Integration Die Sprache ist das geringste Problem

Deutsch lernen die meisten Flüchtlinge relativ gut: Sprachkurs in Grünwald.

(Foto: Angelika Bardehle)

Der Landkreis München hat als bundesweit erster einen Integrationsfahrplan für Flüchtlinge erarbeitet. Eine Zwischenbilanz zeigt offenbart vor allem Schwierigkeiten in den Bereichen Wohnen und Werte.

Von Stefan Galler

Mit der Verabschiedung des Integrationsfahrplans für Flüchtlinge hat der Landkreis München im Dezember ein Modell auf den Weg gebracht, das bundesweit Vorbildcharakter haben könnte bei der möglichst umfassenden Eingliederung von Asylsuchenden in die Gesellschaft. Ein Vierteljahr nachdem der Kreistag das 14 Seiten starke Werk mit insgesamt 69 in fünf Säulen aufgegliederten Integrationszielen verabschiedet hat, hat die Kreisverwaltung am Dienstag im Sozialausschuss eine erste Zwischenbilanz präsentiert. Diese fällt überwiegend positiv aus.

"Es ist eine riesengroße Aufgabe, aber es macht Spaß, wie schnell wir die einzelnen Punkte umsetzen", sagte Elif Yildizoglu, Mitarbeiterin im Geschäftsbereich Asyl und Helferkreiskoordinatorin im Landratsamt. Landrat Christoph Göbel (CSU) mahnte dennoch zur Geduld: Es sei zwar gelungen, den abstrakt erscheinenden Integrationsfahrplan "mit Leben" zu füllen. "Aber teilweise haben wir schon noch ein dickes Brett zu bohren." Ein Lob sprach er den Mitarbeitern aus: "Es macht Freude zu sehen, wie die Mannschaft voll motiviert bei der Sache ist."

Vor allem im Bereich "Unterbringung und Wohnen" sei noch viel zu tun, was wenig überraschend ist: "Alle wissen, dass der Wohnungsmarkt sehr spärliche Optionen bietet. Für Menschen mit Migrationshintergrund oder Flüchtlinge ist es noch schwieriger als ohnehin schon", sagte Elif Yildiroglu. Es gehe in erster Linie darum, die Menschen auf den Wohnungsmarkt vorzubereiten und andererseits Eigentümer dazu zu bewegen, auch an diesen Bewerberkreis zu vermieten.

Während die Diagramme im Zwischenbericht über den Integrationsfahrplan auf diesem Gebiet derzeit noch eher rot gefärbt sind - was bedeutet, dass die entsprechenden Ziele noch nicht erreicht wurden - sieht es bei der zweiten Säule "Spracherwerb und Bildung" schon viel besser aus. "Die Kurse werden sehr viel und gut besucht", sagte Yildiroglu. Deshalb sei beispielsweise der Sektor "Sprachkompetenz" im Diagramm auch grün eingefärbt.

Das gilt auch für den Teilbereich "Gesundheit" innerhalb der dritten Säule. Sexualpädagogische Projekte, Impfkampagnen und Schwangerenbegleitung laufen offenbar bereits fließend, bei der psychischen Stabilisierung von traumatisierten Flüchtlingen ist man auf einem guten Weg. Dagegen dominiert bei den Teilbereichen "Werte" und "Teilhabe" noch die Farbe Rot. "Das ist nicht verwunderlich, hier haben wir es mit langfristigen Prozessen zu tun, die einer entsprechenden Vorplanung bedürfen", sagte Yildiroglu. Dazu zählt etwa die Integration der Flüchtlinge in Vereine und das Bereitstellen von interkulturellen Kompetenztrainings.

Die Bemühungen sollen auch auf andere Migranten ausgedehnt werden

Als besonders positiv stellte Yildiroglu die Fortschritte bei der Säule "Arbeit und Beschäftigung" heraus: "Wir konnten tolle Kooperationen abschließen." Es seien zahlreiche Unternehmen auf das Landratsamt zugekommen, die sich nach Tipps erkundigten, wie man Flüchtlinge integrieren könne. "Da findet schon ein reger interkultureller Austausch statt", so die Helferkreiskoordinatorin. Und auch über die fünfte Säule mit der Bezeichnung "Öffentlichkeit" hatte sie vorwiegend Positives zu berichten. So sei die mediale Begleitung des Projektes gegeben, auch in den Kommunen gebe es Austauschtreffen und Informationen, etwa auf Bürgerversammlungen.

Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) lobte die gute Systematik des Fahrplans, monierte allerdings, dass man sich nicht nur auf die Integration von Flüchtlingen konzentrieren dürfe. Es gebe viele Landkreisbürger mit Migrationshintergrund, die "teilweise auch nach Jahren noch nicht hier angekommen sind", so Loderer. Landrat Göbel pflichtete dem Ottobrunner Bürgermeister bei und sagte, dass es bereits diesbezügliche Pläne im Landratsamt gebe: "Im Landkreis leben 60 000 Menschen ohne deutschen Pass, davon sind fünf Prozent Asylbewerber. Wir führen die Integration all dieser Menschen in einem Konzept zusammen."