Ottobrunn Mutig und entschlossen

In Ottobrunn muss sich Wirtschaftsministerin Ilse Aigner etwas gedulden, ehe sie ans Rednerpult darf.

(Foto: Claus Schunk)

Ministerin Aigner und Bürgermeister Loderer betonen den Zusammenhalt

Von Martin Mühlfenzl, Ottobrunn

Samstagmorgen, 11.51 Uhr. Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer ist mit seinen beiden Töchtern auf dem Weg zur Bushaltestelle. Die Familie will nach München. Der Bus fährt laut Plan um 11.54 - hundert Meter vor der Haltestelle fragt eine der Töchter, wie spät es sei. Loderer blickt auf seine Uhr und sagt: "11.51 Uhr - wir schaffen das."

"Und dann hat es mich richtig durchzuckt", ergänzt der Bürgermeister, als er die Geschichte in seinem Grußwort beim Neujahrsempfang der Ottobrunner CSU erzählt. "Eigentlich ist das ein ganz unschuldiger Satz", sagt Loderer. "Aber er hat etwas von seiner Unschuld verloren." Das sagt Loderer auch ganz bewusst mit Blick auf die Informationsveranstaltung zum Bau einer Siedlung für bis zu 416 Flüchtlinge in seiner Gemeinde, auf der er es mit aufgebrachten, teils aggressiven Bürgern zu tun bekam. "Wenn ein Bürgermeister so einen Satz nicht mehr sagen kann, ohne Gelächter und Hohn zu ernten, dann stimmt etwas nicht", sagt Loderer.

Eigentlich sollte es an diesem Sonntagnachmittag im Festsaal des Rathauses ja nur um Ilse Aigner gehen - Bayerns Wirtschaftsministerin ist der Einladung des Ortsverbandes gefolgt. Doch die stellvertretende Ministerpräsidentin muss sich gedulden - Loderer und auch Landrat Christoph Göbel, der sich auf der Informationsveranstaltung demonstrativ an die Seite des Ottobrunner Bürgermeisters gestellt hatte, wollen die Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen, für ihre Politik zu werben. Mit Blick auf eine Kommentatorin, die den Gegnern der Siedlung attestiert hatte, "laut und mutig" zu handeln, sagt Göbel: "Das ist nicht mutig. Mutig ist es, die Menschen im Blick zu haben." Es sei auch nicht mutig, fährt Göbel mit Bezug auf die Aktion des Landshuter Landrats Peter Dreier fort, "Menschen in einen Bus zu packen und nach Berlin zu verfrachten". Göbel: "So etwas werden sie vom Münchner Landrat nicht erleben."

Alle drei Redner an diesem Nachmittag - Loderer, Göbel und natürlich dann auch Ilse Aigner - sind sich darin einig, dass nicht zuletzt nach den Vorkommnissen in der Kölner Silvesternacht das Thema Sicherheit noch einmal an Bedeutung gewonnen habe. "Ohne Sicherheit kann es keine Freiheit geben", sagt die stellvertretende Ministerpräsidentin, die sich trotz ihres bereits dritten Auftritts an diesem Tag selbstbewusst, mit fester Stimme und ohne Ermüdungserscheinungen präsentiert. "Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung - all das ist nicht verhandelbar." Dass ihr an die 200 Zuhörer an den Lippen hängen, mag mit besonderen Erwartungshaltungen einer eher konservativen Klientel zusammen hängen. Einen möglichen Wunsch aber erfüllt Aigner dem Publikum nicht: Sie kommt tatsächlich ohne das in der Führungsetage der CSU so beliebte Wort "Obergrenze" aus - Aigner sagt hingegen: "Wir werden in den kommenden zwei Wochen neue Regelungen finden müssen." Darüber hinaus konzentriert sich Aigner ganz auf das ihr eigene Thema Wirtschaft. Arbeitsplätze aber schaffe nicht der Staat, sagt Aigner, der könne nur die Rahmenbedingungen optimieren: "Das heißt für mich ganz klar, dass wir für die Wirtschaft keine neuen Belastungen schaffen dürfen, sondern immer neue Anreize. Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts." Ein Herzensanliegen, sagt Aigner, sei ihr darüber hinaus die Bildung: "Auf der gesamten Bandbreite." Von den Universitäten bis zu den Berufsschulen - auch das sei eine Stärke Bayerns.

Auf diese Stärke und die Kraft dieses Landes berufen sich freilich auch Thomas Loderer und Christoph Göbel. Die beiden Kommunalpolitiker heben den großen Einsatz aller beteiligten Kräfte bei der Integration der Menschen in die 29 Städte und Gemeinden hervor. Und ein Satz kommt Loderer dabei immer noch über die Lippen: "Wir schaffen das."