Kreistag Gymnasium um Gymnasium

Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis die ersten Schülern in Sauerlach ihr neues Gymnasium beziehen - hoffentlich dann auf etwas schickeren Stühlen. Der Landkreis treibt seine Bildungsoffensive weiter voran.

(Foto: Günther Reger)

Noch während in Sauerlach die erste weiterführende Schule geplant wird, rückt auch der nördliche Landkreis wieder verstärkt in den Fokus

Von Martin Mühlfenzl, Sauerlach

Die Sauerlacher und vor allem die Sauerlacherinnen haben in den vergangenen Jahren viel dafür getan, damit ihre Gemeinde sehr bald ein eigenes Gymnasium erhält. In den Jahren 2013 bis 2015 brachten die Frauen in Sauerlach im Schnitt jeweils 1,8 Kinder zur Welt. In Unterschleißheim und Neubiberg waren es im selben Zeitraum nur 1,5 Kinder - aber die beiden Kommunen haben ja schon ihr Gymnasium.

Werden viele Kinder geboren, braucht es neue Schulen. Diese einfache Rechnung machte auch Christian Rindsfüßer vom Statistikbüro SAGS bei seiner Präsentation für die Perspektiven eines neuen Gymnasiums im südlichen Landkreis am Dienstagnachmittag im Kreisausschuss für Bauen und Schulen auf. Freilich ist die Fertilität bei der Schulbauoffensive des Landkreises nicht das einzig entscheidende Kriterium, Rindsfüßer belegte mit seinen Zahlen aber eindrucksvoll, dass der Druck bei der Umgestaltung der Schullandschaft kaum nachlassen wird.

Denn neben der seit Jahren steigenden Bereitschaft der Landkreisbewohner, wieder mehr Kinder zu bekommen, spielen zwei weitere Faktoren eine Rolle: der nicht nachlassende Zuzug in die 29 Städte und Gemeinden des Landkreises sowie die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn wird aus allen Nähten platzen

Bis ins Jahr 2035, prognostizieren das Büro SAGS und der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München, wird die Bevölkerung im südlichen Landkreis um etwa 17 Prozent zulegen; in der für die Gymnasien relevanten Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen ist gar ein Zuwachs von 20 Prozent zu erwarten. Rindsfüßer zufolge bedeutet dies in Kombination mit der Wiedereinführung des G 9 etwa zehn Prozent mehr Gymnasiasten im südlichen Landkreis.

Bleibt in der Schullandschaft alles, wie es heute ist, würde das Gymnasium Unterhaching, auf das zehn Prozent der Sauerlacher Schüler gehen, im Jahr 2035 mit mehr als 1600 Schülern aus allen Nähten platzen. Das Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist mit mehr als 800 Schülern heute schon zu klein und müsste dann mehr als 1200 Schüler aufnehmen.

Hinzu kommt die außergewöhnliche Entwicklung bei den Geburten - auch im landesweiten Vergleich. Bayernweit lag die Zahl pro tausend Einwohner im Jahr 2011 bei 1342 Geburten, im Jahr 2016 waren es 1560. Im Landkreis wurden vor sieben Jahren 1410 Kinder je tausend Einwohner geboren, im Jahr 2016 lag die Geburtenziffer bei 1621. Noch mehr Kinder wurden in den angrenzenden Landkreisen Bad-Tölz-Wolfratshausen und Miesbach geboren - und beide Landkreise wurden nun erstmals in die Berechnungen der Schülerzahlen miteinbezogen.

"Wir versorgen München mit."

Dies sei notwendig, da Schüler an Landkreisgrenzen keinen Halt machten, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU). Bei einem Gespräch mit seinen Amtskollegen im Dezember hatte Göbel angefragt, ob es Einwände gegen Sauerlach als Standort für ein Gymnasium gebe; etwa seitens des Gymnasiums Holzkirchen, das ungefähr ein Drittel der Sauerlacher Gymnasiasten besucht. Dies sei aber nicht der Fall gewesen, sagte Göbel. Vielmehr bestätigen auch die neuen Zahlen der Schulbedarfsplanung, dass 200 Schüler aus den beiden Nachbarlandkreisen ein Gymnasium in Sauerlach besuchen werden.

Eine Spitze in die andere Richtung konnte sich der Landrat allerdings nicht verkneifen. Denn jedes Gymnasium im Landkreis München zieht auch Schüler aus der Landeshauptstadt an; auf das Ernst-Mach-Gymnasium in Haar gehen weit mehr Schüler aus München als aus den Landkreiskommunen. Diese Entwicklung wird auch für das neue Gymnasium in Unterföhring erwartet. "Was wir hier tun, ist im Vergleich mit der Landeshauptstadt auch eine Last", sagte Göbel. "Wir versorgen München mit." Dennoch werde der Landkreis seinen Weg konsequent weiter verfolgen.

Bereits im März will Göbel den Kreisräten weitergehende Pläne vorstellen, wo im gesamten Landkreis Handlungsbedarf besteht. Denn es ist kein Geheimnis, dass etwa das Carl-Orff-Gymnasium in Unterschleißheim langsam an seine Kapazitätsgrenze gelangt. Göbel hatte vergangenes Jahr vorsichtig angedeutet, dass es für ein zweites Gymnasium in der größten Kommune des Landkreises keine Denkverbote geben dürfe. In Oberschleißheim hat die Diskussion über ein erstes Gymnasium gerade begonnen. Feldkirchen rückt immer mehr als Standort in den Fokus.

In Sauerlach kann es jedenfalls sehr schnell gehen. Wenn die Gemeinde ihre Hausaufgaben macht und ein geeignetes Grundstück kauft, sollen die Vorläuferklassen für das Gymnasium 2025/26 eingerichtet werden. Dann wäre auch der geburtenstarke Jahrgang 2016 in der Gemeinde so weit.