Putzbrunn Drama im Biergarten

Nichts überlässt Regisseurein Eva Trobisch (links) bei ihrem Dreh dem Zufall: Intensiv bespricht sie mit den Schauspielern Norbert Ortner und Aenne Schwarz eine Szene von "Alles gut". Der Kameramann hält auch diesen Moment fest.

(Foto: Claus Schunk)

Die Regie-Studentin Eva Trobisch hat sich im Landkreis München einige Drehorte für ihre Abschlussarbeit ausgesucht - darunter ein Wirtshaus in Putzbrunn. Sie traut sich in dem Film mit dem trügerischen Arbeitstitel "Alles gut" an ein heikles Thema heran.

Von Lenja Hülsmann, Putzbrunn

"Probe die Dritte", ruft Regisseurin Eva Trobisch den Schauspielern zu. Im Wirtshaus des Biergartens "Rothmeyer's zur Einkehr" in Putzbrunn ist jetzt Konzentration gefragt. Janne und Mirko, gespielt von Aenne Schwarz und Norbert Ortner, betreten die Kneipe, in der ihr Klassentreffen stattfindet. Sie unterhalten sich, typischer Smalltalk. Sie trägt ein rotes Kleid, hohe Schuhe, er kommt in hellblauem Hemd und Sakko. Es ist dunkel. Noch ahnt Janne nicht, was ihr nach dem Klassentreffen widerfahren wird. Die Stimmung ist gut, es wird viel getrunken. Die beiden bestellen an der Theke Bier und Weißwein.

Was da in die Gläser gefüllt wird, sind aber keine alkoholischen Getränke. Eigentlich trinken die Schauspieler während des achtstündigen Drehs am Montag verdünnten Saft: Apfelschorle als Bier und Wasser mit einem Schluck Apfelsaft als Weißwein.

Am Set wird viel gelacht, die Schauspieler sind locker. Die Geschichte, die sie zu spielen haben, aber ist ernst: Die Protagonistin, eine starke Frau, wird im Laufe des Films vergewaltigt. "Ein Film, der zum Nachdenken anregen soll", sagt Eva Trobisch, die ihm den Arbeitstitel "Alles gut" gegeben hat.

Bis vier Uhr nachts wird am Montag im Biergarten in Putzbrunn gedreht, an diesem Mittwochmorgen geht es weiter. Insgesamt nur knapp zwei Minuten des 90-minütigen Dramas werden am Montagabend gedreht. Vor allem für die Komparsen heißt das: Immer wieder die gleiche Bewegung, der gleiche Schritt, der gleiche Satz. "Das kann schon manchmal nervig sein, dass man immer wieder die gleiche Szene dreht", sagt Thomas Witor, der hauptberuflich als Versicherungskaufmann arbeitet. Ihn reizt an der Aufgabe, dass sich häufig etwas ändere - und er die Konzentration hochhalten müsse, sagt Witor.

Die meisten Komparsen hat Eva Trobisch über eine Agentur gefunden. Bei den Hauptrollen sei die Suche schwieriger gewesen. "Wir haben zum Beispiel 20 Jannes gecastet", sagt sie. "Mir war es wichtig, dass es Theaterschauspieler sind, da ich recht frei arbeite." Das Drehbuch sei dabei nur ein Rahmen.

Der Biergarten ist einer von etwa 20 Orten in und um München. Auch die Sauna der Squash Insel in Taufkirchen und das FWU Institut für Film und Bild in Grünwald werden in dem Drama zu sehen sein.

Die Hauptdarstellerin spielt eigentlich am Wiener Burgtheater

Zusammen mit der Produktionsfirma Trimaphilm dreht Studentin Trobisch ihren Abschlussfilm für ihr Regie-Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Die Idee für den Film kam ihr vor zwei Jahren. Er thematisiert, wie eine starke Frau mit einer Vergewaltigung umgeht. "Ich finde die Debatte spannend. Es ist ein ambivalenter Film, da die Opferrolle nicht eindeutig ist", sagt Trobisch. Die Protagonistin Janne wird nach dem Klassentreffen in ihrer Wohnung vergewaltigt, will sich aber selbst nicht als Opfer sehen. Sie tut den Vorfall ab, geht nicht zur Polizei und erzählt nicht mal ihrem Freund davon. "Jannes Motto ist: Wenn man die Dinge nicht zum Problem macht, gibt es kein Problem", sagt die Regisseurin. Erst zum Ende des Films ändert Janne ihre Meinung.

Aenne Schwarz, die Janne spielt, ist Schauspielerin am Wiener Burgtheater. Der Dreh fällt in ihre Sommerpause. "Das ist fast wie Urlaub hier", sagt sie, auch wenn es mal bis in die Nacht dauern könne. Die Vergewaltigungsszene war auch für die erfahrene Schauspielerin ungewohnt. "Man sieht uns zwar nicht nackt, aber das kostet schon etwas Überwindung", sagt sie. Für diese intime Szene sei das Set geschlossen worden, sodass nur wenige Personen aus dem Team dabei standen.

Schon vor Drehbeginn wurde das Drehbuch zweimal für einen Preis nominiert. Das habe die Finanzierung ein wenig erleichtert, sagt Trobisch. Unterstützt wird das Team unter anderem von der Hochschule für Fernsehen und Film München und vom Bayerischen Rundfunk. Sparen können die Produzenten vor allem bei den Kulissen, wie auch beim Biergarten in Putzbrunn. "Meine Eltern gehen hier manchmal etwas trinken, deswegen kenne ich den Wirt", sagt Produzentin Veronika Neuber. Für die Zukunft des Films, der im Mai 2018 fertig sein soll, hat Regisseurin Eva Trobisch große Wünsche. "Ich wäre froh, wenn der Film auf guten Filmfestivals laufen würde. Und eine kleine Kinoauswertung wäre ein Traum", sagt sie.