Jugendstilpark in Haar Eigentum verpflichtet

Die Gemeinde und besonders die Bürgermeisterin haben ihre Linie in schwierigen Verhandlungen beibehalten. Das ist gut so, denn wer sonst sollte die Interessen der normalen Bürger gegenüber Investoren vertreten?

Von Bernhard Lohr

Wahrscheinlich geht es einfach nicht anders. Die Gemeinde Haar mit Bürgermeisterin Gabriele Müller an der Spitze hat in den vergangenen Wochen und Monaten intensive Verhandlungen mit den Investoren des Wohngebiets im sogenannten Jugendstilpark geführt. Naturgemäß verlief das alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Details dieses Dramas, wie es mancher auch schon mal nennt, werden womöglich nie nach außen dringen. Sei's drum. Doch was bei den spärlichen Informationen, die zu bekommen sind, schon deutlich wird, ist die Tatsache, dass es keine einfachen Verhandlungspartner sind, mit denen es die Bürgermeisterin zu tun hatte. Und: Sie ist hart geblieben und hat die Position der Gemeinde durchgesetzt.

Das ist bemerkenswert. Denn man darf sich vorstellen, dass die Immobilien-Manager ihre Interessen zu vertreten wissen. Sie wollen möglichst dichte Bebauung, möglichst wenig Fläche für sozial geförderten Wohnraum abtreten und möglichst wenig herangezogen werden, um Infrastruktur zu finanzieren. Die 2000 künftigen Haarer im Jugendstilpark werden Kindertagesstätten und Schulen benötigen. Sie werden mit Recht eine funktionierendes Gemeinwesen einfordern. Denn es ist zu erwarten, dass die Wohnungen im Jugendstilpark-Ensemble nicht günstig sein werden.

Deshalb kann den Investoren, die im Münchner Umland nicht nur in Haar auf den Plan treten, nicht oft genug Artikel 14, Absatz 2 des Grundgesetztes vorgehalten werden. Darin steht: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." Das gilt besonders in Zeiten, in denen Gewinne im Immobiliengeschäft in die Höhe schnellen - und auf der anderen Seite viele nicht wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Bürgermeisterin Müller hat kürzlich auch gesagt, dass Investoren durchaus Verständnis für soziale Belange aufbrächten. Das lässt hoffen. Die Gemeinden sollten klar die Interessen der Schwachen vertreten.