CSU und Ditib in Garching Streit um islamisches Fest

Gemeinsames Fastenbrechen: Vor einem Jahr lud dazu der Muslimrat München in den Luitpoldpark ein.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Garchinger CSU sagt ihre Teilnahme am Fastenbrechen des Integrationsbeirats ab, weil die türkische Organisation Ditib beteiligt ist. Im Rathaus und bei Muslimen in der Stadt herrscht Unverständnis.

Von Gudrun Passarge, Garching

Um das Fastenbrechen, das der Integrationsbeirat in Garching an diesem Samstag veranstaltet, bahnt sich in der Stadt eine politische Auseinandersetzung an.

Anlass ist die Absage der örtlichen CSU, an dem Fest teilzunehmen. Die Partei begründet ihre Entscheidung damit, dass auch die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, an der Veranstaltung teilnimmt. Ditib sei Teil der staatlichen Religionsbehörde Diyanet "und damit direkter Teil des Machtapparats des türkischen Staatschefs Erdoğan", lässt die CSU in einem Brief an den Integrationsbeirat und Garchings Bürgermeister wissen.

In den Schreiben heißt es: "Diesen politischen Islam und diese extremistische Einflussweise aus dem Ausland wollen wir hier nicht!"

Der Vorsitzende des Integrationsbeirats Claudio Cumani reagiert "überrascht und traurig". Die Aufgabe des Beirats sei es, "Brücken zu bauen zwischen Menschen mit verschiedenen politischen Meinungen und Missverständnisse abzubauen", sagt er der SZ. Der Beirat habe von vornherein klar gemacht, dass es keine politische Veranstaltung werden dürfe und dass nicht über die Wahlen in der Türkei gesprochen werde. Cumani sagt, er selbst sei eher erfreut gewesen, dass die drei türkischen Vereine in Garching das Fest gemeinsam mitorganisieren: der FC Türk Sport, der Hochbrücker Frauenfreundschaftsverein und Ditib.

Außerdem im Boot ist der Kreisjugendring München-Land. Dort bestehen keine Berührungsängste. Jan Stepputtis, Leiter der KJR-Einrichtungen in Hochbrück, sagt, es gehe beim Fastenbrechen "um den Austausch unabhängig einer Religionszugehörigkeit". Und darum, Barrieren abzubauen. Außerdem sei der Jugendverband von Ditib seit vergangenem Jahr auch Mitglied des Bayerischen Jugendrings.

Die CSU hat nicht zum ersten Mal Vorbehalte gegen den Verein. Als der Garchinger Ditib-Ableger sich um Räume für ein Gebetshaus in Hochbrück bemühte, lehnte die CSU Ditib-Gebetsräume in der ehemaligen Kreissparkassenfiliale in Hochbrück ab. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht", sagt der CSU-Ortsvorsitzender und Fraktionschef im Stadtrat, Jürgen Ascherl. So habe es vor der Absage zum Fastenbrechen eine Vorstands- und eine Fraktionssitzung gegeben. Ditib stehe immer wieder in der Kritik. Die nordrhein-westfälische Landesregierung habe gerade erst ihre Zusammenarbeit mit Ditib aufgekündigt. Kritische Anfragen im Internet zu Ditib würden mit Hasskommentaren versehen. Auch gebe es Medienberichte von Spionagevorwürfen, wonach Ditib-Mitglieder Anhänger der Gülen-Bewegung ausgekundschaftet hätten, die der türkische Staatschef Erdoğan für den Putschversuch von 2016 verantwortlich macht.

Politik und Religion

Ascherl nennt noch den Fall von Veranstaltungen vor Ditib-Moscheen, bei denen auch Kinder mit militärischen Uniform aufgelaufen sein sollen. "Man sollte sich von Ditib distanzieren, solange, bis die Bundes- oder Landesregierungen sagen, dass Ditib unbedenklich ist." Zwar wolle Ascherl nicht alle Ditib-Mitglieder in einen Topf werfen, "aber es ist eben der Dachverband und mit denen wollen wir nicht in einen Topf geworfen werden". Politik und Religion müssten klar getrennt werden. An Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) richtet Ascherl die Frage: "Wie rechtfertigen Sie es, dass Ditib mit dieser Einladung im Gymnasium Garching ihren politischen Einfluss geltend machen kann?"

Der Bürgermeister sieht die Situation weniger bedrohlich: "Ich denke, die Garchinger CSU ist da etwas unbedacht übers Ziel hinausgeschossen."

Beim Fastenbrechen gehe es um das unvoreingenommene gegenseitige Kennenlernen. Er habe volles Vertrauen in den Integrationsbeirat, dass dieser eine politische Veranstaltung ausgeschlossen habe. Gruchmann betont, dass der Integrationsbeirat " vollkommen eigenständig" handle. Im Übrigen habe selbst der Integrationsrat der bayerischen Staatsregierung Ditib nicht von der Mitarbeit ausgeschlossen, sondern bemühe sich vielmehr, "durch Einbindung Vorurteile und Grenzen abzubauen".

Claudio Cumani bestätigt das: "Ich treffe regelmäßig in bayerischen Ministerien Vertreter von Ditib." Der Vorsitzende des Integrationsbeirats hat gleichwohl Verständnis "für die Ängste und Sorgen", die manche in Bezug auf Ditib äußern. "Es gibt Fragen. Wir sollten darüber reden, aber machen wir es zusammen." Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es doch noch einmal möglich sein wird, dass sich alle zusammensetzen, Bürger und Parteien.

Auch Hanifi Torun kann die Absage der CSU nicht nachvollziehen. "Wir leben hier in Garching, wir sind Garchinger Vereine und mit Politik haben wir nichts zu tun", sagt Torun, der bis 2017 Vorsitzender des Vereins Türk Sport war und auch im Integrationsbeirat sitzt. Keiner der Vereine habe sich "etwas zu Schulden kommen lassen". Torun moniert, es werde "sehr viel geredet, aber was abläuft, weiß keiner". Bei früheren Fastenbrechen seien alle Parteien vertreten gewesen und ebenso die Kirchen. Auch diesmal wird es Grußworte geben. Vom katholischen Pfarrer und einem Vertreter der evangelischen Gemeinde in Garching.