Haar Fällungen im Jugendstilpark

Eichen stehen Feuerwehranfahrt für Neubauten im Weg

Von Bernhard Lohr, Haar

So war das eigentlich nicht vorgesehen. Trotz intensiver, Monate währender Vorberatungen kamen mit dem ersten Bauantrag für das Wohngebiet Jugendstilpark auch gleich die ersten Ausnahme-Genehmigungen. Und zwar nicht nur marginaler Art. Der Bauausschuss des Haarer Gemeinderats billigte jüngst trotz der Proteste von Petra Tiedemann (Grüne), dass für den Bau von neun Mehrfamilienhäusern samt Tiefgarage neun Bäume gefällt werden müssen, die eigentlich als schützenswert eingestuft worden sind. Darunter sind laut Bauamtsleiter Josef Schartel Eichen mit einem Stammumfang von 80 und 90 Zentimetern.

Wie Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) und Thomas Reichel (CSU) unisono betonten, handelte es sich bei dem Beschluss, der symbolisch den Beginn der Wohnbautätigkeit auf dem ehemaligen Klinikareal markiert, um einen Meilenstein für Haar. Der Bauausschuss billigte damit die Errichtung von neun Gebäuden mit 145 Wohnungen sowie einer großräumigen Tiefgarage. All das soll auf der jetzt noch freien Wiese an der Leibstraße nördlich der Kindertagesstätte Casinostraße entstehen.

Das Baurecht wurde unter dem Vorbehalt erteilt, dass die Erschließung geregelt ist. Und da gibt es offensichtlich Probleme; wie zu hören war, auch weil Bauträger vereinbarte Summen an den Erschließungsträger, die Bayerngrund, mit Verzug überweisen. Wann tatsächlich gebaut wird, steht noch in den Sternen, ähnlich wie bei den geplanten Senioren-Einrichtungen, die neben den Punkthäusern vorgesehen sind, für die die Oberbayerische Heimstätte jetzt Baurecht hat.

Der Bauausschuss erteilte es trotz Bedenken wegen der Baumfällungen, die wegen einer notwendigen Feuerwehr-Aufstellungsfläche erfolgen. Auch müssen laut Bauamtschef Schartel Bäume an der bestehenden Straße weichen. Es handelt sich um Bäume noch aus der Entstehungszeit des Klinikkomplexes, der als Ensemble unter Denkmalschutz steht.

Grünen-Gemeinderätin Petra Tiedemann zeigte sich überrascht über die Fällungen und sagte: "Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen." Schartel entgegnete freilich, es sei unumgänglich und auch nicht verwunderlich. Je tiefer man in die Planung einsteige, desto konkreter werde alles. Und die Feuerwehranfahrtszone sei so im Bebauungsplan auch eingetragen. Zugleich hielt man im Plan aber auch fest, dass genau dort Bäume erhalten werden sollen. Ein Spagat, der nicht klappen konnte, wie sich zeigte.

Zudem billigte der Ausschuss einen Bauantrag für Mehrfamilienhäuser mit 105 Wohnungen sowie acht Reihenhäusern samt Tiefgarage mit 154 Plätzen an der Herzogstandstraße nahe dem Gronsdorfer Bahnhof. Dort baut die Gemeinde auch eine Kindertagesstätte.