Kirchheim bewirbt sich Landesgartenschau soll Ortsteile verbinden

Eine Million Besucher strömten 2010 zur Gartenschau in Rosenheim.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Die Gemeinde will die Großveranstaltung 2024, 2025 oder 2026 im neuen Quartier zwischen Heimstetten und Kirchheim ausrichten. Wenn sie den Zuschlag bekommt, wird der geplante Park gleich mit dem Baugebiet errichtet.

Von Christina Hertel, Kirchheim

In sechs Jahren könnte in Kirchheim eine Landesgartenschau stattfinden. Die Gemeinde wird sich für eine der nächsten Schauen 2024, 2025 oder 2026 bewerben. Das hat der Gemeinderat am Montagabend beschlossen. Bis Ende Juni muss die Gemeinde ein detailliertes Konzept abgeben und sich dann gegen sieben weitere Kommunen durchsetzen. Unter anderem ist die Stadt Weilheim in Oberbayern im Rennen. Das Besondere an dem Kirchheimer Konzept: Ähnlich wie bei der Bundesgartenschau 2005 in der Messestadt Riem wird auch in Kirchheim ein komplett neues Quartier gebaut. Die Parkanlagen würden dann nicht wie so häufig am Ortsrand, sondern mitten in einem Neubaugebiet angelegt.

Bewerben will sich die Gemeinde mit einem 14 Fußballfelder großen Park, der zwischen den Ortsteilen Kirchheim und Heimstetten liegen soll. Darin baut die Kommune unter anderem ein neues Rathaus und ein neues Gymnasium. Geplant ist, dass diese Gebäude bis 2024 fertig sind und während der Gartenschau für Veranstaltungen genutzt werden können. Außerdem werden um den Park herum Wohnungen und Einfamilienhäuser errichtet mit Platz für etwa 3000 Menschen. Park, Rathaus, Gymnasium und Wohnbebauung kommen, egal ob die Bewerbung für die Landesgartenschau Erfolg hat. 40 Jahre lang stritten die Gemeinderäte darüber, was mit den Äckern, die zwischen den Ortsteilen liegen, passieren soll. In dieser Zeit wurden Konzepte entwickelt, verändert, verworfen. Im Herbst stimmten die Kirchheimer Wähler den Plänen schließlich in einem Bürgerentscheid zu.

Der Bürgermeister spricht von einem geringen Risiko

Das finanzielle Risiko einer Gartenschau schätzt der Kirchheimer Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) als gering ein. 5,4 Millionen Euro hat die Gemeinde sowieso geplant, für den Park auszugeben. Käme die Schau nach Kirchheim, könnten bis zu 3,6 Millionen Euro vom Freistaat übernommen werden. Böltl geht davon aus, dass die Einnahmen aus dem Eintrittsgeld die Kosten für Schauflächen kompensieren werden. Diese sollen nach den derzeitigen Plänen auf den Baufeldern für Wohnanlagen westlich oder östlich neben dem Park entstehen und nach der Gartenschau wieder zurückgebaut werden.

Kirchheim möchte 2024 oder in den darauf folgenden Jahren auch so eine Schau abhalten und zwar auf der Fläche für den geplanten Ortspark.

(Foto: Claus Schunk)

Aus Sicht des Bürgermeisters hätte eine Gartenschau für Kirchheim viele Vorteile: So würden der Park und die unmittelbar umliegende Wohnbebauung in einem Zug entstehen und nicht wie ursprünglich geplant nach und nach bis 2030. Außerdem müsste die Qualität der Bäume und Pflanzen höher ausfallen. Stefan Keck von der SPD bezeichnete es sogar als "sträflich", würde sich Kirchheim nicht bewerben. Er glaubt, die Baufirmen hätten mehr Motivation durch die Schau. Anders sah das sein Fraktionskollege Thomas Etterer: "Bei allen Großprojekten gibt es Risiken und wir haben einfach insgesamt zu viele." Außerdem seien die meisten Landesgartenschauen defizitär. Auch Rüdiger Zwarg (Grüne) äußerte Zweifel, ob eine Gartenschau in Kirchheim erfolgreich sein könnte: "Wenn ich sehe, was München für Attraktionen und Parkanlagen hat, frage ich mich schon, ob da jemand zu uns rausfährt."

Vergleiche zu vergangenen Landesgartenschauen zu ziehen, ist laut Rathauschef Böltl schwierig. Denn das Konzept, wie bayerische Landesgartenschauen aussehen sollen, wurde neu entwickelt. Die einzelnen Kommunen können individueller entscheiden - zum Beispiel bei der Dauer. Die muss nun nicht mehr zwingend ein halbes Jahr betragen, sondern kann zwischen zwölf und 24 Wochen variieren. Für die Landesgartenschau 2024 mussten Städte und Gemeinden erstmals vor ihrer Bewerbung mit einem groben Konzept ihr Interesse bekunden. Ein Fachbeirat hat dann beraten, ob es für die Kommune überhaupt Sinn ergibt, sich zu bewerben. Diesen Schritt hat Kirchheim bereits erfolgreich durchlaufen. Nun arbeitet ein Ingenieurbüro einen detaillierten Plan aus. Etwa 31 000 Euro stellt der Kirchheimer Gemeinderat dafür zur Verfügung.