Exklusiver Weinklub Genuss unter Verschluss

Flaschen hinter Schloss und Riegel: Im "Tresor Vinum" lagern feine Weine in Schließfächern.

(Foto: Lukas Barth)

Im Tassilokeller in Großhesselohe wurden einst Bierfässer gelagert. Nun hat in dem Gewölbe ein exklusiver Klub eröffnet, in dem Weinliebhaber ihre edlen Tropfen lagern und in stilvollem Lounge-Ambiente verkosten können.

Von Konstantin Kaip, Pullach

Der Tassilokeller wurde 1881 in Großhesselohe als reiner Zweckbauerrichtet. Die Brauerei Kalb brauchte die Gewölbe, um ihr Märzenbier zu lagern und mit Eis aus der Isar zu kühlen. Die Produktion wurde 1910 von Spaten aufgekauft, der Keller aber blieb erhalten und ist heute einer der ältesten seiner Art in Bayern. Am Mittwochabend wurde das Gewölbe nun feierlich wiedereröffnet. Aus dem einst profanen Bierkeller ist ein edler Ort geworden, der, was sein Ambiente und Konzept betrifft, wohl einzigartig ist: "Tresor Vinum" nennen die Betreiber den ersten exklusiven Weinklub Süddeutschlands.

Das Konzept geht so: Als Mitglieder des Klubs können gut situierte Weinliebhaber in einem abschließbaren Fach ihre wertvollen Flaschen in dem Gewölbe lagern, je nach Größe des Fachs 30 bis 120 Flaschen. Dafür zahlen sie zwischen 149 und 249 Euro pro Monat. Die Mitgliedschaft gewährt ihnen allerdings auch Zugang zu den exklusiven Räumen, und zwar sieben Tage die Woche, rund um die Uhr, per elektronischem Chip. Dazu soll es monatlich einen Winzerabend geben. Der erste findet bereits am Donnerstag, 9. April, statt. Ebenfalls geplant: exklusive Konzerte und Partys mit DJ.

Es ist beeindruckend, was die Betreiber aus dem unter einem Bürogebäude an der Georg-Kalb-Straße versteckten, etwa 400 Quadratmeter großen Keller gemacht haben. Über eine steile Treppe gelangt man in das bis zu sieben Meter hohe Gewölbe, dessen unverputztes Mauerwerk mit indirekter Beleuchtung und Kerzen an der Wand eindrucksvoll in Szene gesetzt ist. In einem der beiden Hauptgewölbe des ehemaligen Eiskellers befindet sich eine Lounge, mit Sitzgruppen aus Designersofas und -sesseln, frei schwingenden Bogenlampen und einer Showtheke aus massivem Eichenholz. Im Raum gegenüber haben zirka hundert Personen an Stehtischen und einer schmalen zentralen Holztheke Platz. Beide Räume sind mit Eichenholzparkett und Fußbodenheizung ausgestattet.

Der ehemalige Bierkeller wird zum Weinkeller - und zur Partylocation wie bei der Eröffnung.

(Foto: Lukas Barth)

Am Ende des Ganges, hinter einer Tür aus Holz und Glas, befindet sich der Tresorraum, dessen Wände Stahlschränke mit den vergitterten Fächern säumen, in denen man seine edlen Crus dank indirekter Beleuchtung in Szene setzen kann. Ein spezielles Lüftungssystem hält Temperatur und Luftfeuchtigkeit stabil. Auch Kunst im Gewölbe gehört zum Konzept: Die Wände schmücken derzeit Gemälde des Münchner Malers Richard Fuchs. Drei Ausstellungen pro Jahr soll es künftig geben.

Verantwortlich für die Wandlung des ehemaligen Bierkellers sind Werner Walther, der in Pullach lebt und in München das Weingut am Glockenbach betreibt, sowie sein Geschäftspartner und Studienfreund Ralf Schierl, Unternehmer aus Darmstadt. Als sich die Möglichkeit bot, den Keller in Großhesselohe vom Konditormeister Hannes Zoulek zu pachten, ergriffen beide die Möglichkeit, sich einen Traum zu verwirklichen und nach dem Vorbild von Metropolen wie London und New York einen "Private Members' Club" zu schaffen. "Wir wollen Weinliebhaber zusammenbringen", erklärte Schierl bei der Eröffnung. 25 Gründungsmitglieder gebe es schon, über persönliche Einladungen soll der Klub langsam wachsen. Eine gute Mischung solle es werden, sagt Schierl, "wir wollen nicht nur Anwälte oder Ärzte".

Zur Eröffnung am Mittwochabend hatten die beiden viele potenzielle Kandidaten eingeladen, mit Unterstützung der Sollnerin Conny Thalheim, die für das Marketing zuständig ist und über die nötigen Kontakte verfügt. Zu den sanften Klängen eines Jazz-Trios wurde ein Gläschen "Tresorknacker" gereicht. Den Aperitiv mit Sekt und Gurkenscheibe hatte der slowenische Winzer Miha Istenic extra für den Abend kreiert. Istenic durfte den "Tresor Vinum" dann auch offiziell eröffnen, indem er eine seine Schaumweinflaschen mit einem Säbel köpfte. Walther Werner, der das Gewölbe künftig auch als Weinhandlung nutzen und für Veranstaltungen vermieten will, bedankte sich auch bei der Gemeinde, die das Projekt unterstützt habe, das gut zu Pullach passt: Die Isartal-Kommune pflegt eine Partnerschaft zu Pauillac im Bordeaux. "Wir führen den historischen Keller wieder seiner ursprünglichen Idee zu", sagte Werner - wobei die Lagerung von Wein statt Bier schon eine "leichte Steigerung" sei. Den einstigen Gründer der Brauerei hätte sie vermutlich gefreut. Schließlich war General Jean-Baptiste Drouet, der während seines bayerischen Exils im frühen 19. Jahrhundert das Bierbrauen nach Hesselohe brachte, Franzose.