Pullach In der eiskalten Welle

Die richtige Ausrüstung ist alles - und ohne Neoprenanzuge geht gar nichts. Beim 27. Isarschwimmen herrschte schon beim Start in Pullach sichtlich gute Laune.

(Foto: Claus Schunk)

Mehr als 200 Teilnehmer stürzen sich beim 27. Isarschwimmen in den Fluss und kämpfen sich von Pullach bis Thalkirchen. Für Taucher und Lebensretter ist das Spektakel auch eine Chance, den Ernstfall zu proben.

Von Nadja Tausche, Pullach/Thalkirchen

Jetzt noch draußen schwimmen - und dann auch noch in der eiskalten Isar? Auf diese Idee muss erst einmal einer kommen. Und tatsächlich ist es ja so, dass es die Massen seit diesem Wochenende nicht mehr in Freibäder, an Seen oder in Flüsse treibt, sondern eher in eines der Bierzelte.

Doch es gibt sie noch, die Unerschrockenen, die in Pullach in den Fluss steigen, 5,6 Kilometer weit durch die Isar schwimmen und an der Floßlände in Thalkirchen aus dem Wasser steigen. So geschehen am Samstag. Manche tragen Flossen, andere eine Schwimmhaube, um den Kopf vor der Kälte zu schützen. Einen langen Tauchanzug haben sie alle an, denn der ist von den Veranstaltern vorgeschrieben: Etwa zwölf Grad hat das Wasser der Isar im Moment. "Ohne den Neoprenanzug könnten wir das gar nicht verantworten", sagt Michael Förster von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Bereits zum 27. Mal richtet der Ortsverband München-Mitte der DLRG an diesem Samstag das Isarschwimmen aus. Unterstützt werden die Lebensretter vom Technischen Hilfswerk (THW), das am Ziel zum Glück für die Schwimmer ein warmes Mittagessen und ein Zelt zum Aufwärmen stellt.

Insgesamt 211 Teilnehmer sind die Strecke vom Wasserkraftwerk in Pullach bis zur Floßlände geschwommen, den Isarkanal immer nach Norden, bis er in den Floßkanal mündet. Mit dabei ist die österreichische Wasserrettung sowie einige Tauchergruppen. Auch Amateurschwimmer dürfen mitmachen, wenn sie sich die Strecke zutrauen. Vor allem aber sind Ortsgruppen der DLRG aus ganz Deutschland angereist: "Wir nehmen das als Übung, um Einsatzsituationen zu erproben", sagt Förster. Wenn die Mitglieder der DLRG Menschen in Hochwasserlagen evakuieren müssen, sollen sie das Gefühl kennen, lange im Wasser auszuharren.

Der Spaß steht im Vordergrund

Für viele der Teilnehmer steht beim Isarschwimmen aber der Spaß im Vordergrund. Am besten hätten ihr die Einbauten mit Stromschnellen gefallen, sagt die 13-jährige Ella. Wie es aussieht, einen solchen Mini-Wasserfall zu passieren, hat ihr Vater Andreas Butz mit einer wasserfesten Kamera gefilmt. Rechts und links fließt das Wasser, die Isar ist breit an dieser Stelle, und vorne im Bild ragen Flossen in die Höhe: Die Einbauten passiert man am besten mit den Füßen voraus, wie Butz sagt, das ist ungefährlicher. Dann geht es in zwei Stufen schräg bergab, fast wie auf einer Rutsche. "Am Ende schießt es dich nach oben", sagt Ella, hinein in die Welle, auf der Surfer ihre Runden drehen, sobald die Schwimmer die Welle hinter sich gelassen haben.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, stehen an der gesamten Strecke Mitglieder der DLRG am Ufer. Das sei aufgrund der Kälte wichtig, sagt der Vorsitzende der DLRG München-Mitte, Christian Haas: "Im ersten Abschnitt mussten wir einigen Leuten aus dem Wasser helfen." Die hätten einen zu dünnen Neoprenanzug angehabt, sagt Haas. Etwa 40 ehrenamtliche Helfer der Lebensretter sind insgesamt an der Veranstaltung beteiligt, einige von ihnen schwimmen auf Rettungsbrettern neben den Teilnehmern her. Außerdem zählen die Helfer am Ziel nach, ob auch wirklich alle Teilnehmer angekommen sind, und sogenannte Strömungsretter schwimmen am Ende die gesamte Strecke noch einmal ab und prüfen, ob kein Teilnehmer zurückgeblieben ist.

Der älteste Teilnehmer war 79 Jahre alt

Die Strömungsretter kommen etwas später an der Floßlände an, sie sind etwa 45 Minuten nach dem schnellsten Schwimmer im Ziel. Etwa 40 Minuten hat Christof Wandratsch für die Strecke gebraucht. Er ist Extremsportler und hält mehrere Weltrekorde im Eisschwimmen, 2013 hat er als Erster den Bodensee der Länge nach durchschwommen. Die knapp 67 Kilometer ist er damals in etwas mehr als 20 Stunden geschwommen, Schwimmen im kalten Wasser ist für ihn nichts Neues. Trotzdem war das Isarschwimmen eine willkommene Herausforderung: "Das war Training unter Wettkampfbedingungen", sagt Wandratsch.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen und einem warmen Tee werden die Pokale vergeben. Geehrt werden unter anderem der jüngste und der älteste Teilnehmer des Isarschwimmens. Die jüngste Schwimmerin ist fünf Jahre alt und schon zum zweiten Mal dabei, der älteste 79 Jahre. Der eine oder andere Teilnehmer nutzt nach der Ehrung die Chance und macht es wie die Rüsselsheimer DLRG-Ortsgruppe, die weiter auf die Wiesn zieht. Dort ist übrigens auch der Schirmherr der Veranstaltung zugegen: Als die Isarschwimmer um 12 Uhr in Pullach starten, hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gerade angezapft.