Boardinghaus in Unterföhring Hoteliers fürchten Konkurrenz

Das künftige Boardinghaus in zwei der drei Oktavian-Bürotürme soll nach dem Umbau 850 Betten anbieten.

(Foto: Florian Peljak)

Oktavian-Bürotürme in Unterföhring sollen zum Boardinghaus werden.

Von Irmengard Gnau, Unterföhring

Es ist ein unliebsames Projekt für die Unterföhringer Kommunalpolitiker, dem sie nun den nächsten Schritt frei gegeben haben, wenn auch teils mit Zähneknirschen: In den Oktavian-Türmen an der Münchner Straße wird aller Voraussicht nach ein Boardinghaus mit etwa 850 Betten entstehen.

Ein Investor aus Grünwald will zwei der drei markanten Bürotürme zu einem solchen Beherbergungsbetrieb umbauen. Die Gemeinschaft der Unterföhringer Hoteliers protestiert gegen das Vorhaben; sie fürchtet Umsatzeinbrüche.

Die örtlichen Hoteliers lehnen das Projekt ab, weil es zu groß für den Ort sei, wie es in einem Brief an die Gemeinde heißt, den Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) am Dienstagabend im Bauausschuss verlas. Knapp 580 Zimmer mit bis zu 850 Betten sollen den Plänen zufolge nach dem Umbau der Immobilie am südlichen Ortsrand zur Verfügung stehen. Die Gemeinde wollte das Boardinghaus ursprünglich aufgrund seiner Größe verhindern, musste einer Nutzungsänderung aber schließlich zustimmen, da das Projekt aus Sicht des Landratsamts alle Vorgaben des bestehenden Bebauungsplans für das Gewerbegebiet an der Feringastraße einhält. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan wird nun ins weitere Verfahren gehen.

Schädliches Dumping

Die Hotelbesitzer fürchten dadurch Konkurrenz für ihre eigenen Häuser. Ein solch großer Betrieb sei nur mit "Dumpingpolitik" zu bewirtschaften, argwöhnen die Unterzeichner des Briefes und warnen vor einem möglichen Leerstand, sollte das Konzept nicht aufgehen. Auch zusätzliche Verkehrsbelastung im Ort durch die künftigen Gäste sei zu befürchten. Aus baurechtlicher Hinsicht kann die Kommune die Umnutzung des Oktavian-Areals nicht verhindern. In diesem Sinne stimmte auch Bürgermeister Kemmelmeyer mit dem Bauausschuss dem Bebauungsplan zu; er kündigte aber bereits an, dem entsprechenden Satzungsbeschluss im Gemeinderat nicht sein Plazet zu erteilen.

Um das Bauprojekt für die Beteiligten möglichst verträglich zu gestalten, führt die Kommune seit Monaten Gespräche mit dem Investor, insbesondere über die Art der geplanten Nutzung der Türme. Sorgen bereiten den Hoteliers vor allem Kurzaufenthalte. Wenn das Boardinghaus speziell auf Kunden mit längerer Bleibezeit abzielt, etwa Mitarbeiter von Filmprojekten oder Messen, die sich über mehrere Wochen einquartieren, wäre die Konkurrenz geringer.

In den Gesprächen mit dem Investor nähere man sich inzwischen an, sagt Lothar Kapfenberger, Leiter des Unterföhringer Bauamts. Der Bebauungsplan wird die Gremien nun weiter durchlaufen. Passiert er diese, könnten die Umbauten im Herbst beginnen.