Kino Woher die Möbel aus dem neuen Bond-Film kommen

Der Stuhl, auf dem James Bond saß, der Tisch, an dem er Schach spielte - beide Möbelstücke stammen aus dem Antiquitäten-Laden von Susanne Zahn.

(Foto: Claus Schunk)

Das Mobiliar, das bei "Spectre" in Szene gesetzt wird, stammt aus dem Fundus eines Münchner Antiquitätenhändlers. Bloß das knarzende Bauernbett wollte der Regisseur für den erotischen Pflichtteil im Bond-Film dann doch nicht haben. Ein Besuch.

Von Michael Morosow, Aying

An diesem Donnerstag startet der neue James Bond 007 "Spectre" mit Daniel Craig in der Hauptrolle in den deutschen Kinos. Wenn der smarte Supermann wieder einmal die Welt rettet und dazu den ein oder anderen Bösewicht über den Haufen schießt, dann trifft er sicher auch die Herzen vieler Frauen.

So sie noch eine Karte bekommt, will auch Susanne Zahn, Antiquitätenhändlerin aus dem Ayinger Ortsteil Peiß, den Kinostart nicht verpassen. Möglich, dass eine Zuschauerin neben ihr schmachtend im Sessel sitzen wird, wenn der Gentleman einer seiner Gespielinnen die Augen verdreht und dazu einen Wodka-Martini genießt. Susanne Zahn, glücklich verheiratet, wird die Cocktail-Szene wohl ungleich nüchterner betrachten. Ob geschüttelt oder gerührt, ist ihr egal. Hauptsache das Glas hinterlässt keine Ränder auf der Tischplatte.

Der Tisch gehört ihr, wie auch Dutzende Stühle, Kästen, Spiegel, eine Eckbank und anderes Mobiliar, das bei "Spectre" in Szene gesetzt wird, aus dem reichhaltigen Fundus ihres Antiquitäten-Ladens stammen. Im Dezember des Vorjahres hatte sich ein Filmregisseur sehr lange bei "Antiquitäten Zahn" umgesehen, um sich danach mit einer ganzen Fuhre gen London aufzumachen, einem von mehreren Drehorten.

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Requisiteure gehören zu den Stammkunden

Der Verleih von Filmrequisiten hat bereits Tradition im Hause Zahn. Seit Hans Zahn 1978 den Antik-Handel eröffnet hat, gehören Requisiteure zu den Stammkunden. Sie schätzen die große Auswahl von Möbelstücken aus vier Jahrhunderten, die sie auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche vorfinden. Von Antikspiegeln mit verspiegeltem mundgeblasenem Glas, über Silbergeschirr aus der Barockzeit bis zu einer Salzburger Kastentruhe (datiert 1681) reicht der Bestand.

Tochter Susanne, gelernte Uhrmacherin und Restauratorin, ist in der Umgebung von Barockkommoden, Heiligenschränken, Brautschränken und Tabernakelsekretären groß geworden und hat schon viele kostbare Möbelstücke gegen Gebühr an Filmproduktionen verliehen. So unter anderem auch für den Streifen "Das finstere Tal" (2014), das Chiemgau-Theater oder für ZDF-Serien. Für die Rosenheim-Cops mussten keine Möbel geschleppt werden, der Regisseur empfand den ganzen Laden als idealen Drehort, wie auch für die "Versteckte Kamera" das Filmteam hier drinnen drehte.

"Wir sitzen hier inmitten von Original-Kulissen"

Welche Handlung der britische Agententhriller "Spectre" hat, weiß Susanne Zahn noch gar nicht. Warum der Bond-Requisiteur für einen Dreh in London Rustikales aus dem bayerisch-österreichischen Kulturkreis benötigte, dafür hat sie aber eine Erklärung. Im Londoner Filmstudio wurde eine österreichische Berghütte nachempfunden, und nachdem es in England keine Berghütten gibt, wurde das Inventar in Peiß beschafft.

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Ach ja, ein wenig Ahnung von der Handlung des Films hat Susanne Zahn dann doch. "Schach spielt eine Rolle", verrät sie ihrem Besucher. Warum sie das weiß? Sie fertigte auf Wunsch des Requisiteurs einen quadratischen Eichentisch an, an dem James Bond 007 Schach spielte. Die Arbeit hätte sie sich sparen können, denn zu ihren Erstaunen sah sie im Trailer das Schachbrett auf einem anderen Tisch stehen, der aber auch aus Peiß stammt.

Inzwischen stehen alle Bond-Requisiten wieder in ihrem Antiquitäten-Laden, frei von Einschusslöchern und Blutspuren. "Wir sitzen hier inmitten von Original-Kulissen", klärt die Mutter zweier Söhne ihren Besucher auf und dreht zum Beweis einen alten Wirtshausstuhl um. Auf die Unterseite der Sitzfläche hat sie mit schwarzer Farbe "007 Spectre" geschrieben, so wie sie alle Bond-Requisiten damit signierte.

Das knarzende Bauernbett wollten sie nicht haben

Der Laden atmet aber auch so Filmgeschichte. "Der Schrank hat schon bei den Rosenheim-Cops eine große Rolle gespielt und war auch schon bei einer Milka-Werbung zu sehen", sagt Susanne Zahn und deutet auf einen fränkischen Barockschrank aus dem Jahr 1750.

"Nein, ein Bett wollten sie nicht haben", verrät die Restauratorin und lächelt verschmitzt. Für den erotischen Pflichtteil in Bond-Filmen eignet sich ein altes, knarzendes Bauernbett halt doch weniger. Sie werde im Kino genau hinschauen, sagt sie, und meint keineswegs, dass sie Schönling Daniel Craig im Nahkampf mit einem Bondgirl im Auge haben wird. Auch wenn ihre Freundin Conny sagt: "Knackig is er ja schon." Es wird eher so kommen, dass ihre Sitznachbarin frohlockt: "Schau mal, seine Muskeln." Und sie antworten wird: "Schau mal, der schöne Schachtisch!"

Auf die Unterseite der Sitzfläche hat Susanne Zahn mit schwarzer Farbe "007 Spectre" geschrieben, so wie sie alle Bond-Requisiten damit signierte.

(Foto: Claus Schunk)