Landwirtschaft Alles bio

Flächendeckender Beistand: Die regionale Landwirtschaft wird von allen Fraktionen unterstützt.

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Der Landkreis unterstützt nun doch Fairtrade-Produkte und startet zudem eine Kampagne für regionale Lebensmittel.

Von Stefan Galler

Knapp vier Monate ist es her, da fiel Landrat Christoph Göbel (CSU) mit seinem Ansinnen, dem Landkreis München das Fairtrade-Siegel zu verschaffen, gnadenlos durch: Der Ausschuss für Energiewende, Landwirtschafts- und Umweltfragen erteilte dem Plan eine Absage, weil vor allem den Landwirten im Gremium, angeführt von Anton Stürzer (CSU), Kreisobmann des Bauernverbandes, sowie der langjährigen Kreisbäuerin Maria Knoller (CSU), der Bezug zur heimischen Landschaftschaft fehlte und sie zudem fürchteten, in ihren Freiheiten eingeschränkt zu werden.

Die Kreisräte der Grünen und der Freien Wähler wollten diesen Beschluss so nicht stehen lassen und machten in Form von Anträgen zuletzt Druck, um doch noch ein positives Ergebnis in Sachen fairer Handel und Unterstützung der Lebensmittelproduzenten in Entwicklungsländern zu erzielen. Mit Erfolg, denn in seiner jüngsten Sitzung beschloss der Ausschuss einstimmig nicht nur die Bewerbung um das Fairtrade-Siegel, sondern zudem, eine Produktkampagne mit dem Titel "regional - fair - bio im Landkreis München" zu starten.

Die Grünen hatten in ihrem Antrag gemutmaßt, die ablehnende Haltung der Bauern sei die Folge eines Missverständnisses: "Fairtrade unterstützt Landwirte in Afrika, Asien und Lateinamerika und deren Produkte wie Kaffee, Kakao, Tee oder Bananen." Da diese in keinerlei Konkurrenz zur Landwirtschaft im Landkreis München stünden, sei das negative Votum der Kreisräte nicht nachvollziehbar.

Landwirte fühlten sich vom Landrat "ein bisschen überfallen"

Die Freien Wähler griffen die Ängste der hiesigen Landwirte in ihrem Antrag auf und schlugen deshalb eine Kampagne vor, die neben dem fairen Handel und biologischen Produkten auch die heimischen Produzenten unterstützen solle. Dadurch könne erreicht werden, dass Erzeugnisse aus der Region "vom Verbraucher besser wahrgenommen werden und damit die regionale Wertschöpfung gestärkt wird", heißt es in dem Schreiben der Freien Wähler.

Bauernverbandsobmann Stürzer konnte mit dieser Strategie gut leben, erklärte aber noch einmal seine Ablehnung in der Sitzung im Mai: "Damals sind wir vom Landrat fast ein bisschen überfallen worden." Auf die Betonung des Regionalen lege er sehr großen Wert, so Stürzer. Er könne jedoch niemals zusagen, dass die Landwirtschaft im Landkreis ausschließlich Bio-Waren herstellt: "90 Prozent der Verbraucher können sich solche Produkte nicht leisten und die anderen zehn Prozent können nicht alles konsumieren, was wir produzieren", sagte der CSU-Kreisrat.

Stürzer forderte jedoch, dass der Landkreis den im Vorjahr gegründeten Verein "Unsere bayerischen Bauern" unterstützen möge, der ebenfalls die Wahrnehmung heimischer Produkte im Fokus hat. Dafür erhielt er im Ausschuss flächendeckend Unterstützung, ein entsprechender Passus wurde in den Beschlussvorschlag eingearbeitet und einstimmig abgesegnet.

Letztendlich zeigten sich alle Fraktionen mit der Lösung zufrieden. Der Grüne Markus Büchler betonte noch einmal, wie wichtig Fairtrade sei, um Fluchtursachen zu bekämpfen und den Bauern in den Entwicklungsländern ein vernünftiges Einkommen zu ermöglichen. Für den Landkreis sollte es jedenfalls kein Problem darstellen, jene Kriterien zu erfüllen, die notwendig sind, um das Fairtrade-Siegel zu erhalten. So hätten bereits jetzt die geforderten 45 Einzelhandelsgeschäfte und 23 Gastronomiebetriebe im Kreis Produkte aus fairem Handel im Angebot. Bei den Sitzungen der politischen Gremien wird es künftig "faire" Erzeugnisse geben. Und in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Kirchen sollen ebenfalls Fairtrade-Produkte verwendet werden.