Grasbrunn Hilferuf der Helfer

Mehr als ausgelastet: Josef Stettner vom Asylhelferkreis Grasbrunn-Vaterstetten bittet die Gemeinde Grasbrunn um Unterstützung.

(Foto: Claus Schunk)

Asylkreis fühlt sich vom Landratsamt allein gelassen

Von Lars Brunckhorst, Grasbrunn

Ob Hilfe bei Behördengängen, Begleitung bei Arztbesuchen oder Hausaufgabenhilfe für Kinder - der Asylhelferkreis Grasbrunn-Vaterstetten hat auch im dritten Jahr seines Bestehens viel zu tun. 235 Flüchtlinge leben aktuell in den beiden Gemeinden, 85 von ihnen in Grasbrunn, wo sich nach Auskunft des Helferkreises 20 bis 30 Ehrenamtliche um sie kümmern. Das sind wenige im Vergleich zur Anfangszeit, als sich in beiden Orten 365 Freiwillige fanden. Heute seien davon weniger als 80 übrig, berichteten Josef Stettner und Fritzi Netter vom Helferkreis dem Grasbrunner Gemeinderat.

Entsprechend ausgelastet und belastet fühlten sich viele Helfer. 20 Stunden ehrenamtliche, unbezahlte Arbeit in der Woche seien bei vielen die Regel. Um zumindest bei Koordination und Organisation der Hilfe entlastet zu werden, bat der Helferkreis den Gemeinderat um die Bewilligung einer Halbtagsstelle im Rathaus für einen Integrationsbeauftragten. Doch eine knappe Mehrheit von elf zu zehn Gemeinderäten wollte dem Antrag nicht stattgeben. Vor allem aus Reihen der Freien Wähler (FWG) und der Bürger für Grasbrunn (BfG), aber auch der CSU wurde darauf verwiesen, dass die Betreuung von Asylbewerbern nicht Aufgabe der Kommunen, sondern des Bezirks und des Landratsamts sei.

Ehe man die Stelle eines Integrationsbeauftragten im Rathaus schafft - mit Personalkosten in Höhe von geschätzt 25 000 Euro - will die Mehrheit Auskunft von Landratsamt und Arbeiterwohlfahrt, warum deren Personal offenbar nicht ausreicht, um den Helferkreis zu entlasten.

Dessen Erfahrungen mit dem Landratsamt und dem Awo-Kreisverband sind nach den Schilderungen Stettners und Netters eher bescheiden. Man habe immer wieder versucht, von den genannten Stellen konkrete Hilfe zu erhalten. "Aber die tauchen bei uns nicht auf", sagte Stettner. "Wir können das Landratsamt nicht einfach aus der Verantwortung rauslassen", beharrte Paul König (CSU). Hannes Bußjäger (FWG) erinnerte daran, dass im Landratsamt eigens Stellen für die Betreuung der Asylbewerber geschaffen worden seien und dafür die Kreisumlage steige. Auch ein dringender Appell von Fritzi Netter stimmte die Mehrheit im Gemeinderat nicht um: "Wir brauchen jemanden vor Ort. Die Stellen im Landratsamt nützen uns nichts." Ulrich Hammerls (SPD) Plädoyer, gleich eine Ganztagesstelle zu schaffen, verhallte ebenfalls ungehört.

Dass der Antrag, der von Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) und der Verwaltung unterstützt wurde, letztlich scheiterte, lag aber auch daran, dass neben den sechs Gemeinderäten von FWG und BfG sowie drei CSU-Räten auch Karin Albrecht und Thomas Unterbichler von der SPD gegen die Schaffung einer neuen Stelle stimmten. Beim Helferkreis war die Enttäuschung im Anschluss groß. Die Mitglieder werden sich bis auf Weiteres alleine um die 35 anerkannten und 50 nicht anerkannten Asylbewerber kümmern dürfen, die an sieben Standorten über die Gemeinde verteilt untergebracht sind.