Neubiberg Weiterbildung wird modern

Die Gemeinde plant ihr Haus für die Zukunft zu rüsten. Dort sollen die VHS, die Musikschule und das Kulturamt unterkommen. An den Kosten von 4,7 Millionen Euro üben einige Gemeinderäte Kritik

Von Daniela Bode, Neubiberg

Der Mechanismus der Eingangstüren funktioniert nicht richtig, im Großen Saal ist es im Sommer brütend heiß, im Winter friert man. Kurzum: Die Technik im Haus für Weiterbildung in Neubiberg lässt schwer zu wünschen übrig. Daher soll das Gebäude von 1980 haustechnisch saniert und auch modernisiert werden. Architektin Ulrike Donner vom Büro Breitenbücher Hirschbeck stellte dem Sonderausschuss Verwaltungsgebäude den Vorentwurf vor. Die neue Kostenschätzung für die technische Sanierung beläuft sich, auch wegen erweiterter Brandschutzmaßnahmen, auf 4,7 Millionen Euro. Ursprünglich war die Gemeinde von 2,5 Millionen ausgegangen. Das gefiel einigen Gemeinderäten gar nicht. Daher votierte das Gremium als Empfehlung an den Gemeinderat nur knapp mit sechs gegen fünf Stimmen von CSU und Grünen für den Entwurf, samt einem Risikopuffer von 20 Prozent. Die Entscheidung im Plenum am 13. November dürfte spannend werden.

Die Idee ist, das Haus zukunftstauglich zu machen. Im Untergeschoss sollen die Räume für die Volkshochschule (VHS) Südost neu aufgeteilt, der Flur soll etwa zum Aufenthaltsraum werden. Im Erdgeschoss soll die Bibliothek um etwa 96 Quadratmeter erweitert werden. Auch eine Leseterrasse im Freien ist möglich. Im ersten Obergeschoss soll ein Verwaltungstrakt als erste Anlaufstelle für die Verwaltung des Hauses für Weiterbildung, der VHS und der Musikschule - die wieder hier einziehen soll - entstehen. Die restlichen Räume in dem Stockwerk sind für Veranstaltungen gedacht. Das zweite Obergeschoss, wo sich der Große Saal befindet, soll ein Kühl- und Lüftungssystem bekommen. Zudem erhält das gesamte Haus ein neues Brandschutzkonzept, das Trinkwassernetz wird erneuert und die Fußbodenheizung ausgetauscht. Die Vertreter der drei betroffenen Einrichtungen, der VHS, der Musikschule und des Kulturamts, lobten das mit ihnen abgestimmte Konzept. Auch den Gemeinderäten gefiel die Planung. "Es kommt alles zusammen, was zusammen gehört", sagte etwa Reiner Höcherl (Freie Wähler). Andrea Bernatowicz (Grüne) sprach sich für einen Neubau aus, die Idee wurde aber schnell verworfen. Viel Kritik gab es wegen der Kosten. Finanzreferent Hartmut Lilge (CSU) mahnte angesichts der vielen Projekte, die in der Gemeinde anstehen: "Wir können das Geld nur einmal ausgeben." Kämmerer Fabian Leininger legte dar, dass Neubiberg im Jahr 2021 noch eine Rücklage von einer Million Euro haben dürfte, diverse Projekte eingeplant.

Tobias Heberlein (SPD) fragte nach Einsparmöglichkeiten. Architektin Donner sah wenig Spielraum. Das Gebäude sei nicht nur erneuerungswürdig, es gehe auch um sicherheitsrelevante Aspekte. Sie erläuterte, dass die technische Sanierung auch viele nötige Folgemaßnahmen nach sich ziehe. So bedeutete beispielsweise der Austausch der Fußbodenheizung auch, dass die Böden neu gemacht werden müssten. Bauamtsleiter Christian Einzmann zählte die Leseterrasse und das Gebäudeleitsystem als weglassbare Details auf. "Nur, dann sieht man nicht, dass etwas geändert wurde. Bei so einem großen Eingriff sollte man aber sehen, dass das Gebäude modernisiert wurde." Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler) plädierte ebenfalls für den Entwurf. "Wir operieren hier am Herzen Neubibergs, die Investitionen sollten wir uns leisten." Auf Wunsch von Heberlein hin wurde festgehalten, dass in der nächsten Leistungsphase auf Einsparmöglichkeiten geachtet und der Einsatz eines Projektsteuerers geprüft werden soll.

Geschäftsleiter Thomas Schinabeck ermahnte die Gemeinderäte, sich an die Beschlüsse zu halten. So ist etwa für die Büroräume am Bahnhof, in die die Sparten im Haus für Weiterbildung während der Sanierung ausgelagert werden sollen, bereits ein Mietvertrag abgeschlossen. "Wenn Sie die Entscheidung jetzt verzögern, fällt alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus", sagte er.