Oberschleißheim Oberschleißheim behält seine Kläranlage

Der Anschluss ans Münchner Klärwerk ist vom Tisch.

(Foto: Catherina Hess)

Bürgermeister Kuchlbauer scheitert mit der Idee, das Abwasser in München oder Grüneck aufbereiten zu lassen

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Oberschleißheim bleibt bei seiner Kläranlage. Die Gedankenspiele von Bürgermeister Christian Kuchlbauer und seiner FWG, das Klärwerk abzuwickeln und die Gemeinde stattdessen an die Entwässerungskanäle von München oder Unterschleißheim anzuschließen, sind vom Tisch. Alle anderen Gruppierungen im Gemeinderat haben dieses Szenario einmütig verworfen und stattdessen am Dienstag die ursprünglich geplante Sanierung der Anlage eingeleitet.

Seit Jahren beschäftigt das Rathaus permanent der Sanierungsbedarf des Klärwerks am Westende der Hirschplanallee. Aktuell steht wieder eine Sanierung zur Verbesserung der Energiebilanzen an, deren Aufwand aber im Verlauf der Planungen deutlich gestiegen ist, während die prognostizierte Rentabilität kontinuierlich abnahm. Vor einer Freigabe der Sanierung forderte die FWG daher nun eine grundsätzliche Klärung, ob die Gemeinde auf Dauer mit einer Stilllegung der Anlage nicht günstiger fahre. Theoretisch könnte Oberschleißheim an den zentralen Abwasserkanal der Stadt München anschließen, der auf dem Weg zum Klärwerk München II bei Dietersheim auf Oberschleißheimer Flur verläuft. Aber auch ein Beitritt zum Abwasserzweckverband von Unterschleißheim, Eching und Neufahrn mit der Verbandskläranlage beim Neufahrner Gemeindeteil Grüneck wäre denkbar.

Für einen Anschluss an Grüneck müsste Oberschleißheim einen Kanal zum Bahnhof Lohhof verlegen, wo der mögliche Einleitungspunkt wäre. Die mehr als sechs Kilometer lange Strecke würde sechs Millionen Euro kosten, erwartet das Rathaus. Um an den Münchner Hauptsammler in Höhe der Ikarus-Hallen anzudocken, müssten knapp vier Millionen Euro investiert werden. In beiden Summen wäre der nötige Grunderwerb noch nicht enthalten.

München verlangt für den Kubikmeter Abwasser derzeit 1,57 Euro, Unterschleißheim 1,28 Euro. Zum Unterhalt des eigenen Kanalnetzes müssten da noch jeweils 50 Cent draufgeschlagen werden, kalkuliert die Gemeindeverwaltung. In Oberschleißheim werden die Haushalte aktuell mit 2,10 Euro zur Kasse gebeten.

Während für die FWG diese Zahlen so schlagend waren, dass der Bürgermeister in seiner Vorlage für die Sitzung des Bauausschusses am Montagabend gleich rundweg den Anschluss an München empfahl, rechneten alle anderen Gruppierungen deutlich weniger euphorisch. Schließe man etwa an München an, erreiche man Abwassergebühren von 2,07 Euro statt der momentanen 2,10 Euro, kalkulierte Florian Spirkl (SPD), "und von den drei Cent müssen wir dann die Anschlusskosten finanzieren". Dies könne auf absehbare Perspektive nicht wirtschaftlich werden.

Peter Benthues (CSU) bezeichnete es als widersinnig, jahrelang in eine hypermoderne Anlage zu investieren, "und dann Schulden aufzunehmen, um einen Fremdanschluss zu finanzieren". Oberschleißheim könne stattdessen "stolz sein, dass wir so eine moderne Anlage haben, andere müssen erst noch modernisieren". Vor einer Bindung an andere Kommunen solle man daher lieber "unser Eigentum optimieren". Spirkl erinnerte daran, dass die anstehende Sanierung den Energiebedarf des Klärwerks reduzieren und sich amortisieren werde. Auch andere Kläranlagen hätten periodischen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf, sagte er, zu dem man auch als "Untermieter" herangezogen werde.

Kuchlbauer wollte seine zunächst kategorische Anschlussempfehlung dann als Prüfauftrag verstanden wissen, für den sich auch Angelika Kühlewein (CSU) aussprach: "Es ist gut, nach allen Seiten zu denken." Mehrheitlich wurde ein weiteres Liebäugeln mit einem Fremdanschluss im Bauausschuss jedoch als unrealistisch gesehen und gegen die Stimmen der FWG abgelehnt.

Der Gemeinderat beschloss am Dienstagabend daraufhin, die Kläranlage für die im Haushaltsplan vorgesehenen Kosten von 1,3 Millionen Euro im Jahr 2016 energetisch zu sanieren.