Garching Gesicht zeigen für eine offene Gesellschaft

Wer sich an der Aktion beteiligen will, kann sich wie diese junge Frau von einem Fotografen ablichten lassen oder in einem Wohnwagen ein Selfie machen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die TU München will ein Zeichen gegen Rassismus setzen - mit einer riesigen Plakat aus mindestens 600 Porträts. Beteiligen kann sich jeder.

Von Christina Hertel, Garching

Für Maximilian Hasinger ist die Sache klar: "In der Wissenschaft hat Rassismus keinen Platz. Hier zählt die Leistung - nicht die Hautfarbe." Um das der Öffentlichkeit auch zu zeigen, beteiligte sich der Student an einer Aktion der Technischen Universität: Er ließ sich am Montag auf dem Campus in Garching fotografieren. Klingt banal - doch später wird sein Foto Teil einer Kunstaktion. Die TU lässt die Porträts von mindestens 600 Menschen auf ein fast 100 Quadratmeter großes Plakat drucken - als Zeichen gegen Fremdenhass. Aufgehängt wird es nächste Woche an der Fakultät für Maschinenwesen direkt gegenüber der U-Bahn-Station.

Der Anlass: Am 21. März vor fast 60 Jahren wurden in einem Township in Südafrika 69 Demonstranten erschossen. Sie kämpften gegen die Apartheid, die zwangsweise Trennung rassistisch definierter Bevölkerungsgruppen in ihrer Heimat. Damit dieser Tag in Erinnerung bleibt, werden vom 13. bis zum 26. März die "Internationalen Wochen gegen Rassismus" begangen - die Fotokunstaktion der TU ist ein Teil davon.

"Wir machen mit, weil man als Wissenschaftler ständig in andere Orte ziehen muss. Dafür braucht es eine offene Gesellschaft", sagt Peter Finger, Geschäftsführer der Jungen Akademie, dem Förderprogramm der TUM, der die Aktion organisiert. Für die Fotoaktion hat sich die Uni entschieden, weil es den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt rückt und gleichzeitig eine Masse zeigt, die sich gegen Rassismus ausspricht. "Mitmachen darf jeder - egal ob Student oder Mitarbeiter." Auch Menschen, die mit der TU gar nichts tun haben und nur zufällig vorbeilaufen, dürfen mit auf das Plakat.

"Fast jeder nimmt sich die zwei Minuten Zeit"

Sarah Braun studiert Mathematik an der TU und überredete am Montag mit ein paar Flyern in der Hand Kommilitonen zum Mitmachen. "Es klappt besser, als ich erwartet hätte. Fast jeder nimmt sich die zwei Minuten Zeit." Und viel länger dauert es nicht. In Garching werden die Bilder entweder im Gebäude vor einer grauen Leinwand geschossen - oder draußen auf dem Campus in einem kleinen Wohnwagen. Wie in einem Fotoautomaten sieht man dort drinnen auf einem Bildschirm sein Porträt, kann einen Hintergrund wählen und wartet dann auf den Selbstauslöser.

Am Dienstag ist der Wohnwagen noch einmal auf dem Campus aufgebaut, von 10 bis 14 Uhr. Und auch die TU in der Münchner Innenstadt ist dabei: Am Donnerstag und Freitag, 16. und 17. März, kann man sich in der Immatrikulationshalle an der Arcisstraße 21 fotografieren lassen. Die Bilder, die dort entstehen, kommen wahrscheinlich nicht auf ein Plakat, sondern werden als Fahnen vor dem Unigebäude aufgehängt.