Serie: Warum ich mich für die Kirche engagiere Die nächste Generation

Doris Kiesl engagiert sich besonders in der Ökumene.

(Foto: Claus Schunk)

Doris Kiesl ist Leiterin eines Kindergartens. Dort versucht sie, den Jüngsten christliche Werte nahe zu bringen

Von Laura Zwerger, Feldkirchen

"Jedes Tierlein hat sein Essen, jedes Blümlein trinkt von dir, hast auch uns heut nicht vergessen, lieber Gott, wir danken dir." Jeden Mittag sprechen zirka 70 Kinder im Kindergarten "Arche Noah" in Feldkirchen gemeinsam ein Tischgebet. Ein großer Würfel mit Gebetssprüchen wird dafür geworfen, das Beten den Kinder so auf spielerische Weise näher gebracht. So prägt sich das Praktizieren der Religion als angenehm und spaßig ein.

Religionspädagogik "Wo Glaube wächst und Leben sich entfaltet" - nach diesem Leitsatz sollen Kinder in evangelischen Tageseinrichtungen gefördert werden. Damit die Kinder eine religiös fundierte Erziehung bekommen, bedarf es neben der gängigen Pädagogikausbildung zum Erzieher aber auch einer religionspädagogischen Weiterbildung. Dabei lernen Erzieher, mit welch einer Vorstellungskraft Kinder Religion wahrnehmen können und wie sie das umsetzen können. Doris Kiesl im Gemeindekindergarten "Arche Noah" veranschaulicht Geschichten beispielsweise gerne mit Legebildern - so kann mit Tüchern eine Kirche oder ein Haus nachgebaut werden. Auch spirituelle Erfahrungen sollen die Erzieher ermöglichen. Sie unternehmen Fantasiereisen mit den Kindern oder erzählen auch biblische Geschichten. Im Kindergarten "Arche Noah" ist die Ostergrippe aufgebaut, hier können die Kinder einen Teil von Jesus Leben kennenlernen. laz

Doris Kiesl leitet den Gemeindekindergarten in evangelischer Trägerschaft. Seit 22 Jahren arbeitet die 53-Jährige bereits in der Einrichtung, 18 davon als Leiterin. Dabei legt sie neben einer umfassenden Kindererziehung auch Wert auf die Vermittlung christlicher Werte. "Es ist wichtig, bereits im Kindesalter die Wurzeln für den Glauben zu legen", sagt sie. "Dann können die Kinder immer wieder zum Glauben zurückfinden, auch wenn sie sich in ihrer Jugend vielleicht kurzzeitig von der Kirche abwenden, da es dann uncool ist."

Doris Kiesls Lieblings-Bibelstelle "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele." (Psalm 23)

In ihrer Generation war es noch üblich, getauft zu werden

Sie selbst ist evangelisch getauft und war in ihrer Jugend während der Konfirmandenzeit ehrenamtlich tätig - der damals gefestigte Glaube ist ihr bis heute erhalten geblieben. War es in ihrer Generation und in ihrem Umfeld noch üblich, getauft zu werden, so stellt sie seit einigen Jahren einen Rückgang in ihrem Kindergarten fest. "Die Eltern wünschen sich zwar, dass ihre Kinder im Glauben erzogen werden, aber machen selbst oft nichts dafür", sagt sie. "Man merkt, es bricht etwas weg."

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Da aber genau die ersten Jahre der Erziehung wichtig seien, um die religiösen Wurzeln zu verankern, fördert sie in ihrem Kindergarten und auch bei Projekten wie den Kinderbibelwochen die religiöse Bildung von Kindern. "Man versucht, den Kindern den Glauben wieder näher zu bringen. Wenn der Glaube aber zu Hause nicht gelebt wird, dann liegt er brach", sagt Kiesl.

Dabei findet sie nicht, dass der eigene Glaube oder dessen Ausleben abhängig von gängigen Kirchennormen ist. Vielmehr prägen die eigenen Einstellungen das religiöse Leben: "Der Glaube hat nicht immer etwas mit der Kirche zu tun", sagt sie. "Jemand, der jeden Sonntag in die Kirche geht, ist nicht unbedingt gläubiger dadurch." Sie selbst besucht Gottesdienste gerne, jedoch nicht regelmäßig.

Seit einigen Jahren gefällt ihr besonders die aufblühende Ökumene und ihre offenere Sichtweise. Hier feiern evangelische und katholische Gläubige gemeinsam. Sie kann sich aber noch gut daran erinnern, als solch ein offener Umgang mit dem Glauben noch nicht selbstverständlich war: Vor gut zwanzig Jahren sind ihre beiden Söhne in der Schule in eine eigens evangelische Klasse eingeteilt worden - katholische und evangelische Schüler wurden damals strikt getrennt. "Das ist eine Art der Diskriminierung", sagt Kiesl.

Bei einer Konfirmation sollten auch die katholischen Freunde kommen

Solch eine Trennung hält sie für überflüssig: "Für mich gibt es keinen Gott, der entweder katholisch oder evangelisch ist", sagt sie. Deshalb unterstützt sie die Ökumene. Sie hilft dort gerne aus. Ebenso besucht sie bei Gelegenheit katholische Feiern. "Schön fände ich es, wenn beispielsweise bei einer Konfirmation dann auch die katholischen Freunde des Kindes in die evangelische Kirche kommen würden", sagt sie.

Das harmonische Miteinander und die Nächstenliebe sieht Kiesl als Grundlagen der Religion. Ihr ist wichtig, dass die Kinder die Religion mitsamt ihrer Geschichte und ihren Werten auch über die Bedeutung von Weihnachten und Ostern hinaus verstehen. "Wir erklären den Kindern auch das Leben von Jesus - er ist ja nicht nur geboren, gestorben und wieder neu geboren, sondern hat gelebt", sagt Kiesl.

Die Geschichte Jesu ende nicht mit dem Tod

Über Ostern haben sie beispielsweise eine Osterkrippe im Kindergarten aufgebaut, daran wird die Geschichte der Kreuzigung erzählt. "Besonders wichtig dabei ist, dass bei der Kreuzigung auch gleich die Auferstehung mit erzählt wird", sagt sie. "Die Geschichte Jesu sollte nicht mit dem Tod enden, sondern mit dem Leben danach."

Doch genau der Tod ist eine Thematik, die den Glauben eines Menschen verändern kann. Auch sie hat in manchen Lebenslagen an ihrem Glauben und an Gott gezweifelt. "Dann hadert man auch mal mit Gott." Besonders schwierig seien für sie Fragen nach dem Sinn: Wieso muss jemand an Krebs erkranken oder ein junger Mensch bei einem Autounfall sterben? Doch selbst in dieser Auseinandersetzung mit dem eigenem Glauben und Gott sieht Kiesl auch einen positiven Aspekt. "Der Glaube gibt einem Kraft", sagt sie.

Und um diesen Glauben weiterleben zu lassen, sieht Doris Kiesl ihre Aufgabe als Leiterin eines Kindergartens vor allem in einem: "So wie Jesus früher Menschen gefischt hat, so versuchen wir jetzt Kinder zu fischen, damit wir sie wieder zum Glauben führen können."