Gate in Garching Gründer-WG mit strengen Regeln

Christian Heckemann bietet Jungunternehmern einen besonderen Service.

(Foto: lukasbarth.com)

Im Gate auf dem TU-Campus können Start-ups nicht nur Büros mieten, sie erhalten auch kostenlose Beratung. Im Gegenzug müssen sie über ihre Fortschritte berichten - und beizeiten ausziehen.

Von Nadja Tausche, Garching

Die Datenbrille hat die gleiche Größe wie ein Skibrille. Statt des Bandes befestigen aber Halterungen die Brille oben und an den Seiten am Kopf. Was Marco Maier gerade sieht, können Besucher auf einem Bildschirm mitverfolgen: Eine Weiche aus dem Zugbetrieb ist zu sehen, die 3D-Rekonstruktion scheint mitten im Raum zu schweben.

Maier hebt eine Hand in die Luft und tippt Daumen und Zeigefinger aufeinander: Auf einmal befindet sich die Weiche woanders im Bild. Dann wählt Maier ein 3D-Bauteil aus und setzt sie in das Gleisteil ein. "Wir entwickeln virtuelle Trainingsinhalte in 3D für die Bahn", sagt Maier, Mitbegründer der Firma Viscopic. Diese können dann mit Datenbrillen abgespielt werden. "Das nutzt die Deutsche Bahn zum Beispiel, um Mitarbeiter im Reparieren von Weichen zu schulen."

Viscopic ist eines von 59 Start-ups, die gerade ein Büro im Gate Garching besetzen. Das Technologie- und Gründerzentrum vermietet Büros an Gründer und bietet Workshops an, die den Kleinunternehmern bei der Weiterentwicklung helfen sollen. Seit 2002 gibt es das Gate auf dem Campus der Technischen Universität (TU) in Garching, wie Geschäftsführer Christian Heckemann bei einer Führung des Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) erläutert. "Meine Philosophie ist: Wir sind nicht nur ein Bürocenter", sagt Geschäftsführer Heckemann. Wer ins Gate einziehe, ziehe in eine Community ein, "in eine große WG". Das Gründerzentrum finanziert sich über die Mieten der Start-ups, den Rest steuert der Freistaat Bayern bei.

Coaching durch einen Unternehmensberater

Um sich von einer reinen Bürovermittlung abzuheben, bietet das Gate zusätzlich zu den Workshops ein Coaching durch einen Unternehmensberater an. Der kommt einmal pro Woche und berät die Unternehmensgründer kostenlos zu verschiedenen Themen: Maier von Viscopic etwa hat ihn zur Finanzierung des Start-ups befragt oder zu Strategien, um seine Zielgruppen zu erreichen.

Die Lage des Gate auf dem Campus der Technischen Universität ist dabei beabsichtigt. "Etwa ein Drittel der Unternehmen hat direkten TU-Bezug", sagt Heckemann. "So können wir die Nähe zu unseren alten Kollegen halten", erklärt Michael Epple: Er ist einer der drei Gründer des Start-ups Mitos, die drei haben an der TU studiert und promoviert. Ab und zu komme auch einmal einer ihrer ehemaligen Professoren zu ihnen rüber.

Was ihr Unternehmen macht, zeigt Epple anhand zweier Bilder aus der Röntgenanalyse: Links das Röntgenbild einer Tomate, zu sehen ist eine weiße, blickdichte Kugel. Rechts daneben dieselbe Tomate, diesmal ist jeder Kern erkennbar. Die Strukturen der Tomate erzeugten nicht genügend Kontrast, um in der digitalen Radiografie bis aufs Innerste durchleuchtet zu werden, erklärt Epple. Mit ihrem Unternehmen wollen die drei Gründer konventionelle Methoden der Röntgentechnologie weiterentwickeln.

Und dann endet die WG-Zeit

Die größte Firma im Gate hat mittlerweile 25 festangestellte Mitarbeiter. Wenn ein Start-up ein Büro im Gate mieten will, schaut Heckemann es sich vorher an: "Wir wollen Technologie und Innovation sehen", sagt er. Auch bei der weiteren Entwicklung müssen die Start-ups mit ihm kommunizieren. "Ich will schon nachfragen dürfen, wie das Projekt läuft", sagt Heckemann. Die Gespräche mit dem Unternehmensberater seien ebenfalls in gewissem Maße verpflichtend, vor allem am Anfang. Zu Ende ist die WG-Zeit im Gate für die Start-ups dann spätestens nach fünf Jahren, wie Heckemann erklärt: "Das ist der Punkt, an dem man etwas Größeres machen kann - oder wo sich zeigt: Das funktioniert so nicht."