FDP-Versammlung Der Medienmacher soll es richten

Hoffnungsträger der FDP: Helmut Markwort ist Direktkandidat für die Landtagswahl im Stimmkreis München-Land Süd.

(Foto: Claus Schunk)

Helmut Markwort tritt im Stimmkreis München-Land Süd für die FDP an. Nicht alle Liberalen unterstützen ihn.

Von Irmengard Gnau, Oberhaching

Aufstellungsversammlungen der FDP rund um München haben durchaus Potenzial für Ungewöhnliches. Das bewies die Partei jüngst bei der Kür eines neuen Vorsitzenden für den Bezirksverband Oberbayern. Nachdem der Hohenbrunner Jimmy Schulz den Posten niedergelegt hatte, um sich ganz seinen Aufgaben im Bundestag zu widmen, war das Ringen um die Nachfolge zwischen zwei Kandidaten so eng, dass bei der Abstimmung keiner die nötige Mehrheit bekam. Auf das Stimmenpatt folgte die Loswahl, die Axel Schmidt, den Chef des Oberhachinger Ortsverbands, zum Sieger machte. Ganz so eng war es am Mittwochabend nicht, als die Mitglieder des FDP-Kreisverbandes in Schmidts Heimatgemeinde zusammenkamen, um zum zweiten Mal einen Landtags-Direktkandidaten für den Stimmkreis München-Land Süd zu wählen.

Gleichwohl demonstrierten einige Mitglieder, dass sie den Vorschlag des Kreisvorstands, den langjährigen Focus-Chefredakteur Helmut Markwort aus München zum Landkreiskandidaten zu berufen, nicht so überschwänglich bewerteten wie der Vorstand. Allen voran der Medienunternehmer und Rechtsanwalt Marco Deutsch, 56, aus Grünwald, der sich zur offensichtlichen Überraschung des Kreisvorsitzenden Ralph Peter Rauchfuss als Gegenkandidat meldete. Als erfahrener Liberaler von der Basis stellte Deutsch sich den Mitgliedern als "eure Alternative aus eurer Mitte" vor. Markworts Wahl konnte Deutsch am Ende nicht verhindern, doch elf der insgesamt 42 Stimmen entfielen auf den Grünwalder. Die übrigen 31 Stimmen erhielt Markwort.

Marco Deutsch aus Grünwald erhielt elf Stimmen.

(Foto: Claus Schunk)

Mit dem Markwort-Mobil in den Wahlkampf

Dieser wird nun für die FDP im Stimmkreis München-Land Süd, der nach neuem Zuschnitt die Nummer 124 trägt, in den Landtagswahlkampf ziehen. Und das mit vollem Einsatz, sagte der 81-Jährige. Einige Gedanken habe er sich bereits gemacht, so soll etwa schon bald ein Markwort-Mobil als rollender Wahlkampfstand zum Einsatz kommen. Inhaltlich wolle er sich insbesondere der Bekämpfung einer überbordenden Bürokratie widmen, die Unternehmer und vor allem den Mittelstand lähme, kündigte Markwort an. Auch für eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen will sich der neue Direktkandidat einsetzen.

"Wir haben einen Kandidaten gefunden, der nicht geeigneter sein könnte", frohlockte Kreisvorsitzender Rauchfuss. Mit dem bekannten Medienmacher als Gesicht für den Süden des Landkreises werde die FDP ihr gutes Ergebnis von der Bundestagswahl 2017, als die Liberalen im Landkreis München mit 15,3 Prozent der Zweitstimmen deutschlandweit einen Spitzenwert erreichen, noch einmal um eineinhalb bis zwei Prozent übertreffen können, kündigte Rauchfuss an. Schließlich sei Markworts Name, so hieß es in der Einladung zur Aufstellungsversammlung, um ein Vielfaches bekannter als jener des bisherigen Direktkandidaten - ein Seitenhieb auf Tobias Thalhammer.

FDP-Bezirk muss noch über den Listenplatz entscheiden

Der Neubiberger, in der Vergangenheit das Gesicht der Landkreis-FDP, hatte jüngst trotz Nominierung seinen Parteiaustritt bekannt gegeben und war zur CSU gewechselt. Ob der für Thalhammer bestimmte Platz 16 auf der Oberbayern-Liste nun an Markwort gehen wird oder ob dieser seinen Listenplatz 32 behält, hat der Bezirk noch zu entscheiden.

Markwort versprach, trotz seines Wohnsitzes in der Stadt München sich auch der Landkreisthemen anzunehmen. Solange, sagte er, werde er sich in Landkreisfragen auf die FDP-Kollegen am Ort stützen und die dortige Meinung erkunden. In einem zentralen Thema sei er durch diese Recherchemethode bereits zu einer Erkenntnis gekommen, die ihm bei der Versammlung viel Applaus einbrachte: "Ich bin gegen den Südring."