Lebensmittelverschwendung Zu schade für die Tonne

In Berlin gibt es bereits zahlreiche öffentliche Foodsharing-Stationen.

(Foto: dpa)

Zwei Unterschleißheimer haben die Einrichtung einer Foodsharing-Station angeregt. Wenn der Vorschlag bei der Abstimmung über den Bürgerhaushalt genügend Unterstützung findet, könnte die Stadt sie finanzieren.

Von Irmengard Gnau, Unterschleißheim

Die Grillparty ist vorbei und noch vier Baguettes sind übrig, weil die Nachbarn überraschend doch noch vorbeikamen und so viel Nudelsalat mitgebracht haben. Wohin nun damit, wenn auch im Tiefkühlfach partout kein Platz mehr ist? Doch schweren Herzens in den Müll? Dort landen in Deutschland jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen noch brauchbarer Lebensmittel - je nach Studie sind es zwischen acht und 18 Millionen Tonnen.

Ein absolutes Unding, finden immer mehr Menschen. Neben dem Bewusstsein, nicht mehr zu kaufen, als man auch isst, und das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig zu deuten, gewinnt eine Strategie zunehmend Anhänger: überschüssiges Essen an Menschen in der Umgebung abzugeben, die es gerne verbrauchen. Solches "Foodsharing" soll es vielleicht bald schon auch in Unterschleißheim geben.

Die Anregung dazu kam von zwei Bürgern: Bei der Debatte über den Bürgerhaushalt 2018 haben sie vorgeschlagen, eine Foodsharing-Station in der größten Kommune des Landkreises einzurichten. Solche sogenannten Fairteiler gibt es bereits in München oder auch Freising, mit guten Erfahrungen. Das Prinzip ist einfach: Ein Kühlschrank und ein Regal werden an einem öffentlich zugänglichen Ort aufgestellt. Wer übrige, gut erhaltene Lebensmittel hat, kann diese dort ablegen. Wer sie gebrauchen kann, darf sie einfach mitnehmen.

Der Unterschleißheimer Fairteiler wäre der erste im Landkreis

All das funktioniert freiwillig und kostenlos. Über eine Online-Plattform kann man sich austauschen, was gerade gebracht wird. Die Unterschleißheimer Grünen unterstützen den Vorschlag und haben bereits Kontakt zum Verein Foodsharing München aufgenommen. Der könnte sich um die Organisation und Pflege des "Fairteilers" kümmern. "In die Erzeugung von Lebensmitteln fließt so viel Energie, es ist traurig und unnötig, Essen wegzuwerfen", sagt der Unterschleißheimer Grünen-Sprecher Markus Wutzke.

Der Fairteiler in Unterschleißheim wäre der erste im Landkreis. Ein ähnliches Konzept verfolgt bislang lediglich der Betreiber der Amper-Einkaufszentren (AEZ): In einigen der insgesamt zehn Supermärkte rund um München, etwa in Pullach, stehen seit einigen Monaten sogenannte Foodshare-Regale hinter der Kasse. Dahinein wandern Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum am selben Tag abläuft. Wer mag, kann die Waren kostenlos mitnehmen; ein Schild weist darauf hin, dass der Verzehr auf eigene Verantwortung geschieht. Im Unterschied dazu wäre der Fairteiler nur für den Tausch von Lebensmitteln unter Privatleuten gedacht. Diese Form schütze auch vor haftungsrechtlichen Unklarheiten, erklärt Julia Peters-Klopp, Vereinsvorsitzende von Foodsharing München: "Die Lebensmittelaufsicht hat auf uns keinen Zugriff, weil nur privat zu privat getauscht wird."

Es gibt eine Liste, was geeignet ist

Zusätzlich achten die Foodsharer streng auf Hygiene: Für jeden Kühlschrank gibt es ein festes Team, das täglich kontrolliert, was hinein kommt, und die Ablageflächen reinigt. Leicht verderbliche Lebensmittel wie zum Beispiel Rinderhackfleisch oder mit rohem Ei zubereitete Speisen wie Mayonnaise dürfen nicht abgegeben werden. Was sich gut zum Teilen eignet, steht detailliert am Fairteiler aufgelistet. Die ehrenamtlichen Betreuer erhielten außerdem eine theoretische und praktische Ausbildung, sagt Peters-Klopp.

Für den Unterschleißheimer Fairteiler will sich Sissy Melinz als Organisatorin anbieten. Die Unterschleißheimerin engagiert sich bereits seit mehreren Jahren als Botschafterin für Foodsharing. Sie zeigt sich zuversichtlich, dass das Projekt verwirklicht werden kann. Die Stadtverwaltung prüft den Vorschlag derzeit. An den Kosten dürfte es nicht scheitern. Man untersuche vielmehr, ob es einen Ort gebe, der für einen Kühlschrank geeignet ist und inwieweit ein solcher Fairteiler prinzipiell machbar sei, sagt Stadtsprecher Steven Ahlrep. Grundvoraussetzung dafür wäre, dass der Betrieb ehrenamtlich organisiert wird - und natürlich, dass sich genügend Bürger dafür begeistern. Zwischen 9. und 23. Juli können die Unterschleißheimer online noch einmal über jene Bürgervorschläge abstimmen, die nach Ansicht der Verwaltung auch umsetzbar sind. Insgesamt stehen 100 000 Euro im Bürgerhaushalt für solche Projekte zur Verfügung.

Die Foodsharer hoffen auf ein klares Votum für den ersten Fairteiler im Landkreis. Die Zeit scheint reif. "Es wäre wichtig, das jetzt einfach einmal auszuprobieren", sagt Grünen-Sprecher Wutzke.