Oberschleißheim Neue Nachbarn als Chance

Rund um das Hans-Scherer-Haus im historischen Kloster will der Katholische Männerfürsorgeverein ein Wohnquartier für 1400 Menschen entwickeln.

(Foto: Robert Haas)

Die Mittenheimer haben Angst vor einer zu massiven Bebauung in der Umgebung des Klosters. Von der Infrastruktur würden sie aber schon gerne profitieren

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Fünf Stockwerke gehen gar nicht. Und so direkt vor der eigenen Haustür sollte wenn möglich auch nicht gebaut werden. Ansonsten aber haben die Mittenheimer Anlieger der möglichen Entwicklung ihres Gemeindeteils auch viel Positives abgewonnen. Mehr Nahversorgungseinrichtungen durch ein Quartier mit dann über 1400 Einwohnern, das hätte schon was, ebenso eine Busverbindung nach Ober- und Unterschleißheim oder auch ein Übergang über die Bahnlinie in Richtung Berglwald und Unterschleißheimer Schulzentrum.

Der Katholische Männerfürsorgeverein plant als Eigentümer fast aller Grundflächen um die Staatsstraße zwischen Ober- und Unterschleißheim um sein Hans-Scherer-Haus im historischen Franziskanerkloster ein Quartier mit am Ende circa 600 neuen Wohnungen inmitten ausladender Grünflächen zu entwickeln. Nach der mit großer Skepsis aufgenommenen Präsentation der Pläne im Gemeinderat hat der Verein die wenigen Anlieger zu einer internen Präsentation gebeten und dann am Mittwoch noch eine öffentliche Diskussionsrunde angesetzt.

Dass ein derartiges Projekt so offen diskutiert werde, sei "nicht selbstverständlich", lobte Bürgermeister Christian Kuchlbauer vor circa 60 Besuchern, darunter zahlreiche Gemeinderäte aus Oberschleißheim und einige Stadträte aus Unterschleißheim. Und angesichts des Umgangs mit den ersten Rückmeldungen aus dem Gemeinderat und von der Anliegerversammlung habe er auch die Überzeugung, "dass die Anregungen auch aufgenommen werden".

Die Anregungen betrafen vor allem die Folgen, die sich aus der schieren Größe des Projekts ergeben. Kann der Verkehr bewältigt werden? Ist der Erhalt eines grünen Trennstreifens zwischen Ober- und Unterschleißheim dauerhaft gesichert? Wie soll der Ort den entstehenden Infrastrukturbedarf an Kinderbetreuung, Schulplätzen oder medizinischer Betreuung stemmen? An drei Thementischen mit Vertretern des Vereins und dessen Fachplanern konnten die Fragen im Detail vertieft und diskutiert werden. Eine Auswertung soll dann auch dem Gemeinderat für seine Entscheidung als Grundlage dienen.

Der Verein sieht in seinen Ausarbeitungen die Planung grundsätzlich ausgewogen und die Probleme beherrschbar. Die angepeilte Höhenentwicklung mit dem Reizwort der fünf Geschosse und die in den Bauräumen dichte Bebauung sei eben die Folge aus dem Planungsansatz, zum Kern des Quartiers nicht Häuser oder Plätze zu machen, sondern die grünen Freiflächen um das Kloster und entlang des Berglbachs. Man sei bei einer derart umfassenden Initiative "nicht verwundert gewesen, dass wir nicht nur Euphorie ausgelöst haben", sagte Vereinsvorsitzender Ludwig Mittermeier zu den sehr reservierten ersten Kommentaren aus dem Gemeinderat.

Kuchlbauer nannte "die Dimension des Projekts schon interessant" und für den Ort "als potenzielle Entwicklungsmöglichkeit sehr spannend". Der Verein möchte mit seinem Leitbild und der Entwicklung im Dialog zukunftsfähige Wohnformen anstoßen, sagte Stephan Heinle aus dem Vereinsrat, interner Arbeitstitel sei "nächstes Wohnen". Folglich seien im Detail auch die Ansiedlung neuer Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen möglich.

Zur Quartiersentwicklung möchte der Verein, der Eigentümer aller Flächen bleiben will, auch Baugesellschaften oder Bauträger ins Boot holen. Grundsätzlich werde die Bandbreite vom sozialen Wohnungsbau bis zur freien Vermietung am Markt reichen, kündigte Heinle an, um eine möglichst vielfältige soziale Mischung zu erreichen. Bei den Partnern zur Umsetzung bevorzuge man freilich "lieber gemeinnützige Organisationen als Gesellschaften, die sich nur bereichern".