Ismaning Bad ohne Boden

Weil sich Fliesen gelöst haben, ist das Hauptbecken des Ismaninger Hallenbades seit dem vergangenen Dezember nicht benutzbar.

(Foto: Florian Peljak)

Mit einem Provisorium will die Gemeinde Ismaning sicherstellen, dass das marode Hauptschwimmbecken im Hallenbad bald wieder genutzt werden kann. Derweil gibt es neuen Ärger: Die Anlage zur Reinigung des Wassers muss ausgetauscht werden.

Von Irmengard Gnau, Ismaning

Spricht man Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) auf das örtliche Hallenbad an, entfährt ihm meist zunächst ein tiefer Seufzer. Und diese Reaktion dürfte stellvertretend sein für die vieler Bürger. 2013 mit großer Vorfreude eröffnet und nicht nur in Ismaning sehr beliebt, ist das Bad längst zum juristischen Streitobjekt geworden.

Bereits zum zweiten Mal muss im Inneren der geschwungenen Glashalle großflächig saniert werden. Seit Ende 2015 ist das große Hauptschwimmbecken gesperrt, Fliesen und Estrich haben sich vom Boden gelöst. Ein Ärgernis für Badegäste und Betreiber: Seither können Schwimmer nur die drei kleineren Becken benutzen, Schwimmunterricht der weiterführenden Schulen muss entfallen, die Schwimmabteilung des Sportvereins auf Badezeiten verzichten; nicht zuletzt haben die Gemeindewerke, die das Hallenbad betreiben, wegen der Sperrung deutlich geringere Einnahmen zu verzeichnen.

Die Schäden sind größer, als zunächst angenommen

Der Schaden im Becken hat sich inzwischen als größer herausgestellt als nach der ersten Inaugenscheinnahme ersichtlich war. Rasch sei klar gewesen, dass einzelne kosmetische Ausbesserungen nicht reichen würden, sagt Bürgermeister Greulich. Nach derzeitigem Informationsstand müssen voraussichtlich neuer Estrich und neue Fliesen im ganzen Beckenboden verlegt werden. Greulich veranschlagt die Sanierungskosten im "gut sechsstelligen Bereich", betont aber, der Umfang der nötigen Arbeiten stehe noch nicht endgültig fest.

Das Hallenbad wird zur Dauerbaustelle

Bei der Revision gibt es wieder eine böse Überraschung: Wie im vergangenen Jahr finden die Prüfer Mängel an der 2013 eröffneten Anlage. Das Hauptbecken muss saniert werden, der Schwimmunterricht ist unsicher. Von Irmengard Gnau mehr...

Denn noch läuft ein selbständiges Beweissicherungsverfahren, das dazu dienen soll, festzustellen, wer oder was für die entdeckten Schäden verantwortlich ist. Bis Ende März, so die Hoffnung im Ismaninger Rathaus, wird der vom Landgericht München bestellte Sachverständige sein Gutachten vorlegen - und damit Antworten auf Fragen nach den Schadensursachen und möglichen Gewährleistungspflichten geben können.

Zusätzlich zum Ärger um die aktuellen Schäden kommt eine weitere Reparatur auf das Hallenbad zu. Die bestehende Calciumhypochlorit-Anlage, mit der das Wasser in den Schwimmbecken bislang gereinigt und aufbereitet wird, soll ausgetauscht und durch eine Chlorgasanlage ersetzt werden. Dafür fallen voraussichtlich Kosten von etwa 120 000 Euro an, erklärte Greulich den Mitgliedern des Werkausschusses in der jüngsten Sitzung.

Die Calciumhypochlorit-Anlage ist für ein Bad dieser Größe ungeeignet

Nach Einschätzung von Experten seien Anlagen nach Art der bestehenden eigentlich gar nicht für Hallenbäder der Ismaninger Größe empfohlen, sondern für kleinere Bäder. Warum eine solche Calciumhypochlorit-Anlage damals beim Hallenbad eingebaut wurde, sei nachträglich nicht mehr klar nachzuvollziehen. Der Werkausschuss empfahl dem Gemeinderat jedenfalls einstimmig eine Umstellung auf Chlorgas. Die Umrüstung soll ohne große Störung des Badebetriebs möglich sein.

Auch beim Hauptschwimmbecken sollen die Badegäste nicht warten müssen, bis die juristischen Fragen endgültig geklärt sind. Er baue darauf, dass das Becken bis zum April wieder in Betrieb genommen werden kann, sagte Greulich. Dazu soll eine provisorische Lösung zum Tragen kommen, die bis zur kommenden Revisionszeit im Winter 2016 oder, falls nötig, bis zur darauffolgenden Revision halten soll. Auf den Estrich am Beckenboden wird eine Schicht Spezialmasse aufgetragen, die das Becken abdichtet. So kann wieder Wasser ins Becken eingelassen und endlich auch wieder dort geschwommen werden.

Sind alle juristischen Fragen geklärt, will die Gemeinde die vollständige Sanierung des Beckens angehen. Dabei setzt Greulich nach den Erfahrungen der Vergangenheit auf besondere Vorsorge. Er wolle diesmal "das Problem definitiv geklärt wissen", sagt er. Mit dieser Hoffnung dürfte er nicht alleine sein.