Nahverkehr Sechs Züge in der Stunde

Zwei Stopps in die Innenstadt: Die geplante Express-S-Bahn von Ebersberg über die zweite Stammstrecke und Laim bis zum Flughafen soll im Osten nur in Trudering halten und wie hier am Haarer Bahnhof.

(Foto: Angelika Bardehle)

Erfolgreicher Protest gegen das Betriebskonzept für die zweite Stammstrecke: Dank einer Express-S-Bahn von Ebersberg über Laim zum Flughafen soll Haar zu Stoßzeiten den Zehn-Minuten-Takt behalten

Von Bernhard Lohr, Haar

Der Protest gegen die angekündigten Verschlechterungen beim S-Bahnangebot im Münchner Osten zeigt Wirkung. So soll es für die Bahnhöfe in Haar, Zorneding und München-Trudering nach der Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke weiterhin einen Zehn-Minuten-Takt geben. Eine Express-S-Bahn soll als S 1 von Ebersberg über Laim zum Flughafen verkehren und auch in Zorneding und Haar halten. Das teilt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) auf eine Anfrage des Haarer SPD-Landtagsabgeordneten Peter Paul Gantzer mit. Damit wäre die Forderung nach einem Zehn-Minuten-Takt zumindest in Teilen erfüllt.

Als Ende vergangenen Jahres das vorläufige Betriebskonzept für die S-Bahn nach dem Bau der zweiten Stammstrecke bekannt wurde, sah man sich gerade im Münchner Osten um jüngste Errungenschaften gebracht. Während derzeit die Bahnen zumindest im Berufsverkehr alle zehn Minuten verkehren, sollte es künftig einen durchgängigen 15-Minuten-Takt tagsüber geben. Geradezu mit ungläubigem Staunen wurde das Argument vernommen, dass auf dem Ostast von S 4 und S 6 wegen "vergleichsweise wenig Verkehrsaufkommens" auf Langzüge verzichtet werden solle.

Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) schickte eine Protestnote ans Verkehrsministerium. Ihr Zornedinger Amtskollege Piet Mayr (CSU) regte eine gemeinsame Petition an. Auch der Grafinger CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber appellierte an die Staatsregierung, sich für Verbesserungen stark zu machen. Nun wurde offenbar reagiert. Die BEG bestellt im Auftrag des Verkehrsministeriums das Zugangebot. Peter Paul Gantzer zeigt sich relativ zufrieden über die ihm angekündigten Nachbesserungen der BEG. Und er kann sich vorstellen, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist: "Wie ich die Bayerische Eisenbahngesellschaft kenne, wird diese auf grundlegende Veränderungen reagieren", sagt er. Weitere Verbesserungen wären also bis 2026, dem Jahr der Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke denkbar.

Aktuell hat BEG-Sprecher Johann Niggl schon mal mitgeteilt, das die S 1 im 30-Minuten-Takt von Ebersberg über die zweite Stammstrecke und Laim bis zum Flughafen verkehren wird. Die Express-Bahn werde von Zorneding in Richtung Innenstadt dann nur noch in Haar und Trudering halten, was für alle Halte östlich von Zorneding bis zum Marienplatz zehn Minuten Zeitgewinn bringen werde. Eine S 4 soll Niggl zufolge auf der alten Stammstrecke im 15-Minuten-Takt fahren, wodurch für Zorneding und Haar sechs Fahrten pro Stunde nach München angeboten werden. Baldham, Vaterstetten und Gronsdorf kämen dann zwar nur auf vier Zughalte.

Allerdings, so schreibt Gantzer, würden Langzüge mit 50 Prozent höherer Kapazität eingesetzt, was im Berufsverkehr ein ausreichendes Platzangebot garantieren werde. Das Angebot spätnachts soll unverändert bleiben Die letzte Fahrt ab Marienplatz ist demnach gegen circa 1.30 Uhr ab Marienplatz vorgesehen, am Wochenende gegen 2.30 Uhr. Gantzer hält das jetzt von der BEG vorgelegte Angebot für einigermaßen zufriedenstellend. "Natürlich wäre ein durchgehender Zehn-Minuten-Takt kundenfreundlicher", schreibt er. Doch immerhin würden jetzt die großen Bahnhöfe besser bedient. Er hofft auf weitere Zugeständnisse. Bis zur Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke seien es noch zehn Jahre. Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller hatte unter anderem einen 20-Minuten-Takt bis spätabends und einen durchgängigen Nachtbetrieb der S-Bahn gefordert.

Haar und Grasbrunn schauen in die Röhre

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden protestieren dagegen, dass der Zehn-Minuten-Takt auf den Linien S 4 und S 6 nach dem Bau der zweiten Stammstrecke wegfallen soll. Von Wieland Bögel und Bernhard Lohr mehr...