Haar/Garching Nur die Harten feiern Fasching

Auf dem Haarer Kirchenplatz und vor dem Garchinger Bürgerhaus trotzen einige Unerschrockene beim Kehraus dem widrigen Wetter

Von Britta Rybicki und Nadja Tausche, Haar/Garching

"Heid is so a schena Dog", dröhnt es aus den Boxen im Bürgerhaus. Und das ist es - denn in Haar tobt der Fasching. Kühe und Einhörner laufen draußen auf dem Kirchenplatz herum und allerlei andere Gestalten. Sie unterhalten sich in Grüppchen oder warten an Ständen: Mit Spickern kann man auf Luftballons werfen und Teddys oder gelbe Smiley-Kissen gewinnen. Beschallt wird der Platz von DJ Jürgen, er steht hinter dem Mischpult und spielt auf einer imaginären Querflöte.

Gegenüber hat der Schützenverein sein Zelt aufgebaut, Mönche verkaufen Sekt und Helles. "Dieses Jahr gab es kein festes Motto bei uns", sagt Peter, Mitglied vom Schützenverein mit brauner Kutte und blonder Topf-Perücke. Jeder sei in einer anderen Verkleidung gekommen, deshalb läuft zwischen einigen Mönchen auch ein Cowboy herum. Schon seit Jahren baut der Schützenverein hier in der Ortsmitte zum Fasching sein Zelt auf, dieses Jahr ist wegen des kalten Wetters aber noch nicht so viel los wie sonst. Dafür gibt es heuer eine Neuheit: Die CSU hat sich den Alkohol auf den Rücken geschnallt. Statt wie sonst einen Stand zu haben, bringen die Mitglieder den blauen "Swimmingpool" direkt zu den Faschingsgästen. Davor haben sie an ihrem braunen Ghostbuster-Kostüm Röhren mit Schläuchen angebracht. Konkurrenz müssen sie dieses Jahr nicht befürchten, denn die SPD hat ihre Teilnahme am Faschingstreiben spontan abgesagt.

Dafür ist die Feuerwehr dabei und Aktive und Ehemalige vom Kirchenchor. "Ich gehe schon seit 66 Jahren als Dummer August", sagt Friedrich, eine Kasperl-Mütze auf dem Kopf. Für die Jüngeren gibt es im Bürgerhaus Programm. Die Kirnarra ist da: "Schreit mal, so laut ihr könnt!", fordert eine Frau die Kinder vor der Bühne auf. Die Zuschauer sitzen an langen Tischen und schauen zu. Dann tritt das Kinderprinzenpaar auf die Bühne, die beiden tanzen Walzer zu "Feels like home". Und echte Haarer dürften sich beim alljährlichen Fasching auf dem Kirchenplatz tatsächlich zu Hause fühlen.

In Garching klatschen derweil kalte Tropfen auf die Bühne, auf der Bürgermeister Dietmar Gruchmann seine Gäste begrüßt: "Nur die Harten kommen in den Garten." Gerade einmal 50 Besucher versammeln sich unter dem Regenschutz. Die Kindergarde des Schleißheimer Narrenrats gibt dennoch ihr Bestes. Als Bienen verkleidet drehen sie souverän ihre Pirouetten und können die Stimmung ihrer Zuschauer etwas anheizen. Jerome und Ricarda - Das Kurfürstenpaar - tanzt zwar den Eröffnungstanz, bricht dann aber wegen der schlechten Wetterlage ab. "Der Boden ist zu nass und die kleinen Steinchen auf dem Platz können bei den Hebefiguren gefährlich werden", sagt Christine Hutterer, die Präsidentin des Schleißheimer Narrenvereins. Die Stimmung ist dürftig, findet die 22-jährige Martina Strobl. "Es gibt nur vier Stände und auch die musikalische Darbietung lässt zu wünschen übrig", sagt Strobl. Das Garchinger Faschingsfest ist für die Rentnerin Elena Illfeld bloß eine Notlösung, trotzdem gefällt es ihr. "Da heute am Viktualienmarkt nichts los ist, sind wir spontan hergekommen", sagt Illfeld. Ganz darauf verzichten wollen sie schließlich nicht. Der fünfjährige Paul lässt sich vom schlechten Wetter nicht die Laune verderben; die Maskenbildnerin im Bürgerhaus verwandelt ihn in einen Superhelden. "Natürlich in Batman", sagt Paul.