Taufkirchen Politiker auf Tuchfühlung

(Erste Reihe von links) Anton Hofreiter, Bela Bach, Jimmy Schulz, Florian Hahn, Ilse Ertl und Katharina Graunke stellten sich den Fragen von SZ-Redaktionsleiter Lars Brunckhorst (zweite Reihe) und den Zuhörern.

(Foto: Claus Schunk)

Großes Interesse an SZ-Podiumsdiskussion in Taufkirchen. Mehr als 450 Gäste kamen ins Kongress- und Kulturzentrum.

Von Bernhard Lohr, Taufkirchen

Mehr als 450 Bürger aus dem Landkreis haben am Mittwochabend die Gelegenheit genutzt, sechs Direktkandidaten für die Wahl zum Bundestag auf Tuchfühlung zu erleben. Der große Saal des Kultur- und Kongresszentrums in Taufkirchen war komplett gefüllt. Die Menschen standen in Trauben an den geöffneten Saaltüren. Schon bei der Präsentation der Kandidaten durch Moderator Lars Brunckhorst, den Leiter der SZ-Redaktion München-Land, kam Stimmung im Saal auf. Die Anhänger der SPD-Kandidatin Bela Bach und die des Grünen Anton Hofreiter applaudierten frenetisch: am Ende provozierte das eine Prognose für den Ausgang der Wahl am 24. September - eine Mehrheit für Rot-Grün, spekulierte Brunckhorst.

Auf jeden Fall war gleich zu Beginn der sich auch schnell munter entwickelnden Debatte klar, dass die Demokratie an diesem Abend der Gewinner ist. Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) sagte bei der Begrüßung, es sei zu sehen, "dass es mit der Politikverdrossenheit vielleicht doch nicht so weit her ist". Man sollte froh sein, "dass wir in einem Land leben, in dem wir unsere Meinung sagen dürfen". Es sei das Recht auch des Veranstalters, denjenigen auf das Podium zu holen, den man wolle. Die Volkshochschule Taufkirchen und die Süddeutsche Zeitung als Mitveranstalter hatten die Kandidaten der im Kreistag vertretenen Parteien geladen.

Auf dem Podium rang Florian Hahn (CSU), der Wahlkreisabgeordnete im Bundestag und verteidigungspolitische Sprecher seiner Partei in Berlin. Mit ihm diskutierten Bela Bach (SPD), Anton Hofreiter (Grüne), Jimmy Schulz (FDP), Ilse Ertl (Freie Wähler) sowie Katharina Graunke (ÖDP). Einen Akzent setzte gleich als erstes auch Hofreiter. Es gehe nicht darum "Politik als Gala" darzustellen. Er wolle etwas bewegen. Hahn zeigte, was er darunter versteht und verwies auf den Erfolg, einen barrierefreien Umbau des S-Bahnhofs Ebenhausen-Schäftlarn durchgesetzt zu haben. Ertl warb für einen starken Verbraucherschutz. Graunke kritisierte eine rein am Profit orientierte Landwirtschaft. Schulz sagte, die FDP sei zurück. Die Liberalen setzten sich für eine Modernisierung ein.

Die Diskussion wurde live auf der Facebook-Seite der Süddeutschen Zeitung übertragen. Bereits vor Beginn der Debatte hatten Mitarbeiter der VHS mehr als 50 Zettel mit Fragen aus dem Publikum gesammelt.