa eine Dreiviertelstunde dauern. Los geht's!"

Wirklich los ging es vor knapp einem Jahr. Im Mai 2017 hat die Volkshochschule Unterhaching in Zusammenarbeit mit der Stiftung Zuhören den Kurs mit dem Namen "Hörpfad" angeboten. Jeder konnte mitmachen. Ein Mediencoach des Bayerischen Rundfunks gab ein Reportertraining. Dabei lernten 13 Bürger, wie sie Beiträge akustisch aufnehmen, bearbeiten und mit Musik oder Geräuschen hinterlegen. Ein Sprechtraining gab es auch, schließlich wurden alle Beiträge von den Teilnehmern, deren Freunden oder Familienmitgliedern selbst gesprochen. Elf Geschichten sind dabei entstanden über zehn besondere Orte, alle entlang des Hachinger Bachs. "Manche sind der Fantasie entsprungen, andere haben einen historischen Hintergrund. Eines haben sie gemeinsam: Sie handeln von der Gemeinde", erzählt Sporer.

Der erste Stopp wird am ehemaligen Flugplatz gemacht. Über zwei tragbare Lautsprecherboxen versucht das Team der VHS, den passenden Beitrag abzuspielen. Leider gibt es technische Probleme, die Lautsprecher sind viel zu leise und vor allem für die anwesenden Senioren kaum verständlich. "Wir hören uns das alles nachher nochmal in Ruhe bei ein bisschen Verpflegung im Heimatmuseum an!" - Sporer versucht, ihr im Unterholz wartendes Publikum zu trösten: "Außerdem kann sich jeder die Beiträge auch einfach daheim über das Handy oder den Computer anhören." Und zwar unter "klingende-landkarte.de". Das ist die Homepage, über die man alle landesweit produzierten Hörpfade finden und die jeweiligen Geschichten abspielen kann. Auf einer Karte sind die genauen Stellen eingezeichnet, an die ein Beitrag angelehnt ist.

Auf dem Hörpfad: Auf Einladung von VHS-Leiterin Barbara Sporer ließen sich viele Unterhachinger Geschichten über den Hachinger Bach erzählen.

(Foto: Claus Schunk)

Alle Stationen abzugehen würde eine gute Stunde dauern

Alle markierten Orte in Unterhaching abzugehen und anzuhören würde laut Sporer eine gute Stunde dauern: "Aber man kann sich auch einfach mal bei einem kleinen Spaziergang durch den Landschaftspark drei der Stationen anhören. Ein anderer hört sich vielleicht nur den Beitrag zum Heimatmuseum an, wenn er gerade im benachbarten Biergarten sitzt."

Die Gruppe erreicht die nächste Station: ein renaturiertes Stück des Bachufers. Durch die Lautsprecher hört man die Stimme der 80-jährigen Irmgard Christine Thiede. Der Hachinger Bach ist für sie Teil ihrer Kindheit. Hier ließ sie Papierschiffchen schwimmen, baute Holzbrücken über das Wasser und sah mit sechs Jahren die brennende Silhouette Münchens nach den Fliegerangriffen. Als der Hörpfad entstand, spendete sie ein Lied über ihre Erinnerungen an den kleinen Fluss. "Als ich das schöne Ergebnis der Renaturierung gesehen habe, musste ich weinen. Der Bach war in den letzten Jahren immer nur so nebenbei da gewesen und wurde nicht mehr wirklich beachtet. Ich liebe ihn bis heute sehr."

Projekt wird weitergeführt

Besondere Beachtung hat der Hachinger Bach durch das Projekt auf jeden Fall erfahren. Auch ökologische Aspekte werden ins Blickfeld gerückt, kinderfreundliche Geschichten über Biber und Bachratz erzählen über die Lebenswelten und Bedürfnisse der am Bach lebenden Tiere. Sporer freut sich schon auf die diesjährige Weiterführung des Projekts. Anfang Mai beginnt der nächste einjährige und kostenlose Hörpfade-Kurs, die Organisatoren von der Volkshochschule hoffen auf noch mehr Teilnehmer: "Zu den ehemaligen Mühlen des Baches würden wir gerne etwas machen, es gibt noch so viele Geschichten zu erzählen."