Gefährlicher Streckenabschnitt Radwegebau nimmt Fahrt auf

Der Radweg zwischen Brunnthal und Höhenkirchen endet in der Waldsiedlung - zum Unwillen der Bürgermeister Stefan Kern (links) und Ursula Mayer.

(Foto: Angelika Bardehle)

Sicher zur Schule, sicher zur Arbeit: Brunnthal und Höhenkirchen-Siegertsbrunn können endlich eine Verbindungslücke zwischen beiden Gemeinden schließen. Die Regierung von Oberbayern gibt überraschend schnell Fördermittel frei.

Von Bernhard Lohr, Brunnthal/Höhenkirchen

Die Straße hat es in sich. Die Strecke führt von Faistenhaar nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn in engen Kurven gut einen Kilometer durch den Wald. Die Fahrbahn ist in schlechtem Zustand, an vielen Stellen wurde sie schon ausgebessert. Die Straße ist relativ eng, hängt zum Fahrbahnrand hin. Es ist duster an diesem Januarnachmittag, die Sicht ist schlecht. Trotzdem sind die Autofahrer auf Höhe der Waldsiedlung, wo es von Faistenhaar kommend reingeht in das Waldstück, flott unterwegs. So fährt man auf dem Land, wenn man auf der Staatsstraße außerorts Gas geben kann. 80, 90 oder 100 Stundenkilometer - ganz normal.

Das funktioniert ja auch, wenn nichts Unerwartetes passiert. Aber schon die Möglichkeit, dass im dunklen Waldstück ein Radfahrer auf der Straße fahren könnte, haben viele nicht vor Augen. Doch genau das sollten sie. Denn der Radweg, der eine wichtige Verbindung zwischen den südlichen Ortsteilen Brunnthals und Höhenkirchen-Siegertsbrunn bilden soll, hat genau an dieser Stelle eine Lücke.

"Kinder kann man dort auf keinen Fall fahren lassen."

Abrupt endet er an der Waldsiedlung. Der Radfahrer wird auf die Straße verwiesen. Kinder, so sagt Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU), kann man dort "auf keinen Fall fahren lassen". Kern und seine Kollegin Ursula Mayer (CSU) aus der Nachbargemeinde haben einen Pressetermin an der Staatsstraße 2367 anberaumt.

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Sie setzen sich seit Jahren dafür ein, dass der Radweg in Sonderbaulast von den Gemeinden gebaut werden kann. Bei einem Treffen von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit Bürgermeistern habe dieser das zugesagt und Zuschüsse in Aussicht gestellt. Kern machte sich in der Folge daran, bei 15 Grundstücksbesitzern die notwendigen Flächen zu erwerben. Der Bau des Radwegs war eins seiner Wahlkampfversprechen vor zwei Jahren. Er hat Bedeutung für die Gemeinde, von der aus nicht zuletzt viele Kinder täglich zur S-Bahn und zu den weiterführenden Schulen nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn fahren. 160 Kinder aus Brunnthal besuchten dort die Mittelschule und das Gymnasium, sagt Kern, für 60 aus dem südlichen Gemeindegebiet wäre ein Radweg die ideale, kürzeste Anbindung.

Bis so ein Radweg gebaut wird, das kann dauern - vor allem an Staatsstraßen

Doch so sinnvoll es erscheint: Bis so ein Radweg gebaut wird, das kann dauern. Und die Mitteilung von der Regierung von Oberbayern, dass wegen begrenzt zur Verfügung stehender Finanzmittel der Zuschuss 2016 zurückgestellt worden sei, hat die Chefs der beiden Rathäuser zu der konzertierten Protestaktion bewegt. Die Regierung dürfe das nicht mit der Begründung auf die lange Bank schieben, dass zwischen Faistenhaar und Höhenkirchen mit 2650 Fahrzeugen am Tag weniger Autos verkehrten als auf Staatsstraßen im Durchschnitt, protestieren Kern und Mayer. Die Staatsstraße sei in einem fürchterlichen Zustand, sagt Mayer, so wie übrigens viele Staatsstraßen im Landkreis. Der Zustand sei nicht weiter tragbar.

Die Unzufriedenheit rührt auch da her, dass der Landkreis wie viele Gemeinden sich den Ausbau des Radwegenetzes vorgenommen hat. Wo der Kreis zuständig ist, kommt man damit auch voran. So wurde soeben erst zwischen Siegertsbrunn und Harthausen auf 3,4 Kilometern der bisher längste Geh- und Radweg eröffnet, den der Kreis entlang einer Kreisstraße als selbständige Baumaßnahme umgesetzt hat. Weitere Radwege, wie zwischen Faistenhaar und Dürrnhaar, bei Aying und Grasbrunn, sind in der Planung. Der Kreis lässt ein Gesamtkonzept für ein schlüssiges Radwegenetz entwickeln. Der dritte Landrat Otto Bußjäger (Freie Wähler) sprach von einem "neuen Zeitalter", das für das Fahrrad anbreche, nicht nur für Freizeitradler, auch für die Fahrt zu Schule und Arbeitsplatz.

Nach dem Protest kommt die Finanzierungszusage der Regierung

Am liebsten wäre es Bürgermeisterin Mayer, der Staat würde die Staatsstraßen an den Kreis übergeben, damit der Tempo machen kann. Doch wie schnell sich das Blatt auch wenden kann, zeigte sich bereits kurz nach dem Pressetermin. Die Regierung stellte auf eine SZ-Anfrage am Freitagabend klar, dass die Fördersumme entgegen der ersten Annahme just an diesem Tag doch habe zugesagt werden können. Dem gewünschten vorzeitigen Baubeginn habe man zugestimmt. Dies sei möglich geworden, weil ein anderes Projekt überraschend ausgefallen sei und somit die für dieses Jahr notwendige Summe zur Verfügung stehe.

Bürgermeister Stefan Kern zeigt sich hocherfreut über die Entwicklung. Es sei aber fraglich, ob noch in diesem Jahr der Bau beginnen könne, weil der Auftrag für die dafür notwendigen Baumfällungen erst ausgeschrieben werden müsse. Die Fristen seien knapp, es könne nur bis 28. Februar gefällt werden. Man werde alles versuchen, möglichst bald den Radweg zu schaffen. 850 000 Euro hat Brunnthal dafür im Haushalt eingeplant.