Grünwald Haus für junge Flüchtlinge

Einsparpotenzial bei der Ausstattung

Die Kosten des Wohnhauses für unbegleitete junge Flüchtlinge könnten sich noch etwas reduzieren. So etwa steht zur Debatte, bei den mit 200 000 Euro notierten Ausstattungskosten noch Abstriche zu machen wie auch bei der Tiefgarage für sechs Fahrzeuge, deren Kosten vorläufig mit 300 000 Euro angegeben sind. 330 Quadratmeter Wohnraum sollen entstehen, dazu 44 Quadratmeter im Untergeschoss. Es sollen zwölf Einzelzimmer mit Raumgrößen zwischen 14 und 15,58 Quadratmetern, ein offener Essbereich mit mehr als 26 Quadratmetern, eine Gemeinschaftsküche mit neun Quadratmetern sowie mehrere Toiletten- und Badeeinheiten auf drei Ebenen verteilt gebaut werden. Im Süden wird eine Terrasse entstehen. Im Keller soll neben Wasch- und Technikräumen das Büro für die Betriebsleitung situiert werden, zusätzlich ist noch ein Schlafraum für das Aufsichtspersonal vorgesehen. Der sozialpädagogische Dienst mit seinem Team ist rund um die Uhr da. Der Tagessatz für die Betreuung liegt laut Barbara Portenlänger-Braunisch bei 200 bis 250 Euro. Die CSU-Rätin arbeitet in der gemeinnützigen Gesellschaft "Soziale Dienste Psychiatrie", die den Zuschlag für die Betreuung bekam. mm

Die Gemeinde investiert 1,7 Millionen Euro in Unterkunft

Von Michael Morosow, Grünwald

Die Gemeinde Grünwald lässt sich den Bau eines Wohnhauses für zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge circa 1,7 Millionen Euro kosten. In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat per Mehrheitsbeschluss die Planungen sowie die Kostenschätzung für das Vorhaben genehmigt. Gleichzeitig hat sich das Gremium auf die "Soziale Dienste Psychiatrie gemeinnützige GmbH" mit Sitz in Vaterstetten als Betreiber der Einrichtung verständigt. Die grundsätzliche Entscheidung für die Bebauung des gemeindeeigenen Grundstücks an der Laufzorner Straße 30 zu diesem Zwecke hatte der Gemeinderat bereits in seiner August-Sitzung getroffen - auf Antrag der CSU-Fraktion.

Nun, da die Planungen bereits im Gange sind, dem Gremium ein erster Entwurf des Architekten vorlag und sowohl der potenzielle Betreiber als auch dessen Betriebskonzept vorgestellt wurden, konnte bis ins Detail diskutiert werden, wobei erwartungsgemäß die Kostenfrage nicht einheitlich bewertet wurde. Die Mehrheit stieß sich daran entweder gar nicht, oder nahm die relativ hohen Pro-Kopf-Kosten bei nur zwölf Bewohnern der Unterkunft billigend in Kauf. Horst Sedlmair (PBG) sowie Robert Zettel, der sich an einem Wohnraum im Kellergeschoss stieß, und Gerhard Sedlmair (beide CSU) konnten sich damit aber nicht anfreunden und stimmten schließlich auch gegen das Projekt. "Zwölf Flüchtlinge haben das große Los gezogen. Aber für 1,7 Millionen Euro nur zwölf Plätze - mir ist das zu viel Geld für wenig Leute", sagte Sedlmair. Die 1,7 Millionen Euro umgerechnet auf die Kopfzahl, das sei für ihn ein "Wahnsinn", sagte Sedlmair und schlug vor, im ersten Obergeschoss einige Wohnungen für die jungen Flüchtlinge zu platzieren, im Erdgeschoss aber Sozialräume einzurichten.

Sein Parteikollege Bürgermeister Jan Neusiedl warnte dagegen vor dieser Umrechnung. Es sei wohl Pflicht der Gemeinde, aufs Geld zu achten, aber auf die Kopfzahl umzurechnen, "da muss man vorsichtig sein, da muss man höllisch aufpassen", erwiderte der Grünwalder Rathauschef und verwies auf die zu erwartenden Erträge für die Kommune. Die Gemeinde vermietet die Wohnräume an die Regierung von Oberbayern zu einem Preis von zehn Euro pro Quadratmeter. Außerdem bleibt das Grundstück, das die Gemeinde von einer Grünwalder Bürgerin geerbt hat, erhalten; das Gebäude soll nach Ablauf der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft wieder vermietet werden. Architekt und Gemeinderat Alexander Steininger (CSU), der mit der Entwurfsplanung für das Projekt betraut worden ist, erklärte denn auch auf Nachfrage, dass ein Umbau leicht zu bewerkstelligen sei, zumal man die Trockenbauwände zwischen den Einzelzimmern entfernen könne.

Neusiedl nannte noch einen weiteren Grund dafür, dass sich der Gemeinderat im August für Bau und Vermietung des Wohnhauses entschieden hat: Die gesetzlichen Vorgaben für die Betreuung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge seien extrem hoch, "und wir sind der Meinung, dass Verteilung und Unterbringung nicht in Gettos, sondern dezentral geschehen muss, um eine konfliktfreie Situation zu erreichen".

"Das kann ein Aushängeschild für die Gemeinde werden", betonte Matthias Schröder (FDP). "Ich find's super, ich bin begeistert, hellauf begeistert, es juckt mich schon in den Fingern", sagte seine Parteifreundin Edith Wassermann. Gleich in doppelter Hinsicht glücklich über das Vorhaben der Gemeinde Grünwald zeigte sich Altbürgermeister Hubertus Lindner (PBG). Erstens habe man endlich eine Verwendung für das "greisliche" Handtuchgrundstück gefunden, und zweitens könne man Menschen, die unsere Hilfe benötigen, wunderbar eingliedern, sagte Lindner.