Haar Großes Theater um die Realschule

Die vergangenes Jahr eröffnete Realschule in Taufkirchen bietet aus Sicht von Landrat Göbel einen guten Vergleich: Demnach könnte Haar für elf Millionen Euro eine Realschule bekommen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Elf Millionen Euro oder deutlich mehr: CSU und SPD geraten bei Veranstaltung in Haarer Kleinkunstbühne wegen der zu erwartenden Kosten für einen Realschulbau aneinander.

Von Christina Jackson, Haar

Der Inhalt einer E-Mail-Korrespondenz vom 25./26. Februar hat neuen Zündstoff in die Haarer Realschul-Debatte gebracht. Bei einer CSU-Veranstaltung im Kleinen Theater verlas der in Haar wohnende stellvertretende Landrat Ernst Weidenbusch (CSU) am Donnerstag vor etwa 50 Besuchern den digitalen Schriftverkehr. In einer der E-Mails geht es um die voraussichtlichen Kosten für den Bau der Realschule, die mit Fach- und Berufsoberschule einen Campus bilden soll. Die Absender der Nachrichten: Haars SPD-Bürgermeisterin Gabriele Müller und CSU-Landrat Christoph Göbel.

Noch ist unklar, wo der Schulcampus entstehen und wie er finanziert werden soll. Landkreis und Gemeinde stehen im Gespräch mit dem Bezirk Oberbayern und der Landeshauptstadt, die an der Vockestraße und in Gronsdorf über passende Grundstücke verfügen. München könnte auch finanziell Partner werden, schließlich werden von dort Schüler erwartet. Wer nun wie viel für den Realschulbau bezahlen muss, ist jedenfalls ein zentraler Streitpunkt, in den Weidenbusch nun mit seiner E-Mail-Nachricht neue Schärfe brachte.

SPD-Vertreter verlassen demonstrativ vorzeitig den Saal

Einige SPD-Vertreter jedenfalls, die an der Veranstaltung im Kleinen Theater teilnahmen, verließen vorzeitig demonstrativ den Saal. SPD-Gemeinderat Cherin Sakkal hatte vorab seinerseits Öl ins Feuer gegossen, indem er verkündete, er sei gegen jede Beteiligung an dem Realschulprojekt. Dieses sei Kreisangelegenheit.

Weidenbusch verkündete unter Verweis auf den Mail-Verkehr, es habe zwischen Müller und Göbel einen Konsens zum präferierten Standort eines Schulcampus in Gronsdorf gegeben. Zudem sei von gut elf Millionen Euro Gemeindeanteil für eine Realschule die Rede gewesen. Diese Summe hat Landrat Göbel tatsächlich in einer E-Mail vom 25. Februar an Müller genannt. Diese E-Mail liegt der SZ auch vor. Göbel nennt exakt die Zahl 11 413 636 Euro, die sein Haus auf der Grundlage des jüngsten Realschulbaus in Taufkirchen für den Haarer Anteil errechnet habe.

Die SPD dreht den Spieß um

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Weidenbusch konfrontierte die SPD am Donnerstag mit der Nachricht und brachte diese in die Defensive. Schließlich hatte Bürgermeisterin Müller in einem offenen Brief am 26. Februar der CSU in Haar vorgeworfen, diese agiere bei ihrer Unterschriftensammlung für die Realschule verantwortungslos. Die CSU gaukle vor, dass 15 Millionen Euro eine "belastbare" Zahl für die zu erwartenden Kosten seien. Weidenbusch sagte nun, "selbst im schlimmsten Fall - wenn keine kommunalen Nachbargemeinden zusätzlich einzahlen - dürfte Haar mit rund elf Millionen Euro Eigenanteil rechnen".

Die SPD hält das Realschulprojekt dennoch finanziell für fragwürdig

Die SPD in Haar hält dennoch das Realschulprojekt für finanziell fragwürdig. Sie verweist auf den notwendigen Bau einer Grundschule. SPD-Gemeinderat Alfons Meindl sprach im Kleinen Theater von Unsicherheiten bei der Kostenschätzung für die Realschule und sagte, die Schüler seien mit dem aktuellen Angebot in Vaterstetten und München zufrieden. Der Blockade-Vorwurf gegenüber der SPD entbehre jeder Grundlage. Die Bürgermeisterin sei sehr wohl tätig.

Mit Verwunderung verfolgte Grünen-Ortssprecher Ulrich Leiner den Schlagabtausch. "Ich hatte nicht gedacht, dass die Diskussion einen solchen Tsunami verursacht." Eine konstruktive Debatte müsse den SPD-Hinweis auf die Dringlichkeit bezahlbaren Wohnraums und zu erwartender Erschließungskosten berücksichtigen. Die im Kleinen Theater anwesenden Eltern indes einte die Klage über weite Schulwege, überfüllte Schulen und unzuverlässige Verkehrsanbindungen. Sie wünschten sich, so war zu hören, eine Realschule am Ort.

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