Ottobrunn Multimedial in die Renaissance

Margret Joswig führt mit dem Kirchenchor von St. Magdalena die Bußpsalmen des Hofkapellmeisters Orlando di Lasso auf. Dazu werden Bilder seines Zeitgenossen Johannes Mielich gezeigt

Von Daniela Bode, Ottobrunn

Margret Joswig hat sich mit dem Kirchenchor von St. Magdalena in Ottobrunn schon viele anspruchsvolle und berührende Projekte vorgenommen. Ihr aktuelles Vorhaben dürfte das bisher herausforderndste sein. Der Chor, den Joswig seit 2001 leitet, wird die Bußpsalmen von Orlando di Lasso, einem der bedeutendsten Komponisten der Renaissance und Hofkapellmeister, singen. Dazu werden Bilder des Münchner Malers Johannes Mielich gezeigt, die den Inhalt der Bußpsalmen in prachtvollen Miniaturbildern darstellen. Dazwischen werden Bibeltexte vorgelesen.

Ein multimediales Ereignis, bei dem viel Präzision gefragt ist und das den Stimmen der Sänger Höchstleistungen abverlangt. Zuhörer können die besondere Vorführung am Sonntag, 18. März, in der Kirche St. Magdalena genießen. "Das Tolle ist, dass mehrere Sinne angesprochen werden", schwärmt Joswig.

Der bayerische Herzog Albrecht V. (1528 bis 1579) war so begeistert von Orlando di Lassos Bußpsalmen, dass er sie Mitte des 16. Jahrhunderts in ein großes Chorbuch notieren und von dem Maler Mielich mit Tausenden prachtvollen Bildern ausschmücken ließ. Ein Blick auf die Mini-Gemälde und man fühlt sich wie vor Wimmelbildern, bei denen man viele kleine Geschichten entdecken kann, wenn man sie nur lange genug betrachtet. "Auf die Schnelle kann man gar nicht alles erkennen", sagt Joswig. Das Werk aus Noten und Bildern, der Prachtkodex, steht in der Staatsbibliothek in München und ist mittlerweile teilweise digitalisiert, so dass die Seiten auch für das Projekt in Ottobrunn verfügbar waren. Dass di Lasso eine Zeit lang in Putzbrunn zwei Landgüter besaß, verschafft dem Ganzen sogar einen lokalen Bezug. "Das ist ein glücklicher Umstand", sagt Joswig.

Ein Ereignis für Augen und Ohren: Chorleiterin Margret Joswig hat ein einzigartiges Kunstprojekt komponiert. In der Kirche St. Magdalena werden die Bußpsalmen zu hören sein, und auf eine Großleinwand werden dazu Bilder aus einem Prachtkodex projiziert.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Chorleiterin beschäftigt sich schon seit ein paar Jahren mit dem besonderen Werk. Sie erlebte eine Aufführung der gesungenen Bußpsalmen samt Visualisierung mit Mielichs Bildern in der Herz-Jesu-Kirche in München. "Das hat mich so beeindruckt", sagt sie. Und zwar so, dass sie schließlich den Schweizer Musikprofessor Andreas Wernli traf, der auch das Projekt in der Herz-Jesu-Kirche konzipiert hatte. Das tut er nun auch in Ottobrunn. Er verantwortet bei der Aufführung das Gesamtkonzept. Joswig hat die musikalische Leitung inne.

Wie so oft verlangt sie auch bei diesem Projekt einiges von ihren Sängern - dieses Mal mehr als 40 Chormitglieder und fünf Solisten. "So etwas Altes haben wir bis auf ein paar weltliche Sätze noch nie gesungen, das war eine Herausforderung für einige Sänger", sagt die Chorleiterin. Da sind zum einen längere Notenwerte zu bewältigen, teilweise wird sechstimmig gesungen, alle hätten einen "sehr großen Ambitus zu singen". Da wundert es einen nicht, dass auch einige Zusatzproben nötig waren. Doch sowohl die Sänger als auch die Elft- und Zwölftklässler am Gymnasium Neubiberg, wo Joswig unterrichtet und mit denen sie ein Projekt zu den Bußpsalmen samt Bildern laufen hat, waren ziemlich schnell ähnlich angetan wie sie. "Das Faszinierende ist das Zusammenspiel aus der Musik, die einen in sich ruhen lässt, und den Bildern von Mielich, die eine enorme Tiefe haben", sagt Joswig. "Das geht einfach unter die Haut", sagt die Chorleiterin.

Eine Stele erinnert daran, dass Orlando di Lasso (1530 bis 1594) in Putzbrunn zwei Anwesen besaß.

(Foto: oh)

Beispielsweise beim Bußpsalm "Miserere mei deus" wechselt sich Gesang ab mit Bibelstellen, gesprochen von Roswita Schilling, die im deutschsprachigen Raum als Radiostimme bekannt ist. Dazu wird das passende Bild mit einem Hochleistungsbeamer auf eine Riesenleinwand projiziert. Nicht nur der Ablaufplan, jedes Detail ist genau durchdacht. So wird beispielsweise der Chor von der Empore aus singen, damit keiner bei der Betrachtung der Bilder abgelenkt ist.

So anspruchsvoll und besonders das Werk ist. Vorbildung brauchen die Zuhörer laut Joswig nicht, um es genießen zu können. "Das ist das Verblüffende, dass es einen so treffen kann", sagt sie. Das hätten auch ihre Schüler erfahren. Dennoch würde sie einem ans Herz legen, sich um 18 Uhr die Konzerteinführung von Andreas Wernli anzuhören. Dann kann man die besondere Aufführung vermutlich noch besser begreifen.

Die Aufführung beginnt um 19 Uhr, die Einführung um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Kempter und an der Abendkasse zu Preisen zwischen 10 und 18 Euro.