Garching Auf Wachstumskurs

Garching könnte schon bald mehr als 20 000 Einwohner haben. Deshalb plant die Stadt große Baugebiete in Hochbrück und in Campus-Nähe. Das Thema Wohnen sieht der Bürgermeister als besonders dringlich an

Von Gudrun Passarge, Garching

Tanzende Menschen beim Fest der Vielfalt und Kulturen, der bunte Festzug, die Carmina Burana, der neue Helmut-Karl-Platz - der Film zu Beginn zeigte noch einmal all die großartigen Feiern und besondere Szenen des Festjahres 2015. "Wir haben alle miteinander Geschichte geschrieben", sagte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) zu Beginn der Bürgerversammlung in Garching und meinte damit die 17 638 Einwohner der Universitätsstadt. Künftige Feste könnten allerdings noch üppiger ausfallen, denn Garching wächst und könnte bald schon die 20 000-Marke reißen. Geplant sind große Baugebiete in Hochbrück am Schleißheimer Kanal und in Garching in der Lücke zwischen jetziger Bebauung und TU-Campus. Insgesamt könnten dort zirka 3700 Menschen ein neues Heim finden.

Wohnen ist für den Bürgermeister ein wichtiges Thema, hier sieht er Handlungsbedarf. Aktuell sind die Bagger schon am Mühlfeldring angerollt, dort entstehen in Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft Ober- und Unterschleißheim 15 Eigentums- und 16 Mietwohnungen. Die Miete soll ähnlich wie beim Mühlfeldtrio um die neun Euro pro Quadratmeter liegen. Das Vergaberecht für die Mietwohnungen habe die Stadt. Aufgewertet werden soll auch das Gebiet am Keltenweg. Geplant ist ein Mischgebiet mit Wohnen und Gewerbe als Übergang zum Business Campus, wie Gruchmann ausführte. Am Schleißheimer Kanal in Hochbrück könnten eines Tages etwa 1000 Menschen leben. Da sei die Stadt noch in Verhandlungen mit der Firma Voith, der auch Grundstücke in dem Bereich gehören. Die Stadt plant, sich bei der Umsetzung am Modell der Sozialen Bodennutzung der Stadt München zu orientieren und 25 Prozent der bebauten Fläche für Wohnungen im ersten und dritten Förderweg zu reservieren, außerdem soll es eine Art Einheimischenmodell geben.

Beim historischen Festzug zur 1100-Jahr-Feier hatte auch die Feuerwehr ihren Spaß. Auf das neue Feuerwehrhaus muss sie jedoch noch warten.

(Foto: Allessandra Schellnegger)

So sieht auch die Planung für die sogenannte Kommunikationszone aus, die Platz für 2700 neue Bewohner schaffen soll, die vom Reihenhaus bis zum Studentenapartment unterschiedliche Angebote vorfinden werden, inklusive Kinderhaus und neuer Grundschule. Allerdings fehlen von sieben Eigentümern zwei, die noch unterschreiben müssen, Eon und der Freistaat. "Aber wir haben jetzt schon die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, dass Wohnraum peu-à-peu entstehen kann", sagte Gruchmann. Mit dem Freistaat verhandelt die Stadt noch über Lösungen, wie ein Einheimischenmodell in dem Gebiet umgesetzt werden kann.

Beim Verkehr müssen sich die Garchinger an einen neuen Namen gewöhnen. Die B 11 firmiert seit Januar als Staatsstraße 2350, womit jetzt das Land Bayern Baulastträger ist. Langfristiges Ziel sei es, sie noch weiter runterzustufen. Denn wenn sie einst Gemeindestraße ist, könne die Stadt Anordnungen treffen, "und zum Beispiel Lkw aus dem Gemeindegebiet verbannen" oder auch über Tempo 30 nachdenken, "aber das ist noch Zukunftsmusik". Schon konkret ist dagegen der neue Augustiner im alten Gesindehaus. Gruchmann sprach vom Herbst als möglichem Eröffnungstermin für die Gastwirtschaft mit 138 Plätzen innen und 380 im Biergarten. Für die Stadt blieben dann noch Räume im Obergeschoss, wo beispielsweise der Ortschronist einziehen könnte.

Gestörtes Klima Auch zu seinem "derzeitigen Lieblingsthema" nahm Bürgermeister Dietmar Gruchmann Stellung: das Werner-Heisenberg-Gymnasium. Nach Kritik vom Elternbeirat, dass die Raumluft kritische Werte erreicht habe, räumte Gruchmann "auffällige Werte" ein. Es habe einzelne Peaks der CO₂-Werte gegeben, "aber es ist nicht tödlich". Er finde es nicht in Ordnung, "wie hier in der Öffentlichkeit Ängste geschürt werden, und wir als Verwaltung als die bösen Buben hingestellt werden". Schließlich habe der Zweckverband das Gutachten beauftragt, um herauszufinden, wie es um die Qualität der Raumluft bestellt sei. Doch die Studie sei in solchem Fachchinesisch gehalten, "dass man es nur fehlinterpretieren kann". Der Gutachter habe festgestellt, dass die Klassenzimmer nutzbar seien, und Empfehlungen erteilt. Dazu gehöre auch "nach einer Dreiviertelstunde mal die Fenster aufzumachen".pa

Als die etwa 250 Bürger das Wort hatten, brachten nur wenige Wünsche und Hinweise vor. Heinz Fendl etwa kritisierte, dass am Mühlbach zu selten gemäht werde, auch der Belag des Fußwegs zum Kindergarten am Mühlbach fand keine Gnade in seinen Augen, "ich weiß nicht, was sie sich dabei gedacht haben". Schließlich monierte er noch, dass die Straßenreinigung stets zu Zeiten komme, wenn die Autos der Mütter dort parkten, die ihre Kinder in den Kindergarten brächten. Gruchmann nahm die "Hausaufgaben für unsere Verwaltung" mit und versprach Abhilfe. Wenig Hoffnung machte er jedoch einer Frau, die sich wünscht, dass der Flughafenbus in Garching hält. "Sie sagen, die zehn Minuten Umweg sind nicht verkraftbar", sagte Gruchmann. Es ging noch um den gefräßigen Biber, Sperrmüll, der Tage vor der Abholung rausgestellt wird, Parkplätze am Römerhofweg und die Erlaubnis für Lkw, den ehemaligen Schleckerladen über den Helmut-Karl-Platz zu beliefern. Aber echte Anträge gab es keine, größere Probleme kamen nicht zur Sprache. So bleibt im Gedächtnis, was ein Mädchen im Film zum Festjahr zu Beginn des Abends gesagt hatte: "Garching ist für mich wunderschön."