Grasbrunn Bitte zurückbleiben

Fährt nach 2026 im Berufsverkehr nur noch vier Mal in der Stunde: die S 4 zwischen Ebersberg und Geltendorf.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das Wirtschaftsministerium bestätigt: Durch die zweite Stammstrecke entfällt auf der S 4 und S 6 der Zehn-Minutentakt

Von Wieland Bögel, Grasbrunn/Vaterstetten

Verzögerungen bei Großprojekten werden oft als Ärgernis empfunden - außer man ist S-Bahn-Pendler und steigt in Baldham oder Vaterstetten ein oder aus, was etwa die Einwohner von Grasbrunn tun, wenn sie zur Arbeit nach München müssen, oder all jene, die im Technopark Neukeferloh arbeiten und aus der Stadt rausfahren. Sie alle werden sich vermutlich über jeden Tag freuen, an dem die zweite Stammstrecke noch nicht fertig ist. Geplant war der Termin für 2026, vermutlich wird es mindestens ein Jahr länger dauern. So lange gilt im Berufsverkehr der S4/S6 noch ein Zehn-Minutentakt. Danach dagegen kommt der Zug nur noch alle 15 Minuten.

Dies geht aus einer aktuellen Stellungnahme des bayerischen Verkehrsministeriums hervor, aus der nun der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber zitiert. Demnach wird zwar auf der S4/S6 ganztägig ein 15-Minutentakt eingeführt - allerdings heißt ganztägig dann auch: kein Zehn-Minutentakt in der Hauptverkehrszeit. Dafür gebe es "nach heutigem Stand keine Notwendigkeit", so Huber. Der Abgeordnete verweist darauf, dass ja geplant sei, zusätzlich eine Express-S-Bahn einzurichten. Diese soll ebenfalls ganztägig auf der Linie S4/S6 verkehren und zwar im 30-Minutentakt. Dadurch, so Huber weiter, gebe es zusammen mit der Bahn sechs Verbindungen pro Stunde - rechnerisch also sehr wohl einen Zehn-Minutentakt.

Aber eben nicht für alle. Zwar soll die Express-S-Bahn bis zur Endstation durchfahren, aber ausgerechnet in den beiden Stationen der größten Gemeinde im Landkreis Ebersberg - Vaterstetten und Baldham - soll sie nicht halten. Auch wer das Glück hat, an einer der Stationen zu wohnen, die von der Express-S-Bahn angefahren werden, fährt damit nicht unbedingt besser: In Berg am Laim oder am Leuchtenbergring hält sie nämlich ebenso wenig wie an den meisten Stationen der Innenstadt. Halten würde sie zwar noch am Ostbahnhof, nächste Station wäre Marienhof, dann Hauptbahnhof und dann erst wieder Laim.

Auch auf der Linie S 2 könnte es für Pendler unbequemer werden. Zumindest legt dies eine kürzlich im Poinger Gemeinderat vorgelegte Planung der DB Netz AG nahe. Demnach wird zwar auch auf diesem S-Bahn-Ast die Taktfrequenz von 20 auf 15 Minuten erhöht. Gleichzeitig fallen aber die Entlastungszüge zwischen Markt Schwaben und Riem weg, die verbleibenden Züge dürften deutlich voller werden. Davon wären wiederum Fahrgäste betroffen, die in Feldkirchen und Heimstetten zusteigen. Längere Züge einsetzen kann die Bahn nicht, dafür sind die Bahnhöfe, wie etwa St. Koloman, nicht ausgelegt.

In Vaterstetten und Poing dringt man auf eine Umplanung. "Eine Verschlechterung der Situation nach Fertigstellung der zweiten Stammstrecke für die Bevölkerung ist für mich nicht hinnehmbar," sagt Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD).