Schloss Ismaning Geschichte in fast jedem Pinselstrich

Wie in einer Zeitreise: Die durch Auguste Amalie inspirierte Innenausstattung von Schloss Ismaning ist hier in weiten Teilen erhalten.

(Foto: Catherina Hess)

Vor 200 Jahren kaufte Napoleons Adoptivsohn Eugène de Beauharnais das Schloss Ismaning. Für seine Frau Auguste Amalie wurde es zum Lieblingsort, den sie kunstvoll ausschmücken ließ

Von Gudrun Passarge, Ismaning

Die hübsche junge Frau, die da so leichtfüßig, ja fast schwebend, zum Tamborin tanzt, hat sich im Ismaninger Schloss selbst ein äußerst lebendiges Denkmal gesetzt. Die Figur an der Wand zeigt Auguste Amalie, bayerische Königstochter, Vizekönigin von Italien und später Herzogin von Leuchtenberg. Sie hat mit weiblichem Gespür und ihrer Sehnsucht nach Italien zwei Säle geschaffen, die heute noch Besucher in ihren Bann ziehen. Das Schlossmuseum würdigt mit der Sonderausstellung "Inszenierung der Antike" das Ausstattungstalent der bayerischen Königstochter und erinnert zudem an den 17. Oktober 1816. Genau vor 200 Jahren hat Eugène de Beauharnais Schloss Ismaning für 70 000 Gulden erworben.

Das Leben so einer Prinzessin war gewiss nicht immer leicht. Auguste Amalie war die älteste Tochter von Kurfürst Max IV. Joseph, versprochen war sie einem Großherzog von Baden. Aber die Geschichte wollte es anders. Napoleon, während einer gewissen Zeit unumstrittener Herrscher über weite Teile Europas, versprach Max die Königswürde, wenn er seine Tochter mit seinem Stiefsohn Eugène de Beauharnais vermählen würde. Gesagt, getan, Max ging kurz nach Weihnachten 1805 auf den Handel ein, im Januar 1806 durfte er sich König nennen. Und das junge Glück zog gleich nach der Hochzeit im Januar nach Mailand, wo Napoleons Adoptivsohn - Eugène stammte aus der ersten Ehe der Kaisergattin Joséphine, seine Aufgabe als Vizekönig von Italien wahrnahm. Doch Napoleons Stern sank, das Paar musste 1814 fliehen. Was bot sich anderes an, als die Heimkehr in den Schoß der bayerischen Familie? Max nahm seine Kinder mit offenen Armen auf und stattete seinen Schwiegersohn mit den Titeln des Herzogs von Leuchtenberg und des Fürsten von Eichstätt aus. Statt der Anrede "Altessa Imperiale" wie zu italienischen Zeiten blieb Auguste immerhin der Titel "Königliche Hoheit".

Anfangs gab es ganz andere Pläne

Das ist der Moment, da Ismaning ins Spiel kommt. So eine vornehme Familie braucht schließlich eine elegante, passende Unterkunft. Als Jagdschloss für die Freisinger Fürstbischöfe gebaut, wurde das Ismaninger Schlösschen nach der Säkularisation 1803 von Freiherr Ferdinand von Hartmann ersteigert. Sein Interesse galt aber eher der Jagd und der Landwirtschaft, "wir wissen gar nicht, ob er hier gewohnt hat", erzählt Christine Heinz, Leiterin des Schlossmuseums. Wie auch immer, vor fast genau 200 Jahren erwarb es der Franzose und seine Familie hauchte dem Schlösschen neues Leben ein. So wurde beispielsweise 1818 der Blaue Saal angebaut, in dem die Familie speiste. Er ist heute noch fast original erhalten.

Allerdings gab es anfangs ganz andere Pläne. Hofarchitekt Leo von Klenze hatte schon kühne Skizzen entworfen, um aus dem Schloss in Ismaning den Hauptsitz der Familie zu machen. Mit Galerie, Kapelle und Theatersaal. Doch es kam anders. Eugène de Beauharnais entschied sich dafür, als erster an die neu geplante Ludwigstraße in München zu ziehen, wofür Klenze ein Palais mit mehr als 250 Zimmern schuf.

