Flüchtlingshilfe in Straßlach-Dingharting "Wenn man gebraucht wird, ist man halt da"

Kinder, die erst vor Kurzem aus Afghanistan geflohen sind, spielen gemeinsam mit den Kindern des Waldkindergartens am Lagerfeuer.

(Foto: Angelika Bardehle)

Asylbewerber erhalten in Straßlach-Dingharting Unterstützung in allen Lebenslagen. Ein Mitglied des Helferkreises war sogar bei einer Geburt mit im Krankenhaus.

Von Benjamin Köster, Straßlach-Dingharting

"Durch unser ehrenamtliches Engagement wollen wir für mehr Interesse, Akzeptanz und Verantwortung zwischen den Bürgern unserer Gemeinde und diesen neuen Mitbürgern werben - für ein harmonisches Zusammenleben", so beschreibt der Helferkreis Asyl in Straßlach-Dingharting seine selbstgestellte Aufgabe in der gut 3000 Einwohner starken Gemeinde auf seiner Homepage. Funktioniert das? Ein Ortsbesuch.

Der Weg durch den Wald bei Kleindingharting ist mit Kerzen beleuchtet, auf der Lichtung stehen Kinder und Eltern um ein Lagerfeuer. Es ist das Winterfest des Waldkindergartens in Straßlach-Dingharting. Anders als sonst hat der Waldkindergarten zu seiner Feier aber nicht nur die Eltern, sondern auch zwei Familien eingeladen, die aus Nigeria und Afghanistan geflüchtet sind und seit kurzem in Straßlach-Dingharting leben.

"Wechselnde Pfade, Schatten und Licht"

Gemeinsam singen sie das Lied "Wechselnde Pfade, Schatten und Licht". Und weil auf den Pfaden, die sie auf dem Weg nach Deutschland hinter sich gelassen haben mehr Schatten als Licht gewesen ist, versucht der Helferkreis Asyl in Straßlach-Dingharting ihnen das Ankommen soweit es geht zu erleichtern.

Julia Waldhauser vom Helferkreis gemeinsam mit Kindern beim Winterfest des Waldkindergartens.

(Foto: Angelika Bardehle)

"Integration ist anders, als man sich das im Kopf vorstellt", sagt Leopold Tröller. "Sich irgendwo anzupassen, ist eins der schwierigsten Dinge überhaupt." Tröller ist seit kurzem Sprecher des Helferkreises. Gemeinsam mit mehr als 50 weiteren Personen organisiert er Hilfe für die Flüchtlinge, die im Ort untergekommen sind: Kleidung, Möbel, Sprachkurse oder einfach ein offenes Ohr für die Familien. "Wir sorgen ab dem ersten Tag für Unterstützung."

Es geht um Unterstützung - nicht um Betreuung

Tröller spricht stets von Unterstützung, darauf achtet er. Das Wort Betreuung kommt ihm im Zusammenhang mit den Flüchtlingen nie über die Lippen. "Sie müssen nicht betreut werden, das sind eigenständige Menschen", meint Tröller. "Aber sie kriegen unsere Unterstützung. Was sie brauchen, kriegen sie - und das können wir uns auch leisten."

Wie so eine Unterstützung konkret aussehen kann, zeigen Stefanie und Jochen Klett. Sie haben eine sogenannte Patenschaft für eine kleine Familie aus Nigeria übernommen. Das bedeutet zum Beispiel Hilfe bei Behördengängen oder Ausflüge in die Berge. "Ich hab auch schon mal eine ganze Taufe übersetzt", erzählt Jochen Klett. "Ich sehe das so: Wenn sie uns zugeteilt werden, müssen wir sie schnellstens integrieren. Das ist das Beste für den Ort und die Familie selbst."

Die Flüchtlinge begrüßen sich mit "Grüß Gott"

Zu den Helfern gehört auch Julia Waldhauser. Kürzlich ist sie mitten in der Nacht ins Krankenhaus gefahren. Eine Familie aus Afghanistan erwartete ein Kind, Waldhauser half dabei, die Sprachbarrieren im Krankenhaus zu überwinden und die Angst zu nehmen. "Wenn man gebraucht wird, ist man halt da", findet sie. So eine Geburt schweißt zusammen, jetzt feiern die beiden Familien gemeinsam Weihnachten.

Diese Form der schnellen unbürokratischen Integration scheint anzukommen. Wie selbstverständlich begrüßt man sich auch unter den Flüchtlingen mit "Grüß Gott", die Kleinsten, gerade mal sechs bis acht Jahre alt, unterhalten sich, obwohl sie erst seit wenigen Monaten in Deutschland sind, mit den anderen Kindern auf Deutsch.

Ohnehin sei es unter Kindern einfacher, meint Helferkreissprecher Tröller, weshalb er sich auch besonders über die Einladung des Waldkindergartens gefreut hat. "Für Kinder ist das kein Problem, da existieren keine Vorurteile." Es gebe kulturelle Missverständnisse, "aber ich meine das nicht negativ. Es ist eben einfach nur anders", erklärt Tröller. Deswegen seien Vorurteile auch so hinderlich. "Vorurteile müssen weg, dann erkennt man die Probleme. Und wenn man die Probleme erkennt, kann man sie auch lösen. Das ist Integration."

Wütend sind die Helfer auf manche Politiker

Auch deshalb ist eine von Tröllers Hauptaufgaben die Moderation zwischen den Akteuren. Meistens ist er dabei trotz der hohen Arbeitsbelastung gut gelaunt. "Humor ist einfach das wichtigste." Wütend wird er allerdings über Politiker, die in der aktuellen Debatte über Flüchtlinge Stimmung schüren. "Da werden mit irgendwelchen Schlagworten gezielt falsche Informationen verbreitet."

Im Ort finde der Helferkreis hingegen großen Rückhalt, sagt Tröller. Nicht nur der Waldkindergarten, viele Vereine und Institutionen unterstützten die Helfer. Die meisten Menschen in Straßlach-Dingharting ziehen an einem Strang. Auch wenn es einige wenige gebe, die den Flüchtlingen ablehnend gegenüber stehen. "Wir haben da aber null Toleranz, notfalls erstatten wir auch Anzeige", sagt Tröller. "Wir müssen ein deutliches Zeichen setzen. Das ist menschenfeindlich und nichts anderes."