Radwegebau Reifenabrieb und andere Reibungen

Wieder ein Stück fast fertig: Der Radweg nach Oberbiberg.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde Oberhaching müht sich seit Jahrzehnten, einen Radweg vom Hauptort nach Oberbiberg zu bauen. Zu den schwierigen Grundstücksverhandlungen kommt jetzt ein weiteres Problem: Schadstoffe im Erdreich.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Radfahren hat in Oberhaching einen hohen Stellenwert. Seit fünf Jahren ist die Gemeinde Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen, jedes Jahr legt sie ein aktuelles Aktionsprogramm auf, um den Umstieg vom Auto auf das Rad attraktiver zu machen. An diesem Dienstagabend werden im Verkehrs- und Umweltausschuss die Fördermöglichkeiten und Ziele des Radverkehrs in Oberhaching für 2016 diskutiert.

Dass solche Ambitionen aber nicht immer flott und reibungslos umzusetzen sind, zeigt sich seit Jahren beim Radweg nach Oberbiberg. Der ist zwar gerade wieder um ein Stück länger geworden. Doch noch immer fehlt dort ein kleiner Abschnitt. Jetzt sind auch noch zusätzliche Kosten für die Entsorgung kontaminierten Erdreichs angefallen. Und das stößt durchaus auf Unverständnis im Bauausschuss.

Weil das Straßenbauamt nicht zahlt, wird die Gemeinde selbst aktiv

Die Staatsstraße zwischen Oberhaching und dem Ortsteil Oberbiberg ist kurvig und unübersichtlich. Bereits 1983 hatte der damalige Gemeinderat erkannt, dass Radfahren hier nicht gerade ungefährlich ist, und bemühte sich um einen Radweg entlang der Strecke. Weil aber das Straßenbauamt aufgrund der geringen Verkehrsdichte keine Notwendigkeit dazu sah, ging die Gemeinde schließlich die Sache selbst an: Der erste Teil wurde 1993 gebaut, die Verlängerung bis zum Abzweig nach Kreuzpullach folgte im Jahr 2000.

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Doch erneut stockte das Vorhaben 13 Jahre lang. Dann erst gelang es der Gemeinde, ein weiteres Stück Grund vom Ortsausgang Oberbiberg bis kurz vor den Waldrand zu erwerben. Baurecht bestehe, die Arbeiten gingen von April an weiter, heißt es aus dem Bauamt. Doch der Lückenschluss ist damit noch immer nicht komplett vollzogen. Eine Eigentümerin entlang der Trasse wehrt sich seit vielen Jahren hartnäckig gegen den Verkauf des benötigten Streifens. Inzwischen hat die Gemeinde ein Enteignungsverfahren beantragt.

Der Boden muss ausgetauscht werden

Unterdessen hat Oberhaching zusätzlich mit Schadstoffen entlang der Staatsstraße zu kämpfen. "Belastete Böden lösen, laden und verwerten" ist ein Posten, der mit 26 000 Euro zu Buche schlägt, die Herstellung von Lagerflächen werden zudem mit knapp 40 000 Euro beziffert. Beim Bau des Radweges hatte sich herausgestellt, dass über die Jahrzehnte der Reifenabrieb die Böden entlang der Fahrbahn mit Cadmium, Phenolen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt hat, offenbar so stark, dass die Grenzwerte überschritten sind und das Erdreich jetzt auf einer Deponie entsorgt werden muss.

CSU-Gemeinderat Martin Schmid bezeichnete es als "völlig absurd", dass die Erde jetzt abgetragen werden müsse und 50 Meter weiter auf demselben Boden das Gras wachse. "Die fahren das jetzt quer durch Bayern und dort passt dann einer darauf auf", kritisiert er die Vorgaben. Dem Einwand des Kollegen von den Grünen, Claus Kratzer, dass man vorsichtig sein müsse, da es sich in diesem Bereich um ein Wasserschutzgebiet handele, entgegnete Bürgermeister Stefan Schelle (CSU):" Das Wasserschutzgebiet endet auf der anderen Seite der Straße." Für Gemeinderat Schmid tut das nichts zur Sache: "Schließlich führt man Straßen immer durch Schutzgebiete." Und Reifenabrieb gebe es an jeder Straße.