Der geliebte Mann starb früh

Warum der Herzog von Leuchtenberg München letztlich präferierte, das vermag Heinz nicht zu sagen. Sie erzählt jedoch von der etwas schwierigen Beziehung zum Kronprinzen Ludwig, "er wollte die französische Verwandtschaft nicht unbedingt in der Nähe haben". Möglicherweise hat es ihn geärgert, dass der Franzose als Herzog von Leuchtenberg einen Sitz im Ständeparlament hatte und in der bayerischen Politik mitreden durfte, vermutet die Kunsthistorikerin. Vielleicht wollte der Franzose einfach ein Zeichen setzen und investierte viel Geld, um die Idee der Ludwigstraße voranzubringen, "als Startschuss", wie Heinz es nennt. Eben, um dem Schwager zu gefallen.

Ismaning blieb immerhin Sommerresidenz. Und: "Es war das Lieblingsschlösschen von Auguste Amalie", erzählt Heinz. Die vielen Briefe der Königstochter belegen, wie häufig sie in Ismaning war. Nach dem frühen Tod ihres geliebten Mannes im Jahr 1825 erbte zwar erst ihr Sohn Auguste das Schloss, doch der schenkte es sofort seiner Mutter. Damit waren alle Wege frei, sich dort ihren privaten Traum zu erfüllen. Um die Jahre 1835 und 1836 herum ließ sie es herrichten. Inspiriert von einer Italienreise und überhaupt im Gedenken an die glückliche Zeit als frisch verheiratetes Paar in Mailand ließ sie die Säle so bemalen, wie es ihren Wünschen und dem Zeitgeist entsprach. Besonders interessant ist etwa die tanzende Auguste in der Mitte der Wand im Roten Saal. Ihr Bild wird von zwei Adlern getragen, starke Symbolik für die Macht. Schon in römischer Zeit stand der Adler für Zeus und war das Feldzeichen des römischen Heeres. Napoleon berief sich auf Cäsar und das römische Kaiserreich. Auch er übernimmt den Adler in sein Wappen und als Feldzeichen seines Heeres. Schließlich findet er sich im Wappen der Familie de Beauharnais wieder. So tanzt die Herzogin auf kaiserlicher Macht, gekrönt von einer Büste des Kaisers Augustus.

Möglicherweise war dieses Zimmer auch der Versuch, dem Bruder eins auszuwischen, überlegt Christine Heinz. Auguste Amalie habe hier ihr Ziel verwirklicht, die glückliche Zeit in Italien zu zelebrieren. Kleine Deckenbilder mit italienischen Vesuv-Landschaften verstärken die Italiensehnsucht. Und auch ihre Töchter Josephine und Amélie sind wohl als Tänzerinnen auf der Wand verewigt. Die eine heiratete ins schwedische Königshaus ein und ist Vorfahrin von Carl XVI. Gustaf von Schweden, die andere heiratete den Kaiser von Brasilien. Geschichte in fast jedem Pinselstrich.

Es gibt noch viel zu erzählen über die Bezüge der Darstellungen an der Wand zur Geschichte und zum Wunsch, die eigene Herrschaft auf göttliche Berechtigung zurückzuführen. Interessierte haben am Sonntag Gelegenheit, bei einer musikalischen Führung mehr zu erfahren.

Unter dem Titel "Im Zeichen des Adlers" bietet das Schlossmuseum am Sonntag, 16. Oktober, drei musikalische Führungen an, sie finden jeweils um 14, 15 und 16 Uhr statt. Anlass ist der Verkauf des Schlosses an Eugène de Beauharnais vor 200 Jahren. Im Mittelpunkt stehen Erläuterungen zu ausgewählten Motiven der Prunkräume. Es spielt "Blumes Klassische Harmoniemusik", ein Quartett mit Flöte, Klarinette, Waldhorn und Fagott. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Jadin, Catel, Gambaro, Eler und Rossini. Die Karten kosten zehn Euro, sie sind am Rathauseingang erhältlich.