Extremsport Kräftemessen mit dem Schrecklichen Sven

Sportler üben an frei schwebenden Holzbalken.

(Foto: Claus Schunk)

Der OCR Munich ist Deutschlands erster Verein für Extremhindernislauf und hat in Kirchheim einen Trainingsparcours angelegt. Die nächste Erweiterung ist bereits geplant.

Von Hannes Putfarken, Kirchheim

Über massive Holzwände klettern, durch riesige Reifen hindurch robben und sich in luftiger Höhe von Metallstange zu Metallstange hangeln - Extremhindernisläufe erfreuen sich bei Sportbegeisterten wachsender Beliebtheit. Bei diesen Wettbewerben müssen die Sportler nicht nur eine kilometerlange Strecke zurücklegen, sondern eben auch zahlreiche Hindernisse irgendwie überwinden. Bisher trainieren Sportler meistens in privaten Kleingruppen.

Anders in Kirchheim: Hier werden die Mitglieder des OCR Munich, aber auch interessierte Neulinge jeden Montag durch ausgebildete Trainer gedrillt. Seit einem Jahr gibt es den Verein inzwischen und damit ist er der erste eingetragene Verein für Extremhindernislauf in ganz Deutschland. Auf einem ehemaligen Mountainbike-Gelände zwischen Kirchheim und Heimstetten hat der Verein seinen Hindernisparcours in aufwendiger Eigenarbeit errichtet. Auf den rund 10 000 Euro teuren Trainingsplatz ist Uwe Kauntz, Vorsitzender des Vereins und auch einer der Trainer, sichtlich stolz: "Wir haben die ganze Anlage nur aus eigenen finanziellen Mitteln entworfen und gebaut - da steckt schon viel Herzblut dahinter." Dafür haben Kauntz und seine Mitstreiter wochenlang auch in ihrer Freizeit an den Plänen für die Hindernisse getüftelt. Entstanden sind auf dem 900 Quadratmeter großen Gelände 15 Hindernisse mit Namen wie "Schrecklicher Sven" oder "Inverted Wall". Die Maße für die Konstruktionen haben sich die Vereinsgründer selbst ausgedacht, auch wenn sie sich dabei an den Hindernissen aus den großen Wettbewerben orientiert haben. Natürlich müssen alle Hindernisse auch den Sicherheitsstandards entsprechen. Deshalb hat der Verein um viele Hindernisse herum auch extra eine 40 Zentimeter dicke Schicht aus Holzhackschnitzeln aufgetragen, um etwaige Stürze abzufedern.

Mit Hilfe von Traktorreifen trainieren Sportler Kraft.

(Foto: Claus Schunk)

Uwe Kauntz selbst hat schon mehr als 45 Extremhindernisläufe erfolgreich gemeistert und besitzt neben dem Schein zum Fitnesstrainer noch viele weitere Zusatzqualifikationen im Bereich des Athletiktrainings. Die Schwerpunkte des Trainings setzt er neben der Steigerung der Kraftausdauer und der Griffkraft vor allem auf Technikübungen. "Wenn man am Anfang noch frisch ist, kann man die Hindernisse oft allein mit Kraft überwinden", weiß Kauntz aus eigener Erfahrung. "Aber spätestens zum Ende hin muss man mehr über die Technik gehen." Deshalb werden die Sportler beim Training zusätzlich gezielt in Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Balance und Koordination trainiert.

An Hindernissen wie dem "Schrecklichen Sven" kann man seine Koordination und Beweglichkeit fördern.

(Foto: Claus Schunk)

Nach knapp einem Jahr zählt der Verein inzwischen schon mehr als 80 Mitglieder, zwischen 16 und 60 Jahren. Eine erste Herausforderung war es, überhaupt ein geeignetes Trainingsgelände zu finden. "Wir mussten über 20 Gemeinden anschreiben", erzählt Uwe Kauntz. "Umso schöner, dass es dann hier in Kirchheim geklappt hat." Sobald wieder genügend Geld in der Vereinskasse vorhanden ist, sollen noch mindestens zwei weitere große Hindernisse gebaut werden. Genügend Platz ist da. Allerdings darf es keinen Bodenfrost geben, denn gerade die großen Hindernisse müssen zur Sicherheit fest im Boden verankert werden.