Unterföhring Geothermie für ganz Unterföhring

Peter Lohr, Wolfgang Heckl, Otto Bußjäger, Franz Josef Pschierer und Andreas Kemmelmeyer (von links) beim Richtfest in Unterföhring.

(Foto: Rumpf)

Mithilfe der zweiten Energiezentrale soll bis 2020 der gesamte Ort versorgt werden

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Bis zum Ende des Jahres wird die Gemeinde Unterföhring mehr als 60 Millionen Euro in ihre Geothermieprojekt investiert haben. Das sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft Unterföhring) beim Richtfest für die zweite Energiezentrale am Etzweg und kündigte an: "2020 wollen wir in der Lage sein, den ganzen Ort mit der umweltfreundlichen Energie zu versorgen." Nach Angaben des kommunalen Versorgers Geovol markiert der Bau die deutschlandweit einzigartige Erweiterung einer bestehenden Geothermieanlage und wird dank der zusätzlichen zwei Bohrungen die geothermische Leistung der Anlage mehr als verdoppeln.

Bislang versorgt Geovol mehr als 2000 Haushalte und knapp 50 Gewerbekunden in Unterföhring mit Erdwärme. Bereits zur nächsten Heizperiode wird die zweite Energiezentrale betriebsbereit sein - die geothermische Leistung der Anlage wird dann 22 Megawatt betragen, wie der Unterföhringer Rathauschef sagte. Dadurch biete sich nicht nur die Möglichkeit, in den kommenden Jahren auch den Süden Unterföhrings mit umweltfreundlicher Erdwärme zu versorgen und weitere gewerbliche Kunden anzuschließen, sondern auch die Angebotspalette des gemeindlichen Versorgers zu erweitern - zum Beispiel aus der geothermischen Wärme in Absorptionsmaschinen Kälte für die Klimatisierung von Räumen zu erzeugen. In den vergangenen Tagen ist eine erste solche Anlage bei Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring in Betrieb gegangen.

Zur Hebfeier, die im Rohbau der neuen Zentrale stattfand, waren mehr als hundert Gäste aus der ganzen Region gekommen. In seinem Richtspruch hob der Obermeister der Münchner Zimmerer-Innung, Albert Aumann, die Gemeinsamkeiten seines Handwerks mit der Nutzung der Geothermie hervor: In beiden Fällen sei der Rohstoff quasi unerschöpflich und damit nachhaltig. Das Geothermieprojekt in Unterföhring leiste einen wichtigen Beitrag zur oft vernachlässigten Energiewende im Wärmebereich, sagte Kemmelmeyer. Das investierte Geld sei gut angelegt: "Wir denken nicht in Wahlperioden, sondern in Jahrzehnten und in Generationen." Eine Strategie, die Schule machen sollte, sagte der Unterföhringer Bürgermeister und appellierte an Stephan Schwarz, den Geschäftsführer der Stadtwerke München (SWM), den Kohleblock im Heizkraftwerk Nord vom Netz zu nehmen. Der stellvertretende Landrat Otto Bußjäger (Freie Wähler) schloss sich dieser Forderung gerne an. Er berichtete, dass fast die Hälfte der Kommunen im Landkreis München bislang so mutig gewesen seien, "das Molassebecken anzubohren". Das Leitungsnetz im Landkreis sei mittlerweile 300 Kilometer lang. Für das Engagement der Gemeinde und des Gevol-Teams gab es großes Lob vom Freistaat: "In der Geothermie spielt Unterföhring nicht in der Zweiten Liga oder der Bundesliga, sondern in der Champions League", befand Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium.

Wolfgang Heckl, der Leiter des Deutschen Museums und Festredner beim Richtfest, sieht in der erfolgreichen Nutzung der Erdwärme in Unterföhring ein großartiges Beispiel dafür, wie die Zukunft gelingen kann. Er ließ in seinem Vortrag keinen Zweifel daran, dass sie gelingen muss. "Wir haben keinen Plan B, weil wir keinen Planeten B haben", mahnte Heckl. Die Energiewende begreift er als große Chance für das Land. Das wird sich auch im Deutschen Museum widerspiegeln: Für 2017 kündigte der Generaldirektor die Eröffnung einer großen Sonderausstellung zur "German Energiewende" an.

Unterföhring hat mehr als 20 000 Tonnen Kohlendioxid durch die Nutzung der Geothermie eingespart, seit die Geovol im Herbst 2009 begonnen hatte, Wärme aus den Tiefen der Erde zu liefern. Im Oktober soll die zweite Energiezentrale in Betrieb gehen.