Überschwemmung in Unterschleißheim Die Bahn taucht ab

Überschwemmungsgebiet: der S-Bahnhof Unterschleißheim am Montagabend.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Einen Tag nach dem spektakulären Wasserrohrbruch am S-Bahnhof will sich das für die Baustelle verantwortliche Unternehmen nicht näher zur Ursache äußern. Die Gleise sind aber wohl nicht unterspült worden.

Von Irmengard Gnau und Vinzenz Neumaier, Unterschleißheim

Auch am Tag danach gibt es noch keine offizielle Erklärung dafür, warum die Gegend rund um den Unterschleißheimer S-Bahnhof am Montagabend unter Wasser gestanden hat. Was genau den Wasserrohrbruch im Bereich der Baustelle am S-Bahnhalt,bei der die Deutsche Bahn Bauherr ist, verursacht hat, werde noch untersucht, erklärte ein Bahn-Sprecher am Dienstag - "so schnell wie möglich, aber so sorgfältig wie nötig". Wohl beim Setzen von Spundwänden für den barrierefreien Ausbau der S-Bahnstation war am Montag gegen 17 Uhr die Hauptwasserleitung beschädigt worden.

Nach Schätzungen der Unterschleißheimer Feuerwehr schoss das Wasser mit bis zu 600 Litern pro Sekunde aus der Leitung und überschwemmte die Fußgängerunterführung. Auch in Keller und Tiefgaragen in den angrenzenden Wohnhäusern in der Pegasus- und Siriusstraße lief das Wasser. Ein Anwohner berichtet, dass das Wasser in der Tiefgarage knöcheltief gewesen sei. Ein anderer spricht von bis zu 25 Zentimetern Wassertiefe.

Durch den Druckabfall in der Hauptwasserleitung brach auch die Wasserversorgung in Teilen der Stadt zusammen, viele Haushalte mussten zwischenzeitlich ohne Leitungswasser auskommen. Die Stadtwerke bauten eine Notversorgung auf. Bis zum frühen Morgen konnten alle Unterschleißheimer wieder wie gewohnt den Hahn aufdrehen. "Die Feuerwehr und die Wasserversorgung haben einen Riesenjob gemacht", sagt Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) am Dienstagnachmittag. "Ihnen ist zu verdanken, dass die ganze Sache halbwegs glimpflich abgelaufen ist."

"Wir hatten Glück im Unglück."

Ob es womöglich zu Schadensersatzforderungen kommen wird und gegen wen, hängt von den Ergebnissen der Suche nach der Schadensursache ab. "Es sind noch einige Fragen offen", sagt Böck. Etwa, ob den verantwortlichen Baustellenmitarbeiter alle aktuellen Übersichtspläne über vorhandene Leitungen im Boden vorlagen und sie diese auch entsprechend angewandt haben. Mit einer abschließenden Bewertung wolle er aber warten, bis alle Fakten zusammengetragen sind, sagt Böck. Bislang sei die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn an der Baustelle gut gewesen. Insgesamt steht für den Rathauschef die Erleichterung im Vordergrund. "Wir hatten Glück im Unglück, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind und dass die Gleise nicht unterspült worden sind", sagt er.

Nach derzeitigen Erkenntnissen der Bahn seien am Bahndamm keine bleibenden Schäden entstanden, sodass der bisherige Zeitplan eingehalten werden könne. Demzufolge sollen die neuen Bahnsteige zum Jahresende 2018 und der neue Zugang im Frühjahr 2019 betriebsbereit sein. Die Strecke zwischen Oberschleißheim und Lohhof war am Montagabend dennoch als Vorsichtsmaßnahme zwischenzeitlich gesperrt worden - zum Ärger vieler Pendler, die sich im Feierabendverkehr auf dem Bahnsteig in Oberschleißheim stauten und dort auf Busse oder Taxis umsteigen mussten. Fahrgäste zum und vom Flughafen mussten auf die Linie S 8 ausweichen. Gegen 20 Uhr nahm die S-Bahn ihren Betrieb wieder auf.

Auch auf den Straßen in der Nähe des Bahnhofs stand das Wasser zum Teil knöcheltief.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Feuerwehr pumpte bis drei Uhr Wasser

Soweit Feuerwehr und Rathaus die Lage bislang überblicken können, halten sich die Schäden glücklicherweise in Grenzen. Städtische Liegenschaften seien nicht betroffen gewesen, sagt Böck. Über Schäden an den in den Tiefgaragen geparkten Autos ist der Feuerwehr Unterschleißheim bislang nichts bekannt. In den Aufzugschächten von drei Mehrfamilienhäusern hatte sich das Wasser etwa einen Meter hoch gestaut.

In den Kellern stand das Wasser um die fünf Zentimeter hoch. Inwieweit durch den Wassereinbruch zum Beispiel die elektrischen Anlagen der betroffenen Aufzüge in Mitleidenschaft gezogen worden sind, müsse noch untersucht werden. "Das wird Aufgabe der Eigentümer sein, eventuelle Schäden dann einzureichen", sagt Böck.

Auch in den sozialen Netzwerken überwiegt am Folgetag des Unglücks die Erleichterung. Viele Unterschleißheimer hatten sich während des Abends über die Situation vor ihrer Haustüre ausgetauscht, manche boten spontan ihre Hilfe an, etwa um gestrandete Nachbarn mit dem Auto mitzunehmen. Einige nahmen den Vorfall mit Humor und scherzten, nun habe das Schwimmbad "Aquariush" wohl endlich ein neues Außenbecken. Viel Lob erfuhren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Unterschleißheim. Bis nach drei Uhr früh hatten die etwa 55 Ehrenamtlichen in einem Großeinsatz rund um den S-Bahnhof Unterschleißheim Wasser gepumpt, unterstützt von ihren Kollegen der Feuerwehr Riedmoos und Mitarbeitern der Stadtwerke. Sie hatten also eine lange und anstrengende Nacht hinter sich, als sie sich zum Großteil am Dienstagmorgen wieder aufmachten zu ihren Arbeitsplätzen.