Oberhaching/Taufkirchen Klimmzüge für den Trimm-Dich-Pfad

Inzwischen haben viele Trimm-Dich-Pfade einen nostalgischen Charme wie diese Anlage an der Isar.

(Foto: Schellnegger)

In Taufkirchen könnten die Geräte bald verschwinden. In Oberhaching hingegen denkt man über einen modernen Fitness-Parcours nach.

Von Iris Hilberth, Oberhaching/Taufkirchen

Übung Nummer eins: Armkreisen vorwärts und rückwärts. Je zehnmal. Man kann zwar noch einigermaßen deutlich erkennen, zu welcher sportlichen Herausforderung in Text und Bild hier aufgefordert wird, gleichwohl ist das blaue Schild im Perlacher Forst sichtbar in die Jahre gekommen. Der Dreck von Jahrzehnten hängt dran, die Ecke ist abgeknickt, auch haben sich Gräser und Sträucher rundherum so sehr breit gemacht, dass man beim Armkreisen mitten im Gestrüpp stehen würde.

Noch ist der Taufkirchner Trimm-dich-Pfad offiziell in Betrieb. Doch die Gemeinde denkt mittlerweile über seine Einstellung nach, wobei ihm eigentlich schon die jüngsten Stürme den Rest gegeben haben.

"Trimm-Dich-Pfade sind im Kommen", meinen die Grünen

In der Nachbargemeinde Oberhaching hingegen geht die Diskussion in eine andere Richtung: Hier stellt der Gemeinderat auf Antrag der Grünen Überlegungen an, einen Fitness-Parcours zu errichten. So richtig überzeugt sind viele von der Idee noch nicht, das Thema wurde erst einmal vertagt. Die Grünen aber wollen festgestellt haben:"Trimm-dich-Pfade sind wieder im Kommen."

Einst schossen Trimm-Dich-Pfade wie Pilze aus den Waldböden.

(Foto: AP)

Tatsächlich gibt es seit ein paar Jahren eine Renaissance der alten Sportpfade, auf denen in den Siebzigerjahren ein dickköpfiges freundliches Männchen in kurzen Sporthosen und Unterhemd ermunternd den Daumen hoch streckte, um an 20 Stationen zu allerlei sportlichen Übungen zu animieren. Das Maskottchen "Trimmy" des damaligen Deutschen Sportbundes (DSB) war im Olympiajahr 1972 so richtig in Fahrt gekommen, die Trimm-dich-Pfade wurden für viele Gemeinden in der alten Bundesrepublik zu einem Muss für die Gesunderhaltung ihrer Bürger. Auch in Taufkirchen war der etwa zweieinhalb Kilometer lange Rundkurs mit diversen Geräten und Anleitungen für die verschiedensten Leibesübungen 1974 entstanden.

Die Trimm-Dich-Pfade sollten "Sport für alle" etablieren

Während sich bis in die Sechzigerjahre hinein die Aktivität überwiegend auf wettkampforientierten Sport für Männer konzentrierte, machte sich der DSB von da an mit einem "goldenen Plan" daran, "Sport für alle" in Deutschland zu etablieren. Ziel war es, die Bewegungsarmut zu überwinden und die Mängel im Bereich der Sportinfrastruktur zu beseitigen. "Trimm dich durch Sport" lautete die Botschaft, mit der der DSB mit wissenschaftlicher Unterstützung 1973 eine Konzeption für einen Freizeitsportanlage vorlegte.

Es gab eine 52-seitige Baumustermappe für einen Trimm-Park, zu dem sowohl ein Platz mit Übungsgeräten als auch ein Spielplatz und eine Hütte zum Umkleiden gehörte. Die Idee der Trimmpfade stammt zwar ursprünglich aus der Schweiz, viele assoziierten allerdings die Fitnesswege, die bis in die Achtzigerjahre hinein entstanden sind, mit der Trimm-Kampagne des DSB, weiß deren Nachfolgeorganisation, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) .

Genauere Informationen darüber, wie viele Gemeinden wie viele Trimmpfade eingerichtet hätten, wie viele heute noch existierten und wer sie wie nutze, lägen nicht vor, so der DOSB. Allerdings beobachtete der Verband mehrere Entwicklungen gleichzeitig: Manche Pfade seien verfallen und würden aufgegeben, viele regelmäßig in Stand gesetzt und weiterhin genutzt, teilweise auch von Vereinen betreut, andere sogar völlig neu konzipiert und angelegt.

Der Trend geht zu modernen Fitness-Parcours

Der Trend gehe aber weg von dem ursprünglichen Pfad hin zu modernen Fitness-Parcours, die im eher innerstädtischen oder zumindest wohnungsnahen Bereich auf einer kompakten Grundfläche von etwa 500 Quadratmetern errichtet werden. Auch die Geräte sind zeitgemäßer und nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen konzipiert.

Der Fitness-Parcours in Taufkirchen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Das ursprüngliche Konzept des ungebundenen Trainings im Freien bleibt erhalten. 2008 hat der DOSB mit einer Kampagne in acht Städten, darunter auch München, Trimm-dich-Parcours unter modernen sportwissenschaftlichen Gesichtspunkten gestaltet. An sieben Geräten können bei diesem Angebot Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit trainiert werden. Stationen wie etwa das in den Siebzigerjahren obligatorische Hochstemmen von Holzstämmen gibt es nicht mehr.

Das moderne Angebot soll gelenkschonender sein und laut DOSB wird Wert auf die Funktionalität der Geräte gelegt. Nach dem Motto "weniger ist mehr" soll vermieden werden, dass die Parks zugemöbelt werden. Wichtig sei auch die Niederschwelligkeit des Angebots, die Geräte dürfen also nicht zu komplex sein, optimal wäre die Anwesenheit eines Übungsleiters zu einem festgelegten Termin.

In Oberhaching schwebt den Grünen ein Parcours durch das Hachinger Tal vor. Bürger hätten immer wieder den Wunsch danach geäußert, um an der frischen Luft, allein oder in der Gruppe unabhängig von Sporthallen-Öffnungszeiten sich sportlich betätigen zu können. Drei Trassen hatten sie sich hierfür überlegt: eine lange Runde über fünf Kilometer und zwei kurze über je 2,5 Kilometer. 15 bis 20 Trimmstationen sollen 200 bis 300 Meter voneinander entfernt sein.

Die Anlage zu erhalten wäre teuer, sorgen sich Gemeinderäte

20 000 Euro soll die Gemeinde dafür locker machen. Doch so recht überzeugt sind die anderen Vertreter im Bauausschuss bislang nicht. Vor allem die Kosten - auch für den Erhalt der Anlage - sorgen für Bedenken in dem Gremium. Schließlich müssten die Geräte nicht nur vom Bauhof regelmäßig auf Sicherheit und Funktionalität hin überprüft werden, sondern auch die Kosten für Kontrollen durch externe Prüfer gezahlt werden. Die meisten können sich auch nicht vorstellen, dass die Geräte wirklich genutzt würden.

Gerade die Idee der Grünen, die Tour wohnortnah aufzubauen, auch für diejenigen, die sich nicht alleine in den Wald trauten, stimmte die Ausschussmitglieder eher skeptisch. Wer will denn schon Übungen machen, wenn jemand zuschaut? Zurück in die Siebzigerjahre wollen die Oberhachinger jedenfalls nicht und liebäugeln an ehesten noch mit "attraktiven Geräten, die denen im Fitnessstudio ähneln". Im Frühjahr 2016 wird erneut darüber beraten.