S-Bahn Frust in Feldkirchen

Wegen der Baustelle hält am Feldkirchner Bahnhof keine S-Bahn.

(Foto: Claus Schunk)

Pendler hängen immer wieder am Bahnhof fest, weil der Schienenersatzverkehr während der Bauarbeiten nicht läuft.

Von Helena Ott, Feldkirchen

Wer auf die S 2 angewiesen ist, hat derzeit ein schweres Los. Seit März kommt es auf der Strecke aufgrund des Ausbaus der Bahnsteige Riem und Feldkirchen zu deutlichen Verzögerungen. Besonders hart trifft es Feldkirchner: Die Haltestelle wird nicht angefahren und der Schienenersatzverkehr mit Bussen läuft nicht. Die Situation sei "skandalös", sagt Bürgermeister Werner van der Weck (SPD).

Laut Heinz-Josef Reiser, dem Geschäftsleiter der Gemeinde, kommen im Rathaus seit drei Monaten immer wieder empörte Anrufe an. Die Anrufer beschwerten sich über die Ausfälle und Verzögerungen auf der S-Bahnstrecke von Erding nach München und speziell am Feldkirchner Bahnhof. "Gerade in den letzten 14 Tagen beschweren sich Bürger massiv über den nicht funktionierenden Busverkehr, der die Fahrgäste nach Heimstetten und Riem bringen soll", sagt Reiser. Auch Pendler aus Poing und Markt Schwaben beklagen, dass sie nicht rechtzeitig zu ihrer Arbeit im Münchner Zentrum kämen und bei spontanen Ausfällen zum Teil auf Taxis ausweichen müssten.

Nach Auskunft der Bahn war eigentlich geplant, dass die Ersatzbusse genau wie die S-Bahn alle 20 Minuten fahren und so deren Takt ausgleichen. "Das funktioniert überhaupt nicht", sagt Ralf Zippler, Betreiber des Lokals "Dorftreff" direkt am Feldkirchner Bahnhof. Regelmäßig würden in seiner Kneipe Fahrgäste stranden, die 40, 50 oder 70 Minuten auf ihren Anschluss warten müssten. Manchmal kämen gleich drei Busse in kurzen Abständen, die aber alle nach Riem führen statt auch nach Heimstetten. "Das ist ein Riesenchaos, seit März schon", sagt Zippler.

Zum Unglück kommt noch Pech dazu

Nachdem Bürgermeister van der Weck am Mittwoch bemängelte, dass die Bahn unzureichend kommuniziere, bemüht sich deren Pressestelle um Aufklärung: Die Linie S 2 sei gerade von drei unterschiedlichen Problemen betroffen. Zum einen von den Bauarbeiten an den Bahnsteigen Riem und Feldkirchen, zum anderen von den Folgen einer Güterzugentgleisung Ende Mai auf Höhe Riem. Die Verzögerungen durch die Baustellen seien vorhersehbar gewesen, "aber dann kam zum Unglück auch noch Pech dazu", sagt ein Bahnsprecher.

Um den Fahrbetrieb nicht einstellen zu müssen, sollte der Ausbau des Feldkirchner Bahnsteigs bei laufendem Betrieb erfolgen. Das heißt: Zusätzlich zu Güter-, Regionalzügen und S-Bahnen sollten auf der vielbefahrenden Strecke auch Baustellentransporte die Gleise belegen. Nach dem Güterzugunfall mussten aber auch Oberleitungen und einbetonierte Pfosten ausgetauscht werden. Dadurch wurden die Schienen zeitweise unpassierbar für die Baustellentransporte - die Arbeiten stockten.

Zu dem zusätzlichen Pech zählt der DB-Sprecher auch ein poröses Leitungskabel, das in Feldkirchen am Mittwoch beschädigt wurde. Wieder waren ungeplante Ausfälle und Verzögerungen die Folge. Vielleicht hätten die Feldkirchner Verständnis, wenn die Bahn sie besser informieren würde, erklären würde, warum der neue Bahnsteig nicht wie angekündigt schon Mitte Mai fertig geworden ist. Das geschieht aber nicht. Stattdessen fehlen nach Schilderung von Fahrgästen Ersatzfahrpläne an den Haltestellen und Anzeigen an den Bussen. Einige der Anrufer im Feldkirchner Rathaus berichteten, selbst die Busfahrer hätten ihnen aus eigener Unwissenheit nicht bei der Suche nach der richtigen Ersatzverbindung helfen können.

Seitens der Bahn gibt es zu der Kritik am Schienenersatzverkehr keine Erklärung. Ihr Sprecher verweist auf die beauftragten Subunternehmer. Diese seien angehalten, die Busse zu beschriften und ihre Busfahrer zu unterweisen. Der Bahnsprecher kündigte an, dass die Bauarbeiten bis Mitte Juni abgeschlossen sein sollen und die S 2 dann auch wieder am Feldkirchner Bahnsteig hält.

"Dorftreff"-Inhaber Zippler hat so noch eine Woche Zeit, die eine oder andere Halbe mehr an Leute auszuschenken, die in Feldkirchen vorübergehend festsitzen. Vor einer Woche sei ein junger Mann an seinem Bartresen gesessen, der die Wartezeit mit einem Bier überbrücken wollte. Es kamen zwei Busse an, beide fuhren aber nach Riem, er wollte nach Heimstetten. Aus einem Bier seien am Ende fünf geworden, erzählt der Kneipenbetreiber. Mehr Umsatz macht er trotzdem nicht. Seit Beginn der Bauarbeiten hält der Baustellenlärm Gäste davon ab, sich in den Biergarten vor dem Lokal zu sitzen. Das Gleiche berichtet auch der Grieche gegenüber.